Wer ist für mein Glück verantwortlich?
Glücksministerin Gina Schöler über Zufriedenheit, Dankbarkeit und warum Glück keine Wenn-Dann-Formel ist
Einleitung
Wer ist eigentlich fuer mein eigenes Glueck verantwortlich? Diese Frage stellt sich Reza Mehman gemeinsam mit Gluecksministerin Gina Schoeler in dieser Folge von Project Mindset. Gina Schoeler leitet seit fast zehn Jahren das fiktive Gluecksministerium in Deutschland und setzt sich hauptberuflich dafuer ein, Erkenntnisse aus der positiven Psychologie alltagstauglich zu vermitteln. Im Gespraech geht es um die individuelle Definition von Glueck, die Gefahren der Wenn-Dann-Formel und die Frage, ob wir fuer das Glueck unserer Mitmenschen verantwortlich sein koennen. Ausserdem sprechen die beiden ueber Dankbarkeit als kraftvolle Strategie, das Sinnbild vom Glas mit Steinen und warum unsere Leistungsgesellschaft uns oft vom Gluecklichsein abhaelt. Eine Folge, die zum Innehalten einlaedt und konkrete Impulse fuer mehr Zufriedenheit im Alltag liefert.
Zusammenfassung
In einem Satz: Gluecksministerin Gina Schoeler erklaert, warum Glueck eine individuelle Entscheidung ist und wie wir mit Dankbarkeit, Perspektivwechsel und bewusstem Innehalten mehr Zufriedenheit in unserem Alltag schaffen koennen.
In drei Saetzen: Gina Schoeler beschreibt Glueck als hoechst individuell und warnt vor der typischen Wenn-Dann-Falle, die uns in ein Hamsterrad chronischer Unzufriedenheit treibt. Sie betont, dass bis zu 40 Prozent unseres Gluecksempfindens in unserer eigenen Hand liegen und dass wir zwar zum Glueck anderer beitragen, aber nicht allein dafuer verantwortlich sein koennen. Mit konkreten Uebungen wie dem Lebensrad, Dankbarkeitspraktiken und dem Sinnbild vom Glas mit Steinen zeigt sie Wege zu mehr Lebensfreude auf.
In fuenf Saetzen: Gina Schoeler, Deutschlands selbsternannte Gluecksministerin, erklaert im Gespraech mit Reza Mehman, warum Glueck keine universelle Formel hat, sondern von jedem Menschen individuell definiert werden muss. Sie warnt vor dem verbreiteten Wenn-Dann-Denken, das uns daran hindert, den Moment zu geniessen und das bereits Erreichte wertzuschaetzen. Laut der Harvard Grant Study sind soziale Beziehungen der wichtigste aeussere Faktor fuer seelisches Wohlbefinden, doch bis zu 40 Prozent unseres Gluecks liegt in unserer eigenen Haltung und Einstellung. Dankbarkeit erweist sich dabei als eine der wirksamsten Strategien der positiven Psychologie, um den Blick auf das Positive zu lenken. Das Sinnbild vom Glas mit Steinen verdeutlicht, dass wir zuerst die grossen, wirklich wichtigen Dinge im Leben priorisieren sollten, bevor wir uns in Kleinigkeiten verlieren.
Kontext: Wer, Was, Warum
Wer spricht: Reza Mehman, Host von Project Mindset, im Gespraech mit Gina Schoeler, Autorin des Buches „Glueck doch mal!“, Gruenderin des Gluecksministeriums und seit fast zehn Jahren als Gluecksministerin aktiv.
Worum geht es: Das Gespraech dreht sich um die Frage, wer fuer unser persoenliches Glueck verantwortlich ist. Dabei werden Erkenntnisse aus der Gluecksforschung und positiven Psychologie mit persoenlichen Erfahrungen verknuepft. Themen wie die Wenn-Dann-Falle, Leistungsgesellschaft, Dankbarkeit und Perspektivwechsel stehen im Mittelpunkt.
Warum relevant: In einer Gesellschaft, die auf Leistung, Optimierung und staendiges Wachstum ausgerichtet ist, vergessen viele Menschen, innezuhalten und ihr vorhandenes Glueck wahrzunehmen. Seelische Erkrankungen betreffen Millionen Menschen in Deutschland, und die Frage nach dem eigenen Glueck ist aktueller denn je.
Drei Kernfragen der Episode:
- Wie definiere ich Glueck fuer mich persoenlich und warum ist das so individuell?
- Bin ich fuer das Glueck meiner Mitmenschen verantwortlich?
- Welche konkreten Strategien helfen mir, im Alltag gluecklicher zu sein?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung – Ueberblick ueber die Folge mit Gluecksministerin Gina Schoeler
- Zusammenfassung – Die wichtigsten Erkenntnisse kompakt
- Kontext – Hintergrund zu Gaestin und Thema
- Themen und Einordnung – Die zentralen Themenbereiche
- Kern-Aussagen – Die wichtigsten Botschaften
- Haeufig gestellte Fragen – Antworten auf zentrale Fragen zum Thema Glueck
- Highlight-Zitate – Die staerksten Aussagen aus dem Gespraech
- Transkript – Vollstaendiges Gespraech zum Nachlesen
- Keywords – Relevante Suchbegriffe
- Namen und Begriffe – Wichtige Referenzen aus der Folge
- Zitierfaehige Passage – Kerninhalte zum Teilen
Themen und Einordnung
1. Definition und Individualitaet von Glueck
Glueck ist hoechst individuell und laesst sich nicht in eine allgemeingueltige Formel pressen. Jeder Mensch muss seine eigene Gluecksdefinition finden und diese darf sich im Laufe des Lebens veraendern.
Keywords: Glueck Definition, individuelles Glueck, Gluecksforschung
2. Die Wenn-Dann-Falle und das Hamsterrad
Viele Menschen schieben ihr Glueck auf, indem sie es an kuenftige Ziele und Meilensteine knuepfen. Diese chronische Unzufriedenheit fuehrt in ein Hamsterrad, in dem das erhoffte Gluecksgefuehl nie wirklich eintritt.
Keywords: Wenn-Dann-Formel, Hamsterrad, chronische Unzufriedenheit
3. Verantwortung fuer das Glueck anderer
Soziale Beziehungen sind laut der Harvard Grant Study der wichtigste aeussere Gluecksfaktor. Dennoch kann und sollte kein Mensch allein fuer das Glueck eines anderen verantwortlich sein. Wir koennen inspirieren, da sein und unterstuetzen, aber den eigenen Anteil muss jeder selbst uebernehmen.
Keywords: Verantwortung Glueck, soziale Beziehungen, Harvard Grant Study
4. Leistungsgesellschaft und Identitaet
In unserer heutigen Gesellschaft wird Leistung oft mit persoenlichem Wert gleichgesetzt. Das fuehrt dazu, dass Menschen sich ueber ihre Arbeit definieren und vergessen, wer sie jenseits ihrer beruflichen Rolle eigentlich sind.
Keywords: Leistungsgesellschaft, Identitaet, Selbstwert, JOMO
5. Dankbarkeit und Perspektivwechsel als Gluecksstrategien
Dankbarkeit gilt als eine der wirksamsten Strategien der positiven Psychologie. Zusammen mit bewusstem Perspektivwechsel und der Priorisierung dessen, was wirklich zaehlt, bildet sie das Fundament fuer nachhaltige Zufriedenheit.
Keywords: Dankbarkeit, positive Psychologie, Perspektivwechsel, Prioritaeten
Kern-Aussagen
- Glueck ist hoechst individuell. Jeder Mensch muss seine eigene Gluecksdefinition finden und staendig hinterfragen.
- Bis zu 40 Prozent unseres Gluecksempfindens liegen in unserer eigenen Hand, beeinflusst durch Haltung und Einstellung.
- Kein Mensch darf oder sollte allein fuer das Glueck eines anderen verantwortlich sein. Wir koennen beitragen, aber nicht alles steuern.
- Die Wenn-Dann-Formel („Wenn ich X erreiche, dann bin ich gluecklich“) fuehrt in ein Hamsterrad chronischer Unzufriedenheit.
- Soziale Beziehungen sind laut der Harvard Grant Study der wichtigste aeussere Faktor fuer seelisches Wohlbefinden.
- In unserer Leistungsgesellschaft definieren sich viele Menschen ausschliesslich ueber ihre Arbeit und verlieren dabei ihre eigentliche Identitaet.
- JOMO (Joy Of Missing Out) ist ein wertvoller Gegenpol zu FOMO und laed dazu ein, bewusst Dinge auszulassen und den Moment zu geniessen.
- Dankbarkeit ist eine der wirksamsten Strategien der positiven Psychologie und trainiert den Blick auf das Positive im Alltag.
- Das Sinnbild vom Glas mit Steinen lehrt uns, die grossen, wichtigen Dinge im Leben zuerst zu priorisieren.
- Verbundenheit mit sich selbst und mit anderen ist ein zentraler Baustein fuer nachhaltiges Glueck.
Haeufig gestellte Fragen
Was ist eine Gluecksministerin?
Gluecksministerin ist ein selbsternannter Titel von Gina Schoeler. Sie leitet seit fast zehn Jahren ein fiktives Ministerium in Deutschland, das sich als unabhaengige Initiative dafuer einsetzt, Themen wie Zufriedenheit, Wohlbefinden und positive Psychologie alltagstauglich an die Menschen heranzutragen.
Wie viel Prozent unseres Gluecks koennen wir selbst beeinflussen?
Laut der Gluecksforschung liegen bis zu 40 Prozent unseres Gluecksempfindens in unserer eigenen Hand. Dieser Anteil wird durch unsere Haltung, Einstellung und bewusste Entscheidungen gepraegt. Ein weiterer Teil ist genetisch bedingt, und ein kleinerer Teil wird durch aeussere Faktoren wie Gesundheit und finanzielle Sicherheit beeinflusst.
Was ist die Wenn-Dann-Falle beim Thema Glueck?
Die Wenn-Dann-Falle beschreibt das verbreitete Denkmuster, Glueck an kuenftige Ereignisse oder Ziele zu knuepfen: „Wenn ich diese Befoerderung bekomme, dann bin ich gluecklich.“ In der Realitaet tritt das erhoffte Gluecksgefuehl beim Erreichen des Ziels oft nicht in der erwarteten Intensitaet ein, und es entsteht eine chronische Unzufriedenheit.
Bin ich fuer das Glueck anderer Menschen verantwortlich?
Nein, kein Mensch sollte allein fuer das Glueck eines anderen verantwortlich sein. Man kann durch soziale Beziehungen, Unterstuetzung und Praesenz einen wichtigen Beitrag leisten. Der groesste Anteil des persoenlichen Gluecks liegt jedoch in der eigenen Haltung und Verantwortung jedes Einzelnen.
Was besagt die Harvard Grant Study zum Thema Glueck?
Die Harvard Grant Study laeuft seit 1938 und ist eine der laengsten Gluecksstudien der Welt. Ihre Haupterkenntnis ist, dass soziale Beziehungen der wichtigste aeussere Faktor fuer seelisches Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit sind.
Was bedeutet JOMO (Joy Of Missing Out)?
JOMO steht fuer „Joy Of Missing Out“ und ist das Gegenteil von FOMO (Fear Of Missing Out). Es beschreibt die bewusste Freude daran, Dinge auszulassen, nicht ueberall dabei sein zu muessen und stattdessen den aktuellen Moment zu geniessen.
Warum ist Dankbarkeit so wichtig fuer das Glueck?
Dankbarkeit gilt als eine der wirksamsten Strategien der positiven Psychologie. Sie trainiert den Blick auf das Positive im Alltag und hilft, den Fokus von dem, was fehlt, auf das zu lenken, was bereits vorhanden ist. Regelmaessige Dankbarkeitsuebungen koennen nachweislich das Wohlbefinden steigern.
Was lehrt uns das Sinnbild vom Glas mit Steinen?
Das Sinnbild zeigt, dass man zuerst die grossen Steine (die wirklich wichtigen Dinge im Leben wie Familie, Gesundheit, Beziehungen) in das Glas legen sollte. Danach ist noch Platz fuer kleine Steine und Sand (weniger wichtige Dinge). Beginnt man jedoch mit dem Sand, passen die grossen Steine nicht mehr hinein. Es geht also um die richtige Priorisierung im Leben.
Was ist das Lebensrad und wie hilft es beim Gluecklichsein?
Das Lebensrad ist eine Uebung, bei der man in einem 360-Grad-Kreis verschiedene Lebensbereiche wie Familie, Gesundheit, Job und Freizeit als Kuchenstuecke einteilt. Man bewertet den aktuellen Stand in jedem Bereich und erkennt so, wo Ungleichgewichte bestehen und was man veraendern kann, um zufriedener zu leben.
Highlight-Zitate
„Das ist dieses ganz klassische Wenn-Dann-Spielchen, was wir alle intuitiv irgendwie automatisch spielen. Wenn ich dies oder jenes geschafft habe, dann habe ich es verdient, dann darf ich Pause machen, dann darf ich mich zuruecklehnen.“
– Gina Schoeler
„Jeder, der das schon mal erreicht hat, oder hier oder da mal einen Meilenstein erreicht hat, was man eigentlich als Erfolg betiteln wuerde, hat gemerkt, irgendwie kam dieses erhoffte Gefuehl halt nicht so, in der Intensitaet, in der man es sich die ganze Zeit so vor Augen gefuehrt und darauf hingearbeitet hat.“
– Gina Schoeler
„Kein Mensch darf oder muss oder sollte einzig und allein verantwortlich sein fuer das Glueck und Wohlbefinden von einem anderen Menschen.“
– Gina Schoeler
„Aber eben bis zu 40 Prozent, das haben wir in der Hand. Das ist unsere Haltung, das ist unsere Einstellung, das ist das, was wir als Individuum machen, tun oder eben auch nicht tun.“
– Gina Schoeler
„Fuer mich ist es ein ganz, ganz wichtiger Punkt, in Verbundenheit zu leben. Und das bedeutet schlichtweg einfach zum einen Teil gesunder Egoismus, mit mir verbunden sein, wissen, wie es mir geht, wissen, welche Beduerfnisse in mir schlummern.“
– Gina Schoeler
„Das ganze Leben lang dieser Moehre da vor der Nase hinterher zu rennen, zu haecheln, ueberhaupt nicht mehr innezuhalten und das auch zu geniessen, was man bis dato schon geschafft hat, das kann es doch nicht sein.“
– Gina Schoeler
„Es ist so hoechst individuell, dass es mir auf der einen Seite schwerfaellt und ich mich fast schon straeube, eine allgemein geltende Definition rauszugeben.“
– Gina Schoeler
Das vollständige Gespräch
Aber mal innezuhalten und sich die Frage zu stellen, wofür mache ich das denn alles? Also was ist denn dann das Ende der Fahnenstange, also das ganze Leben lang dieser Möhre da vor der Nase hinterher zu rennen, zu hächeln, überhaupt nicht mehr innezuhalten und das auch zu genießen, was man bis dato schon geschafft hat, das kann es doch nicht sein. Und das ist dieses ganz klassische Wenn-Dann-Spielchen, was wir alle intuitiv irgendwie automatisch spielen. Wenn ich dies oder jenes geschafft habe, dann habe ich es verdient, dann darf ich Pause machen, dann darf ich mich zurücklehnen, dann gehe ich in Urlaub, dann geht es mir gut, dann bin ich happy.
Und jeder, der das schon mal erreicht hat, oder hier oder da mal einen Meilenstein erreicht hat, was man eigentlich als Erfolg betiteln würde, hat gemerkt, irgendwie kam dieses erhoffte Gefühl halt nicht so, in der Intensität, in der man es eigene sich die ganze Zeit so vor Augen geführt und darauf hingearbeitet hat. Das ist so diese chronische Unzufriedenheit, was kommt als nächstes, was kommt als nächstes. Und schwupps, herzlich willkommen im Hamsterrad. Liebe Gina, vielen Dank für deine Zeit heute.
Gina Schöler und das Glücksministerium
Sehr gerne. Ich bin sehr gespannt auf unser Gespräch. Ja, ich auch. Also ich habe ja schon angedeutet gehabt, ich habe dich mal auf einem Vortrag kennengelernt. Das ist schon ein paar Jahre her, habe dann auch von der Ferne, sage ich jetzt mal, so ein bisschen beobachtet, was du machst. Fandest du auch super interessant. Auch, ich sage jetzt mal, das Setup. Als Glücksministerin bist du unterwegs. Das bringt ja, ich sage jetzt mal gleich so eine Art witzige, lockere Atmosphäre mit, wenn man an die Glücksministerin denken muss.
Von daher denke ich, dass du da einiges richtig gemacht hast. Und gerne würde ich natürlich mit der ersten Frage starten. Was macht die Glücksministerin und wie definiert sie eigentlich Glück? Das sind zwei verschiedene Fragen, wo die Antwort jeweils eine Stunde gefühlt gehen könnte. Ich versuche mich mal zusammenzufassen. Glücksministerin natürlich, wie du schon gesagt hast, damit zum Augenzwinkern zu verstehen. Das ist ein selbsternannter Titel, gibt es noch nicht in Deutschland. Das sage ich ganz bewusst, weil in der Welt gibt es schon hier und dort richtig auch hohe staatliche politische Initiativen, die schon in diese Richtung gehen.
Deswegen so utopisch ist das gar nicht mehr. Hier in Deutschland ist es noch ein fiktives Ministerium, eine unabhängige Initiative, die ich jetzt seit fast 10 Jahren leiten darf. Also ich habe nächstes Jahr 22, habe ich 10-jähriges Jubiläum. Und was ich mache, ich bin hauptberuflich kreativ. Auf welchen Kanälen man diese unglaublich, unglaublich wichtigen Themen, Zufriedenheit, Wohlbefinden, seelische Gesundheit, positive Psychologie, wie kriegt man diese Erkenntnisse, diese Fakten an die Menschen ran getragen?
Glück im Alltag zum Thema machen
Aber ganz alltagstauglich, ganz unkonventionell, wirklich sehr down to earth, so dass jeder und jede sich angesprochen fühlt und realisiert. Hoppla, das sind echt wichtige Fragen, wichtige Themen. Ich habe Bock, ich habe Lust, ich habe Motivation, mich damit auseinanderzusetzen. Das ist mein Job, das hinzukriegen, damit unsere Gesellschaft mal wieder ein Stück innehält, mal wieder realisiert, was wirklich wichtig ist im Leben. Ob es immer nur dieses höher, schneller, weiter mehr ist oder vielleicht dann doch andere Dinge im Mittelpunkt stehen sollten, da möchte ich gerne das Sprachrohr für sein.
Und mit Aktionen, mit Angeboten, mit Formaten, Veranstaltungen, Bücher, Podcasts, Pipapo setzen wir das auf die öffentliche Agenda. Und das macht riesig viel Spaß. Ich werde nicht müde. Komme ich vielleicht zum zweiten Teil deiner Frage, wie definiere ich Glück? Und das ist das Schöne. Ich werde oft gefragt, hänge das Thema nicht langsam zum Hals raus nach so vielen Jahren, immer wieder das Gleiche. Und dann sage ich, nee, es ist nicht immer wieder das Gleiche, weil es ist so höchst individuell, dass es mir auf der einen Seite schwerfällt und ich mich fast schon sträube, eine allgemein geltende Definition rauszugeben.
Und auf der anderen Seite jeden Tag wieder staune und lerne und wachse, was ich auch von anderen Menschen in diese Richtung eben auch dazu lernen kann. Natürlich gibt es Erkenntnisse aus der Glücksforschung, aus der besagten positiven Psychologie. Es gibt so ein paar Parameter, ich sage mal so ein paar Grundnahrungsmittel in diesem Glücksrezept. Die sind ganz gut und wichtig, wenn die vorhanden sind. Sicherheit darüber im Kopf. Also einfach so ein paar Grundvoraussetzungen, die es den Menschen erleichtern, zufrieden und glücklich zu sein.
Das eigene Glücksrezept finden
Aber die feinen Nuancen, die Zutaten, die Gewürze, die die ganze Suppe eben dann zu dem machen, was einem persönlich dann schmeckt, das muss jeder selber herausfinden. Da möchte ich die Arbeit nicht vorwegnehmen. Ich bin diejenige, die den Appetit anregt, um aber bei dieser Metapher zu bleiben. Ja, in Vorbereitung auf dieses Gespräch habe ich mir natürlich auch Gedanken gemacht, wie definiere ich persönlich eigentlich Glück. Und meine erste Vermutung war, dass da tatsächlich jeder eine verschiedene Definition davon hat.
Balance zwischen den Lebensbereichen
Als ich bei mir so ein bisschen tiefer reingegangen bin, ist mir aufgefallen, ja, für mich ist Glück eigentlich, wenn ich meine wichtigen Lebensbereiche irgendwie im Balance habe. Also das Thema Familie zum Beispiel, das Thema Sport, das Thema Job, die Arbeit, die ich mache, das muss alles in irgendeinem Balance sein. Weil ansonsten, wenn ich jetzt nur 100 Prozent von einer Sache mache, habe ich das Gefühl, das fühlt mich nicht ganz aus. Und das meine ich gar nicht negativ. Ich habe sogar ein schlechtes Gewissen manchmal, als ich so denke.
Eigentlich fühlt es sich sehr. Genau. Aber wenn ich dich jetzt persönlich frage, was macht dich glücklich oder was macht dich auch unglücklich? Was würdest du dazu sagen? Also ich würde das zum sehr, sehr großen Teil auch unterschreiben, was du gerade gesagt hast. Da gibt es so eine schöne Übung mit dem Lebensrat. Vielleicht kennt das ja der eine oder die andere auch schon, wo es eben genau darum geht, in so einem 360-Grad-Kreis mal so Kuchenstücke einzuteilen, je nachdem, welche Lebensbereiche einem da halt einfallen oder wichtig sind.
Du hast Familie, Gesundheit, Sport, Job, gesellschaftlicher Beitrag, Naturverbundenheit. Da gibt es etliche Varianten, wie man halt diese Kuchenstücke betiteln kann. Und dann kann man für sich mal so einen Status quo machen. Wie ist es denn bei mir in den verschiedenen Lebensbereichen? Und da bin ich ganz bei dir, wenn das gut ausgeglichen ist. Beziehungsweise es muss auch nicht immer überall gleichmäßig sein. Es muss nicht ganz ausgeglichen sein. Vielleicht ist dem einen gesellschaftlicher Beitrag viel wichtiger als ein erfüllendes Familienleben.
Bedürfnisse und Lebensbereiche reflektieren
Das ist ja überhaupt nicht zu verurteilen. Einfach nur zu gucken, passt das so für mich, wie aktuell mein Stand der Dinge ist? Und wenn nicht, was kann ich verändern? Wie es bei mir persönlich aussieht, natürlich habe ich für mich auch so meine kleine Definition zusammen gebastelt im Laufe der Zeit. Ich möchte gar nicht in Stein meißeln, das ist so der Stand der Dinge aktuell. Kann aber auch sein, dass sich das im Laufe des Lebens immer wieder auch verändert, wie sich alles im Leben immer stetig verändert.
Für mich ist es ein ganz, ganz wichtiger Punkt, in Verbundenheit zu leben. Und das ist natürlich eine abstrakte Definition, bedeutet aber schlichtweg einfach zum einen Teil gesunder Egoismus mit mir verbunden sein, wissen, wie es mir geht, wissen, welche Bedürfnisse in mir schlummern, dafür einstehen, die auch befriedigen, meine Werte kennen und auch auf die Straße bringen und leben, mich nicht verbiegen, immer wieder auch ein Check-in mit mir machen, mir meine Ruhe, meine Auszeit, meine Autonomie gönnen.
Gerade als Familienmensch ist das nicht immer so leicht. Ich weiß, was du meinst. Und aber auch Verbundenheit mit meinem Umfeld, mit meinen Mitmenschen, sei das jetzt im privaten, Familien, Freunde, aber auch im größeren Ganzen mit der Gesellschaft, mit anderen Menschen. Immer mal wieder so im Austausch sein, Kontakt herstellen, das kann ein Augenkontakt sein, das kann ein kleiner Plausch auf der Straße sein. Einfach dieses Gefühl, ich gehöre dazu. Ich bin ein Teil des großen Ganzen. Das gibt mir ein unglaublich wohliges und geborgenes Gefühl.
Verantwortung für das Glück anderer
Und das würde ich mitunter in mein Glücksrezept definitiv mit aufnehmen wollen. Also connecten mit der Umgebung quasi. Absolut. Connecten mit mir und mit der Umgebung nach innen und nach Super interessant. Auch in der Vorbereitung des Gesprächs war eine Frage super zentral für mich. Und das hat auch was mit schlechten Gewissen oder auch weniger schlechten Gewissen zu tun zwischendurch. Und zwar die Frage, ob ich persönlich, ich sage es mal als Vater, als Ehemann, als Sohn, als Bruder, als Kumpel, ob ich persönlich verantwortlich bin für das Glück von meinem Nächsten, von meinem Lieben.
Da habe ich persönlich gar keine Antwort drauf. Ich finde es unglaublich schwierig für mich, das zu beurteilen, weil ich glaube, glücklich sein muss jeder erstmal für sich. Ich kann zwar dazu beitragen. Ich kann auf jeden Fall dazu beitragen, dass nicht das Negative passiert, also das Unglücklichsein passiert. Aber was würdest du mir jetzt raten oder was würdest du mir jetzt sagen, wenn ich dich fragen würde, bin ich verantwortlich für das Glück um mich herum? Also eigentlich hast du die Frage schon ganz gut, dass er selbst beantwortet.
Also nein, also das würde ich mal ganz klar vorwegnehmen. Kein Mensch darf oder muss oder sollte einzig und allein verantwortlich sein für das Glück und Wohlbefinden von einem anderen Menschen. Also wie du so schön formuliert hast, du kannst definitiv dazu beitragen. Unser soziales Umfeld ist das A und O. Das ist auch laut der Glücksforschung, da gibt es so eine ganz tolle, ewig lange Glücksstudie, die sogenannte Grand Study von der Harvard Medical School, die läuft seit 1938. Also ein riesiges Ding.
Soziale Beziehungen und eigene Verantwortung
Und die Haupterkenntnis ist, und das ist keine Raketenwissenschaft, das ist kein eigentliches gesunder Menschenverstand, aber die Haupterkenntnis ist, der wichtigste äußere Faktor für unser seelisches Wohl sind soziale Beziehungen. Dementsprechend natürlich hast du einen riesigen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit, auf das von dein Lieblingsmenschen, von dein Mitmenschen, aber eben nicht 100% und nicht einzig und allein. Du bist ein wichtiger Faktor, aber nicht der alleinige. Und das will heißen, ein riesiger Teil liegt eben einfach in unseren eigenen Händen.
Es ist uns ein gewisser Grad mit in die Wiege gelegt, wie wir unser Lebensglück empfinden, ob wir das Glas tendenziell halb voll oder halb leer sehen. Das ist durchaus auch genetisch mitbedingt. Es gibt einen kleinen Teil, der durch äußere Faktoren beeinflusst wird. Da spielt auch Gesundheit mit rein, da spielt materielles, finanzielles mit rein. Aber eben bis zu 40%, das haben wir in der Hand. Das ist unsere Haltung, das ist unsere Einstellung, das ist das, was wir als Individuum machen, tun oder eben auch nicht tun.
Und da hast du als Umgebung nur bedingt Einfluss darauf. Du kannst immer mal wieder inspirieren, du kannst stupsen, du kannst kitzeln, du kannst Möglichkeiten aufzeigen, du kannst ein offenes Ohr und eine starke Schulter bieten, aber mehr als inspirieren und da sein kann man eben oftmals nicht. Ich möchte sagen, wenn es Menschen im Umfeld gibt und das Thema liegt mir auch sehr am Herzen, die an seelischen Erkrankungen leiden, was ja unglaublich viele Menschen in Deutschland betrifft. Also ich glaube, aktuell sind es fünfeinhalb Millionen und jeder fünfte hat mindestens einmal im Leben die Erfahrung damit, mit irgendeiner Art von seelischen Erkrankungen.
Unterstützung und persönliche Grenzen
Dann kann man als Umfeld schon viel tun, damit einem da geholfen wird. Unterstützung bei Therapieplatzsuche, das Thema nicht unter den Teppich kehren, da gibt es viele Möglichkeiten. Aber wie das eben bei vielen Dingen im Leben ist, am Ende des Tages muss die Person es selbst wollen und es selbst machen. Das gilt für Erkrankungen, aber das gilt natürlich auch fürs Glück. Ja, vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich tue mich trotzdem noch ein bisschen schwer, wenn ich ehrlich bin. Also es hat auch was mit schlechtem Gewissen, glaube ich, zu tun.
Wenn ich mich zum Beispiel eine Zeit lang nur um mich selbst kümmern kann, weil ich gerade in gewissen Bereichen vorankommen muss, dann habe ich halt einfach weniger Zeit mich auch um andere zu kümmern, aber dann kommt automatisch mein schlechtes Gewissen. Ja, ich könnte doch mal wieder irgendwie mehr für diese eine Person tun, die mir jetzt gerade wichtig ist. Mir hilft da immer, also mir geht es da ja nicht anders. Wie alles kommt alles so in Wellen und in Phasen. Und das kommt, bei mir ist es auch stark von Jahreszeiten abhängig, wann ich mal wieder beruflich im Flow bin, wann ich mich vielleicht auch zurückziehe und mehr so den sozialen Austausch mit Familien und Freunden brauche.
Bedürfnisse offen kommunizieren
Da hilft mir das auch wirklich zuzugestehen, dass alles so im Fluss ist und mal kommt und mal geht und mal stärker ist und mal schwächer ist. Und ich versuche, insofern es mir möglich ist, ich muss das ja selber dann auch immer erst mal reflektieren und checken, dass auch wirklich wirklich im Sinne auch der gewaltfreien Kommunikation, Bedürfnisorientierung so gut es geht, offen zu kommunizieren und offen damit umzugehen, zu sagen Hey Leute, bei mir ist gerade die und die Phase angesagt. Ich schalte gerade das Handy öfter ab, ich melde mich bei WhatsApp nicht so oft, hat überhaupt nichts mit euch zu tun.
Mir geht es auch den Umständen entsprechend gut, aber bei mir ist gerade die und die Phase angesagt. Und da ist größtenteils ein riesiges Verständnis auf der anderen Seite da. Das ist ja guter Punkt, Kommunikation und Transparenz quasi. Ja, total. Also wirklich teilweise, es gibt so diese schöne Philosophie der Radical Honesty. Das heißt nicht radikal ehrlich sein, jedem am Kopf schmeißen. Find ich scheiße, was du machst, lass mich so drastisch kommunizieren, sondern wirklich ganz transparent und offen auch verletzlich sich zeigen, menschlich sich zeigen mit allen Ecken und Kanten und Höhen und Tiefen, die dazugehören.
Verbundenheit und das Buch Glück doch mal
Und auch da sind wir wieder beim Thema Verbundenheit und Connection. Und plötzlich ist man auf einer ganz anderen Ebene miteinander, hat viel mehr Verständnis und Offenheit. Und ich finde, das ist generell etwas, was wir in der Gesellschaft viel mehr gebrauchen könnten. Sehr schön gesagt. Ich wollte auch nochmal auf dein Buch zurückkommen. Say baby. Ja, Glück doch mal. Ja, vielen Dank. Also das Buch ist echt super. Ich habe es auch, glaube ich, als Arbeitsbuch quasi aufgenommen, quasi auch so eine kleine Anleitung, was ich denn machen kann, um, ich sage es mal, mich glücklicher zu fühlen oder auch hier und da mal so ein bisschen Inspiration und Motivation, einfach mal ein paar Sachen auszuprobieren.
Und da waren so viele Punkte drin. Also insgesamt sind es ja 99 Punkte, genau, die mich sehr stark zum Nachdenken gebracht haben. Und auf ein paar wollte ich eingehen, weil ich denke, die sind absolut richtig. Ein Punkt war zum Beispiel, viele haben dieses Mantra im Kopf, ich leiste, also bin ich. Erwischt, ja. Ich glaube, gerade in der Jobwelt, ich selbst sehe es auch bei mir selbst, ich muss gucken, ob ich Progress habe, ob ich Fortschritt habe, weil nur dann fühle ich mich gut, sozusagen. Und irgendwann bemerke ich dann, nee, eigentlich muss ich mich davon lösen.
Leistungsdruck und Zufriedenheit
Also nur weil ich jetzt Fortschritt in der Arbeit gemacht habe, heißt es nicht, dass ich mich dann besser fühle. Siehst du so Punkte so generell in unserer Gesellschaft, dass das Thema Leistung eigentlich dazu führt, dass man vielleicht sogar sich unhappy fühlt? Ja, also vollen Herzen ist ein ganz, ganz großes Jahr mit ungefähr fünf Ausrufezeichen. Wir leben schon in einer echt krassen Leistungsgesellschaft auf allen Ebenen. Also ich arbeite auch viel mit Schülerinnen und Schülern, mit Schulklassen, mit Lehrkräften zusammen.
Also allein ein Blick auf das Bildungssystem zeigt ja schon, dass es genau in diese von mir schon angedeutete Richtung höher, schneller, weiter eben geht. Alle wollen einen krassen Lebenslauf. Alle wollen irgendwas Cooles studieren, um damit dann irgendwie viel Kohle zu verdienen. Das ist uns irgendwie, woher auch immer, ich möchte jetzt gar keinen anderen Pranger stellen, schon so mit in die Wiege gelegt worden, dass das eben das ist, was man braucht, um ein gutes, erfolgreiches, gelingendes Leben zu haben.
Die Wenn-dann-Falle im Alltag
Aber mal inne zu halten und sich die Frage zu stellen, wofür mache ich das denn alles? Also was ist denn dann das Ende der Fahnenstange? Also das ganze Leben lang dieser Möhre da vor der Nase hinterher zu rennen, zu hächeln, überhaupt nicht mehr inne zu halten und das auch zu genießen, was man bis dato schon geschafft hat, das kann es doch nicht sein. Und das ist dieses ganz klassische, wenn dann Spielchen, was wir alle intuitiv irgendwie automatisch spielen. Wenn ich dies oder jenes geschafft habe, dann habe ich es verdient, dann darf ich Pause machen, dann darf ich mich zurücklehnen, dann gehe ich in Urlaub, dann geht es mir gut, dann bin ich happy.
Und jeder, der das schon mal erreicht hat oder hier oder da mal einen Meilenstein erreicht hat, was man eigentlich als Erfolg betiteln würde, hat gemerkt, irgendwie kam dieses erhoffte Gefühl halt nicht so in der Intensität, in der man es eigene sich die ganze Zeit so vor Augen geführt und drauf hingearbeitet hat. Das ist so diese chronische Unzufriedenheit, was kommt als nächstes, was kommt als nächstes? Und schwupps, herzlich willkommen beim Hamsterrad. Also das ist halt wirklich die Eintrittskarte dafür.
Wer bin ich ohne Leistung?
Und sich mal komplett davon zu lösen. Und das ist wahrlich leichter gesagt als getan. Ich bin da auch noch voll im Prozess drin. Wer bin ich, wenn ich nichts leiste? Was auch immer leisten heißt, das ist ja auch individuell zu beantworten. Wer bin ich oder wie bewerte ich mich? Noch interessantere Frage. Wie bewerte ich mich selber, wenn ich nichts leiste? Ich habe meine Antwort auch noch nicht gefunden, beziehungsweise die Antworten, die in meinem Notizbuch drinstehen, die sind nicht so nett, wie ich mich selber bewerte, wenn ich nichts leiste.
Aber es gilt da definitiv hinzuschauen, auch wenn es wehtun könnte. Ganz, ganz wichtig, dieses Nichtsleisten, diese Langeweile auch mal wieder anzunehmen, zu akzeptieren. Und vielleicht kommen wir auch dahin, das mal wieder zu zelebrieren. Wichtige Stichpunkte, die du sagst. Ich glaube, es ist so tief in uns verankert, dieses Konzept von delayed gratification. Also es macht natürlich bei gewissen Sachen Sinn natürlich, dass man die Gratifikation nach hinten schiebt. Aber bei dem Thema Happiness sollte man das eben genau nicht tun, sondern wenn es einen Grund, happy zu sein, heute gibt, dann bin ich es auch heute und nicht erst, wenn ich was erreicht habe.
Kleine Erfolge bewusst feiern
Also damit habe ich, musste ich mich auch irgendwie auseinandersetzen, weil ich hatte auch das Gefühl zwischendurch, dass ich auch verlernt habe, wichtige Zwischenschritte, ich sag jetzt mal kleine Meilensteine, zu feiern. Also man hat was erreicht und irgendwie, ja, nee, erst wenn ich dann das und das gemacht habe, dann feiere ich erst richtig. Und auch dieses Zurückbesinnen, ich kann mich auch mal einfach so feiern. Ich denke, es ist vielleicht arrogant, aber wichtige kleine Zwischschritte. Nein, Eigenlaub stimmt, gibt es doch auch eine Übung.
Das andere Wichtige, was ich auch noch mal kurz sagen wollte, du hast gerade gesagt, wer bin ich? Und das finde ich gerade in dem Kontext interessant. Ich habe mein Profil auf LinkedIn so ein bisschen geupdated und mir ist aufgefallen, dass natürlich jeder erst mal so gefühlt seinen Titel hinschreibt. Also der und der oder die und die und das ist mein Titel. Das sagt aber noch nichts eigentlich über die Person aus. Nee, gar nichts. Man ist ja nicht der Titel, den man hat oder wenn man jetzt Gründer ist oder wenn man jetzt irgendwie Manager ist.
Aber die Leute irgendwie, also es gibt interessanterweise Menschen, die dann reinschreiben, ich bin die und die Person, die versuchen es dann auszudrücken. Aber ich finde es unglaublich schwierig zu beantworten, wer bin ich eigentlich? So einfach und simpel die Frage klingt. Kannst du vielleicht mit… Gut, das ist ja auch hochphilosophisch, ne? Ja, genau. Da kann man jetzt natürlich auch der ganze Doktor-Arbeiten drüber schreiben. Aber ja, wir halten uns gern. Also dieses, mein Haus, mein Auto, mein Pferd vor die Nase.
Menschen jenseits ihrer Titel kennenlernen
Und da spielt der Titel natürlich auch eine große Rolle. Interessanterweise, gerade bei Veranstaltungen, wenn ich Seminare gebe oder so, ist es mir ganz, ganz wichtig, nicht diese klassische Vorstellungsrunde zu machen, damit man sich da jetzt irgendwie, gerade irgendwie, wenn ich intern bei irgendwelchen Firmen bin, dass man sich gegenseitig da die Hierarchie-Ebenen um die Ohren schmeißt. Ich will, dass die Menschen sich echt zeigen und ohne irgendwelche Rollen, Fassaden, Masken, was alles dazugehört.
Und da gilt es eben mal, andere Fragen zu stellen. Also von wegen… Eine Frage ist zum Beispiel, wenn du dieses Jahr ein Buch schreiben würdest, wie wird denn der Titel heißen? Oder was ist eine von deinen größten Stärken? Was hast du als letztes gelernt? Und plötzlich fangen die Menschen an mal so zu krübeln und auch zu sprudeln und vergessen dann teilweise sogar ihren Namen zu sagen, weil sie so in diesem Erklären und Philosophieren drin sind und man hat ein ganz, ganz fantastisches Gefühl für den Menschen.
Und dann ist der Name und der Titel irgendwie fast schon egal. Und man hat direkt Geschichten, die man dann wieder verknüpfen kann, wo man aufeinander aufbauen kann. Also ich kann das jedem nur ans Herz legen. Und sei das in der Nachbarschaft, sei das beim Verwandten-Treffen an einer langen Tafel, einfach mal andere Fragen stellen. Und plötzlich sind da Gespräche am Start, die haben eine ganz andere Tiefe. Sehr schön, sehr schön. Ich würde noch einen kleinen Nachtrag gerne, bevor du zur nächsten Frage kommst, einen kleinen Nachtrag gerne noch mal zu diesem Leistungsthema bringen.
Ziele und Zufriedenheit verbinden
Mir ist es noch mal wichtig, dass es nicht verteufelt ist, Sachen im Leben zu rocken und den Sympathikus-Modus hier irgendwie anzustoßen und Sachen zu machen, die auch Erfolge feiern bedeuten können. Weil zum Beispiel gibt es so eine Formel in der positiven Psychologie, die sogenannte PERMA-Formel. Und das A in dieser PERMA-Formel steht für Achievement. Also Ziele haben, darauf hinarbeiten, die erreichen und hoffentlich auch genießen können. Das gehört definitiv auch zur Lebenszufriedenheit mit dazu.
Also es gibt nicht immer Schwarz und Weiß. Das war mir einfach noch mal wichtig zu sagen. Absolut, bin ich vollkommen bei dir. Absolut. Ein anderer wichtiger Punkt in deinem Buch, also zumindest habe ich ihn so für mich entdeckt gehabt, war, da war eine Aufgabe drin quasi. Vervollständige bitte den Satz. Manchmal tue ich so als ob. Ja. Also ich muss sagen, das hat mich erst mal geflasht. Was kam bei dir raus? Ich bin, es ist schwierig, ich sage jetzt mal, ich habe auch lange darüber nachgedacht, aber ich habe mich gefragt, was kommt denn in deiner Erfahrung, was kommt denn bei den allermeisten Leuten raus, wenn, natürlich bitte keine Namen nennen und so weiter.
Eine Übung für mehr Authentizität
Aber hast du so Patterns, Muster gesehen, was die Leute typischerweise da so sagen? Also ich mache das ganz gerne in einer Zweierübung, wo sich zwei Menschen gegenüber sitzen und dann wirklich Achtsames zuhören und fünf Minuten gehören der einen Person, fünf Minuten gehören der anderen Person und dann wiederholt man den Satz wirklich so oft, wie es geht und vervollständigt ihn halt sehr intuitiv. Also ohne das jetzt irgendwie groß zu zedenken. Und so die Haupterkenntnisse aus dieser Übung sind, ich verstelle mich im Alltag bei so ganz, ganz Kleinigkeiten viel öfter, als es eigentlich sein müsste, um Konflikten aus dem Weg zu gehen.
Das ist so der Klassiker, Konfliktscheuheit, um es anderen Recht zu machen, was denken die anderen von mir, werde ich meiner Rolle gerecht. Also bloß dieses Nirgendwo anecken und sich so ein bisschen ducken und davonkommen im weitesten Sinne. Das ist aber halt auf lange Sicht ein tendenziell kontraproduktiv für unser Wohlbefinden. Und da sind wir wieder bei dem Thema Authentizität und Echtheit und Menschlichkeit, wo es eben auch mal dazu gehört, für sich einzustehen und vielleicht auch mal was zu machen, was von außen nicht so erwartet wird oder was man eben nicht so macht.
Eigene Werte auch an Feiertagen leben
Und ein kleines Beispiel, das ist auch so der Klassiker jedes Jahr an Weihnachten, wie viele Menschen feiern dieses Fest nach irgendwelchen Regeln, Routinen, weiß ich nicht, Traditionen, auf die sie eigentlich gar keinen Bock haben. Und sitzen dann da mit der buckligen Verwandtschaft und wissen eben nicht, welche Fragen sie stellen sollen. Und da denke ich mir dann, dann steht auch mal dafür ein, dass dieses Fest so gefeiert wird, wie dir es wichtig ist, welche Werte für dich im Mittelpunkt stehen und nimm dir die Freiheit, dich dann nicht zu verstellen, sondern dein eigenes Ding daraus zu machen.
Und plötzlich könnte es einfach auch mal schön werden, ohne Streitereien oder irgendwelche Diskussionen. Sehr schön, sehr schön. Ein anderer Punkt, den ich auf jeden Fall mitgenommen habe, du hast in einem Buch geschrieben gehabt, dass man zum Beispiel bei roten Ampeln, wenn man steht, einfach seinen Partner oder seine Partnerin küssten soll. Super Vorschlag, finde ich extrem. Kommt nicht von mir, kommt von einer Werkstattteilnehmerin, die ich dir gerne übernahe. Ja, weil ich finde die Idee einfach toll, dann ist man irgendwie so, ah, eine rote Ampel.
JOMO: Die Freude am Auslassen
Du weißt, was das ansteht, das finde ich als Gedankeneinschuss super. Was ich aber auch richtig cool fand, war das Thema YOMO, also Joy of Missing Out. Ich habe zufälligerweise vor kurzem eine Podcast-Folge zu FOMO gemacht, Fear of Missing Out. Genau, wir haben ja alle das Gefühl, wir verpassen irgendetwas, wenn wir nicht da mit dabei sind oder nicht das gemacht haben. Aber sich mal bewusst zu machen, Joy of Missing Out, ich mache das jetzt absichtlich nicht mit und freue mich darüber, dass ich nicht mitmache.
Wie bist du da rüber gekommen? Da geht es auch ganz viel um Autonomie. Also selbst zu bestimmen, worauf habe ich Bock, worauf habe ich nicht Bock, wie sind meine Energien überhaupt, welche Ressourcen habe ich gerade, für wen oder was mache ich das? Und dann ganz konkret und sehr bewusst zu entscheiden, was mache ich mit oder was lasse ich eben auch sein? Und da geht es ganz viel auch um gesellschaftliche Zwänger. Wie gestalte ich mein Leben? Mache ich das Studium? Gründe ich eine Familie? Mache ich die Weltreise?
Ja oder nein? Oder darf es auch einfach mal ganz genütlich zu Hause auf dem Sofa chillen? Dieses Lebenslauf pimpen und alles für Instagram machen? Nee, mach dein eigenes Ding. Ja, finde ich super. Also diese ganzen Gedankenanschlüsse, ich kann echt jedem nur empfehlen, in das Buch reinzuschauen. Da nimmt man einiges mit. Was ich super interessant fand auch, das ist zum Thema Perspektive. Du hast nämlich eine Aufgabe in dem Buch war, was siehst du auf diesem Blatt Papier? Da war ein schwarzer Punkt drauf.
Der schwarze Punkt und die weiße Fläche
Und drum herum war nur weiß. Und natürlich erkennt man den schwarzen Punkt. Und natürlich intuitiv sagt man gar nicht, ja, aber da ist auch noch eine weiße Fläche da. Also die Perspektive oder beziehungsweise manchmal fokussiert man sich halt auf einen schwarzen Punkt und das drum herum vergisst man. Bei mir war das so, ich habe vor Jahren mal einen Start-up gegründet. Wir waren am Anfang super erfolgreich unterwegs. Dann kamen leider ein paar falsche Entscheidungen, die dann getroffen wurden. Und es ist dann nicht mehr so schön geendet, sage ich jetzt mal.
Und ich habe da erst mal nur, ich sage erst mal, diese Niederlage gesehen. Ich habe gar nicht gesehen, was ich sonst noch auf den, in den paar Jahren, wo ich es gemacht habe, an, ich sage erst mal, neuen Freunden gewonnen habe, an Netzwerk gewonnen habe, an Erfahrungen gewonnen habe. Das habe ich gar nicht gesehen. Ich habe nur die Niederlage gesehen, bis mir dann irgendwann bewusst geworden ist, ich muss die Perspektive ändern. Weil es besteht nicht nur alles aus einem Gewinn, sondern alles aus einem Verlust, sondern hinter jedem, oder meistens denke ich mal hinter jedem Verlust, ist auch ein Gewinn dabei.
Die Perspektive auf den Alltag ändern
Also das Thema Perspektive kam mit diesem schwarzen Punkt für mich extrem schön zum Vorschein. Genau. Geht ein bisschen einher mit der roten Ampel. Natürlich ist rote Ampel konnotiert als etwas sehr Negatives, was uns nervt, was uns Zeit raubt, was doof ist. Und da gilt es eben zu gucken, wie kann man ja im weitesten Sinne das Beste aus der Sache machen? Wie kann ich es für mich umgestalten, dass ich damit gut oder besser zurechtkomme? Und bei der roten Ampel, gut, da könnte man jetzt knutschen. Man könnte aber auch das Handy zu Hand nehmen und einem Lieblingsmenschen eine einminütige Sprachnachricht zukommen lassen.
Oder mit der Freisprechanlage, um mal ganz korrekt zu sein. Bei dem schwarzen Punkt, ja, da geht es ganz viel auch um Wahrnehmung. Wie du gesagt hast, Perspektivwechsel auch mal, das Drumherum, das andere, was nebenbei vermeintlich selbstverständlich vielleicht so gelaufen ist oder passiert ist, das überhaupt mal anzuerkennen und wertzuschätzen. Weil der schwarze Punkt, auch das ist individuell, kann bei dem einen irgendwie eine Krankheit im Leben sein. Für den nächsten ist es der Jobverlust. Für den übernächsten ist es irgendwie eine E-Mail mit negativen Feedback.
Das Positive bewusst wahrnehmen
Also alle Größenordnungen mit dabei. Das ist das, worum wir uns dann die ganze Zeit kümmern, worum sich alle Gedanken drehen. Aber, und da sind wir wieder bei dem Thema, wie kriegen wir es denn hin, der Evolution da so ein Schnippchen zu schlagen? Wie kriegen wir unser Gehirn umtrainiert, auch das Positive wahrzunehmen? Weil es ist nun mal leider so, Säbel, Zahn, Tiger ist da irgendwie noch sehr tief in uns drin. Der Fokus geht auf das Schlechte, auf das Gefährliche, auf das, was potenziell unser Leben bedroht, in Anführungsstrichen.
Und da gilt es eben, sich ganz bewusst und konzentriert auch das vor Augen zu führen, was gut ist und was gut tut. Und in dem Fall ist es eben dann die weiße Fläche außenrum, die da viel größer und viel vielseitiger ist als dieses eine Problemchen, auf das wir uns da stürzen. Das ist das Tolle auch am Buch, dass du, ich sag es mal, mit viel Visuellem arbeitest. Also nicht nur im Sinne von, da ist das Text, den lese ich mir durch, sondern du arbeitest mit dem Visuellen zusammen. Und auch da komme ich auch zum nächsten Punkt.
Prioritäten mit dem Glas der Steine verstehen
Für mich eigentlich der totale Eyeopener war die Geschichte mit, du hast ein großes Glas und da tust du große Steine rein. Du schreibst, die großen Steine sind zum Beispiel die wichtigen Lebensbereiche, Familie. Für mich jetzt zum Beispiel auch Sport, das Thema und noch viele weitere. Und drumherum über, zu diesen großen Steinen füllst du Sand nach. Und dieser Sand repräsentiert quasi so der Alltagsstress, den man hat. Tasks, die man erledigen muss und so weiter und so fort. Und das war für mich deswegen Eyeopener, weil ich nie visuell diese großen Lebensbereiche für mich gesehen habe.
Ich wusste, die sind wichtig, aber ich hatte es nie so vor meinem Auge quasi. Und dann wurde mir erst mal bewusst, weil auch der Raum natürlich eingenommen wird von den großen Steinen. Dann wurde mir erst mal visuell bewusst, ja krass, ja Familie muss Raum einnehmen. Also das heißt, an einem Tag von 24 Stunden kann ich nicht nur meine Arbeiten, die ganzen Tasks, die halt anstehen, erledigen, sondern ich habe nicht umsonst auf einen großen Stein zum Beispiel Familie draufgeschrieben oder Sport draufgeschrieben.
Den Raum müssen die das einnehmen, eine Stunde oder zwei oder was auch immer dahinter steckt. Also dafür wollte ich dir Danke sagen, war deshalb total der Eyeopener für mich. Wie bist du darauf gekommen? Ich habe das selbst mal bei einer Online-Vorlesung gesehen. Da gibt es auch YouTube-Videos dazu. Das ist eine große Übung im Sinne von wie setzt du deine Prioritäten im Leben, weil wir uns eben oft mit dem Kleinkram aufhalten. Und letztendlich hilft diese sehr haptische Visualisierung mit einem großes Einmachglas.
Große Steine und kleine Aufgaben
Manche nehmen große Steine, andere nehmen Ping-Pong-Bälle. Da gibt es die unterschiedlichsten Varianten und überleg dir erst mal, was sind denn so deine großen Pfeiler im Leben. Bei dir ist es jetzt Familie, Sport und so weiter. Dann gibt es so ein paar unwichtigere Sachen, die aber trotzdem dir irgendwie schon noch am Herzen liegen. Das sind dann irgendwelche Kieselsteine, also ein bisschen kleiner. Und der Sand im Getriebe, ich habe es glaube ich im Buch so ein bisschen flapsig gesagt von wegen Steuererklärung, Schwiegermutter und so.
Ist das, was man halt irgendwie machen muss, was aber nicht dich erfüllt oder was das Nonplusultra für dein eigenes Glück ist. Und der Gamechanger oder der Wendepunkt in dieser Übung ist ja, wenn wir mal ehrlich zu uns selber sind, beschäftigen wir uns in dem langen Tag eben mit diesem Sand, in Anführungsstrichen. Das heißt, wenn wir den zuerst in dieses Glas füllen, dann die unwichtigen Kieselsteine noch nachfüllen und dann erst das reintun, was uns wirklich, wirklich, wirklich am Herzen liegt, nämlich die großen Steine mit Sport und Family und so weiter, dann passen die gar nicht mehr rein.
Das Wichtige zuerst ins Glas legen
Das ist ja die Krux an der ganzen Sache. Deswegen, wie du so schön gesagt hast, die Großen müssen zuerst rein und dann alles andere darf sich dann in die kleinen Zwischenräume füllen. Und der eine Prof in der Vorlesung hat dann sogar ganz am Schluss noch eine Dose Bier reingekippt. Und das passt auch noch rein interessanterweise. Das fließt dann so zwischen diesen ganzen Sand und Kieselsteinen. Dann sickert das auch noch ein. Und dann sagt er so schön und ganz ehrlich, liebe Leute, für einen Bier mit guten Freunden, egal wie voll euer Kalender ist, für das ist immer Zeit.
Und das ist so ein schönes Sinnbild für wie setzt du deine Prioritäten, wie setzt du deine Agenda zusammen? Wenn du nicht den Raum für das wirklich Wichtige im Leben freihälst, dann wird alles andere den Raum einnehmen. Und ich mache das tatsächlich gerade so zum Jahreswechsel ganz gerne. Das habe ich mir bei einem guten Kumpel abgeguckt. Ich kontaktiere meine Lieblingsmenschen, so gerade auch die Freunde, die weiter weg wohnen und so weiter und so fort und mache mit denen schon Dates fürs kommende Jahr aus und sage, okay, lass uns mal eins, zwei, drei Termine schon mal blocken im Kalender.
Zeit für Lieblingsmenschen reservieren
Dann sind die einfach fest, dann stehen die fest. Dann sind das so Meilensteine, auf die ich mich freuen kann. Dann wird da aber auch kein Kundentermin oder keine Veranstaltung hingelegt und automatisch ordnet sich der ganze Sand und der ganzen Kiesel da drunter. Und das ist ja, wenn man das wirklich mal auch durchzieht, dann kann das lebensverändernd sein. Auf jeden Fall, das glaube ich auf jeden Fall. Vielleicht nur eine ganz kurze Anmerkung. Meine Schliegermama schaut zu. Natürlich ist sie ein großer Stein bei mir.
Die begrüßt an dieser Stelle. Das ist mit einem sehr gesunden Augenzwinkern gepasst gewesen. Nee, super. Ich wollte auch noch mal auf das Thema Dankbarkeit zu sprechen kommen. Also für mich persönlich ist es tatsächlich so, in den letzten Jahren hat sich für mich herauskristallisiert, dass es ein unglaublich wichtiges Thema ist. Weil ich habe bei mir gemerkt, dass ich mit der Zeit irgendwie undankbarer geworden bin für die Sachen, die eigentlich, ich sage jetzt mal, wo man eigentlich dankbarer sein muss.
Dankbarkeit als tägliche Routine
Hab dann zufälligerweise, das war auch so ein Online-Video gesehen gehabt, da war so ein super Tipp dabei, wie man dankbarer werden kann. Weil das hat sich mir dann tatsächlich vorgenommen. Und zwar morgens und abends jeweils von Kalendereintrag, der poppt dann auf und dann nimmt man sich zwei Minuten und denkt über nach, worüber man dankbar ist. Und ich so, okay, ich probiere es mal. Also habe erst mal nicht so lange geglaubt, aber ich wusste, ich musste da was machen. Hab dann angefangen damit, morgens im Kalendern, direkt aufstehen und abends kurz zum Schlafen gehen.
Hab dann zwei, drei Minuten nachgedacht. Am Anfang kamen so Standard-Themen. Ja, Gesundheit, Dach über den Kopf. Aber irgendwann sagt das Gehirn, das ist jetzt langweilig, such die mal auch spezifische Sachen aus. Und dann habe ich gemerkt, dass ich für wirklich die kleinsten Kleinigkeiten mit der Zeit dankbarer geworden bin. Zum Beispiel, dass heute der Kaffee so gut geschmeckt hat. Oder dass die Decke zu Hause so weich auf meinem Körper liegt und ich so gut einschlafen kann damit. Und da habe ich irgendwie verinnerlicht, wie wichtig überhaupt Dankbarkeit ist.
Und dass man wirklich für alles dankbar sein kann, was im Leben passiert. Ein bisschen so teilweise sogar für, ich will nicht sagen, extrem schlimme Ereignisse. Aber es gibt manchmal Ereignisse, die nimmt man zuerst nicht so positiv wahr. Aber dann ist man dankbar, dass es passiert ist, weil man vielleicht eine neue Perspektive gewonnen hat. Genau. In der Perspektive sind gerade solche Stolpersteine manchmal sehr hilfreich. Genau. Was bedeutet Dankbarkeit für dich? Das ist in der positiven Psychologie auch eine sogenannte Megastrategie, weil es, wie du gesagt hast, echt immer funktioniert.
Achtsamkeit für kleine Glücksmomente
Egal wie bescheiden da draußen gerade alles ist. Man findet immer so Mikromomente, wo man mal kurz innehalten kann und sagen kann, aber das ist wenigstens schön. Da bin ich dankbar für. Das ist nicht selbstverständlich. Das tut mir gut. Und das geht einher mit Achtsamkeit. Du würdest diese weiche Decke und den leckeren Kaffee ja gar nicht wahrnehmen, wenn du nicht mit allen Sinnen in dem Moment auch wärst. Und das ist im positiven Sinne so ein, wie sagt man, was ist der positive Begriff von Teufelskreis?
Engelskreis. Also es wird immer mehr, wenn du einmal anfängst, dich in diese Richtung zu konzentrieren und zu fokussieren. Energy flows for attention goes, gibt es ja diesen schönen Spruch. Und ich habe das selber auch bei Recherchen gemerkt, wenn man einmal anfängt, schöne Sachen zu sammeln, überall poppen sie plötzlich auf und begegnen einem. Und die Sinne sind ganz anders dafür eben geschärft und die Fühler ausgestreckt. Und das ist das Schöne. Irgendwann reichen zwei Minuten morgens und abends auch nicht mehr, weil die Liste plötzlich so lang wird.
Und Dankbarkeit ist insofern auch super interessant, weil es ja in verschiedene Richtungen geht. Wille heißen Dankbarkeit für sich, ganz im Stillen, einen achtsamen Moment für sich haben, um eben genau solche Dinge mal, du hast es jetzt digital irgendwo eingetragen, andere machen eine Pinwand draus, die Nächsten schreiben Tagebuch, haben vielleicht eine WhatsApp-Gruppe mit Freunden, wo sie sich solche Erkenntnisse hin und her funken. Dieses klassische Dankbarkeitstagebuch ist ja auch so echt gut und wichtig.
Dankbarkeit nach außen tragen
Und ich kenne viele Leute, die da am Anfang so die Augenbrauen hochgezogen haben, soll ich jetzt Tagebuch schreiben. Ja, probier es mal aus. Mal gucken, was passiert. Das ist so für sich klar zu werden, was alles schön und gut ist im Leben. Da sind wir wieder bei der Wahrnehmung, beim Säbelzahntiger und so weiter und so fort. Was für mich hier Connection nach außen, du weißt es noch vom Anfang, absolut elementar aber auch ist und mir immer wieder gute Laune macht, auch wenn ich mal echt einen grauen Tag habe, ist Dankbarkeit nach außen tragen.
Das heißt, der Supermarktverkäuferin mal zwei Sekunden ausformulieren, dass das nicht selbstverständlich ist, was sie hier rockt und wie schön sie ihren Job macht und danke, dass sie so freundlich ist, obwohl hier alles so stressig ist. Dem Partner, der Partnerin mal wieder Danke sagen für vermeintlich selbstständliche Dinge im Alltag. Danke, dass du das trotzige Kind heute übernommen hast. Mein Energielivell hat es nicht hingekriegt. Also all solche Sachen, die gehen im Eifer des Gefechts im stressigen Alltag oft unter.
Und wenn wir uns aber Zeit nehmen, die zu äußern, auszuformulieren, dann investieren wir richtig, richtig in unser soziales Netzwerk und das kommt wieder zurück. Das ist nicht ganz uneigennützig. Absolut. Ja, sehr schön gesagt. Ich fand vielleicht in dem Kontext auch, du hast eine Diät vorgeschlagen in dem Buch, Meckerfasten. Das fand ich auch ziemlich cool, ehrlich gesagt, weil ich erwische mich auch manchmal dabei, dass ich halt den Hamper rummeckere und dann denke ich mir, ne, komm, das macht dir gar keinen Spaß.
Meckerfasten und die ALI-Methode
Also ich habe auch nicht gerne mit anderen Menschen zu tun, die dauernd meckern, alles ist negativ und so weiter. Also Meckerfasten habe ich auch mitgenommen. Und die ALI-Methode, Atmen, Lächeln, Innehalten, die funktioniert. Also kurz bevor man austicken möchte, einfach so diese Atmen, Lächeln, Innehalten und schon ist man tatsächlich entspannter. Das fand ich unglaublich gut. Ich war jeder Tages- und Nachtzeit approved. Genau, genau. Also viele, viele tolle Punkte in diesem Buch drin. Und Gina, ich weiß, dass jetzt natürlich Vorweihnachtsstress ansteht.
Ich will nicht zu viel deiner Zeit einnehmen. Deswegen komme ich auch, bevor ich die letzte Frage stelle, noch mal eine Frage, wo man dich online finden kann, wenn man dir folgen möchte. Wie kommt man am besten mit dir in Kontakt? Also ich glaube so der Dreh- und Angelpunkt ist erstmal die Webseite ministrieren-für-glück.de. Da findet man eigentlich alle Infos zu dem, was mein Team und ich so treiben im lieben langen Tag. Natürlich soziale Kanäle, Instagram, Facebook sind wir sehr aktiv. Es gibt den Podcast, das kleine Glück.
Der ist jetzt gerade wieder reanimiert worden. Der hat ein bisschen verlängerte Sommerpause gehabt, weil dieses Jahr bei mir und bei uns einfach unglaublich viel anstand. Da musste ich meine Prioritäten ein bisschen neu setzen. Aber der fängt jetzt wieder an, neue Folgen online zu bekommen. Ja, also wer weiß, wo wir uns in Zukunft überall rumtreiben. Wir haben immer wieder neue Ideen. Aber das sind so die Hauptanlaufstellen, würde ich mal sagen. Das ist sehr schön. Also ich kann jedem empfehlen, der irgendwie die tägliche Portion Glück sucht und haben möchte, auf jeden Fall der Gina zu folgen.
Ginas persönliche Lebensphilosophie
Gut, kommen wir zur letzten Frage, die ich jedem Gast stelle. Ich beschäftige mich immer natürlich innerhalb des Podcasts mit dem Thema Mindset und will auch von meinen Gästen natürlich wissen, welches Mindset den größten und positivsten Einfluss in ihrem Leben hatte. Ich weiß gar nicht, ob ich das auf ein einziges Mindset runterbrechen wollen würde. Du meinst so ein bisschen Lebenseinstellung, Lebensphilosophie. Richtig, genau. So in die Richtung. Genau. Ich bin eine gebürtige Monomerin. Demsprechend bin ich irgendwie habe ich im Blut so dieses dieses Motto nicht babbeln, sondern machen.
Also ich bin echt eine Macherin. Ich bin sehr ungeduldig. Ich habe einen Dickkopf. Das sind alles so Eigenschaften, die würden mich, glaube ich, schon ganz gut beschreiben, wenn ich ehrlich zu mir selber bin. Da mit einhergeht ein Motto, was meine Eltern mir so mit auf den Weg gegeben haben, geht nicht, gibt es nicht. Will heißen, wenn du Ideen, wenn du Visionen, wenn du Träume hast und die dürfen auch gerne verrückt und ein bisschen spinnert und ab von der Norm sein, dann geh los und versuch es. Gibt keine Garantie, dass es funktioniert, aber du wirst dich ein Leben lang ärgern, wenn du gewisse Dinge nicht ausprobiert hast.
Ausprobieren und auch loslassen
Dieses Was wäre gewesen, wenn? Ich glaube, das treibt alle früher oder später mal in den Wahnsinn und dementsprechend dieses dieses Motto geht nicht, gibt es nicht. Versuch es mal und gib dein Bestes und guck, wie du das auf die Straße bringst, was dir wirklich am Herzen legt. So ist übrigens dann auch das Ministerium entstanden. Natürlich gibt es auch Sachen im Leben, die nicht funktionieren und da dann aber auch den Mut zu haben. Ich glaube, Mut ist für mich auch ein großes Thema zu sagen. Das lasse ich jetzt los.
Ich probiere was anderes. Ich gehe meinen Weg. Ich gehe mit dem Flow. Ich bin keine Person, die hier irgendwelche Wandtattoos hat und sich irgendwie ein Lebensmotto für alle Zeiten irgendwie eintätowiert, sondern ich bin sehr impulsiv und sehr intuitiv und dementsprechend mache ich keinen Jahresplan. Ich mache keinen Business Plan. Ich mache keine Jahresvorsätze. All solche Sachen mache ich tatsächlich nicht. Ich höre, ich versuche mir regelmäßig Zeit für Reflektion zu nehmen, mich reinzuhören und zu gucken, was brauche ich gerade?
Wo ist gerade die Leichtigkeit? Was macht mir Spaß? Mit welchen Menschen möchte ich mich umgeben? Und das versuche ich dann. Das klappt mal gut. Das klappt mal weniger gut. Und dann darf es gerne wieder weitergehen. Ich glaube, so dieses Mindset macht das Beste draus und gucke, dass es dir und deinen Mitmenschen dabei gut geht. Und Leben ist Veränderung. Also immer in allen Lebensbereichen. Nicht zu sehr in diesem Autopiloten feststecken, an Dingen festkrallen, sondern dieser Dynamik irgendwie so ihren Raum geben.
Glück als wichtiges Lebensthema
Das ist mir ganz wichtig. Wenngleich ich auch Sicherheit und ein gemütliches Zuhause sehr schön finde. Keine Ahnung, ob das jetzt die Antwort auf deine Frage war, aber ich glaube, du hast so ein bisschen ein Gefühl dafür bekommen, wie ich das erticke. Ja, ja, ja, ja. Also ich habe schon gemerkt, dass quasi dein Mindset besteht aus vielen Einzelteilen oder Lebensmotos, die zusammenkommen. Von daher super vielen Dank. Lieben Dank für deine Zeit, Gina. Ich fand es super informativ für mich. Das Thema Glück wird, glaube ich, von vielen nicht so hoch priorisiert im Leben.
Abschluss: Dem Glück Raum geben
Aber ich hoffe, unsere Zuhörerinnen und Zuhörer konnten da mitnehmen, dass man doch mal das Thema Glück hoch priorisieren sollte. Es ist die Basis von allem. Ich sage da immer so flatzig, viele denken gerade in der Wirtschaft, ja, das ist so nice to have. Da kümmern wir uns mal drum, wenn wir genug Zeit haben. Aber es ist wirklich privat wie beruflich. Es ist elementar, sich diese Fragen zu stellen und vor allem sich auf die Suche nach den Antworten zu machen, weil darauf baut ja alles weitere auf. Ansonsten ist das irgendwie ein sehr instabiles Kartenhaus, was bei vielen früher oder später dann auch zu wackeln oder tatsächlich auch einzustürzen gilt.
Und dementsprechend ja besser, besser früher als später bitte diese Fragen stellen. Vielen Dank für diese Abschlussworte. 1000 Dank, Gina. Gerne. Bis bald wieder. Danke dir ganz lieb. Danke. Tschüss.
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Keywords
Tags: Glueck, Gluecksministerin, Gina Schoeler, positive Psychologie, Dankbarkeit, Leistungsgesellschaft, Wenn-Dann-Falle, Harvard Grant Study, JOMO, Lebensrad, Zufriedenheit, Wohlbefinden, Selbstverantwortung, Perspektivwechsel, Mindset
Namen und Begriffe
Gina Schoeler, Reza Mehman, Project Mindset, Gluecksministerium, Harvard Grant Study, Harvard Medical School, Positive Psychologie, Gluecksforschung, JOMO (Joy Of Missing Out), FOMO (Fear Of Missing Out), Lebensrad, „Glueck doch mal!“ (Buch), Leistungsgesellschaft, Dankbarkeit, Hamsterrad, Wenn-Dann-Formel, Verbundenheit, Seelische Gesundheit
Zitierfaehige Passage
Glueck ist hoechst individuell und laesst sich nicht in eine universelle Formel pressen.
Bis zu 40 Prozent unseres Gluecksempfindens liegen in unserer eigenen Hand und werden durch unsere Haltung und Einstellung bestimmt.
Die verbreitete Wenn-Dann-Formel fuehrt in ein Hamsterrad chronischer Unzufriedenheit, weil das erhoffte Gluecksgefuehl beim Erreichen von Zielen selten so intensiv eintritt wie erwartet.
Dankbarkeit und Verbundenheit, sowohl mit sich selbst als auch mit dem sozialen Umfeld, sind laut Gluecksforschung zentrale Bausteine fuer nachhaltiges Wohlbefinden.
Weitere Folgen und persönliche Impulse findest du bei Project Mindset.

