Warum die Iran-Politik und Völkerrechts-Debatte das Amt des Bundespräsidenten beschädigen
Einleitung
Bundespräsident Steinmeier steht zunehmend in der Kritik, vor allem wegen seiner Haltung zum Iran und zur Frage des Völkerrechts. In dieser Podcast-Folge analysiert Reza Mehman, gebürtiger Iraner und deutscher Staatsbürger, warum Steinmeiers Glückwünsche an das Mullah-Regime zum Jahrestag der islamischen Revolution problematisch sind. Besonders brisant: Steinmeier bezeichnete den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig und ging damit auf Gegenkurs zu Kanzler Merz und der Bundesregierung. Gleichzeitig hatte er als Außenminister die Annexion der Krim nicht als Völkerrechtsbruch benannt. Diese Doppelmoral wirft Fragen auf, ob Steinmeier seiner Rolle als moralischer Kompass der Deutschen gerecht wird. Reza Mehman ordnet die Debatte mit persönlicher Betroffenheit und politischem Blick ein.
Zusammenfassung
1-Satz-Version: Reza Mehman kritisiert Bundespräsident Steinmeiers Glückwünsche an das iranische Mullah-Regime, seine Völkerrechts-Einordnung des Iran-Kriegs und die damit verbundene Doppelmoral im Vergleich zur Krim-Annexion.
3-Satz-Version: Bundespräsident Steinmeier wird dafür kritisiert, dem iranischen Regime im Namen des deutschen Volkes zum Jahrestag der islamischen Revolution gratuliert zu haben. Zusätzlich sorgt seine Einschätzung des Iran-Kriegs als völkerrechtswidrig für Spannungen mit der Bundesregierung unter Kanzler Merz. Reza Mehman, selbst gebürtiger Iraner, sieht eine Doppelmoral, da Steinmeier die Annexion der Krim seinerzeit nicht als Völkerrechtsbruch bezeichnete.
5-Satz-Version: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht massiv in der Kritik. Reza Mehman, gebürtiger Iraner und deutscher Staatsbürger, hinterfragt, warum Steinmeier dem iranischen Mullah-Regime im Namen des deutschen Volkes gratuliert hat. Als Iraner, der vor diesem Terrorregime geflohen ist, empfindet er das als persönlichen Affront. Darüber hinaus bezeichnet Steinmeier den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig und widerspricht damit der Linie von Kanzler Merz, während ausgerechnet das Mullah-Regime Steinmeier dafür lobt. Besonders fragwürdig erscheint die Doppelmoral: Die Annexion der Krim durch Russland thematisierte Steinmeier als Außenminister nicht als Völkerrechtsbruch.
Kontext: Wer, Was, Warum
Wer spricht: Reza Mehman, Podcaster und gebürtiger Iraner mit deutscher Staatsbürgerschaft, der persönlich vom iranischen Regime betroffen ist. Ergänzt durch Nachrichtenbeiträge mit Stimmen von Jens Spahn (CDU-Fraktionschef) und politischen Kommentatoren.
Worum geht es: Die Rolle von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Spannungsfeld zwischen Iran-Politik, Völkerrechtsdebatte und dem Anspruch, moralischer Kompass der Nation zu sein.
Warum ist das relevant: Der Iran-Krieg und die damit verbundene Völkerrechtsfrage sind aktuell hochpolitisch. Steinmeiers Position widerspricht der Bundesregierung und wird ausgerechnet vom iranischen Regime gelobt. Die Debatte berührt die grundsätzliche Frage, welche Rolle der Bundespräsident in der Außenpolitik spielen darf und soll.
3 Kernfragen:
- Darf der Bundespräsident im Namen des Volkes einem Terrorregime gratulieren?
- Hat Steinmeier mit seiner Völkerrechts-Einschätzung seine Befugnisse überschritten?
- Gibt es eine Doppelmoral bei Steinmeier im Vergleich zwischen Iran-Krieg und Krim-Annexion?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung – Überblick über die Steinmeier-Debatte
- Zusammenfassung – Das Wichtigste in 1, 3 und 5 Sätzen
- Kontext – Wer spricht und warum das Thema relevant ist
- Inhaltsverzeichnis – Navigation durch den Beitrag
- Themen und Einordnung – Die zentralen Themenbereiche
- Kern-Aussagen – Die wichtigsten Positionen auf einen Blick
- Häufig gestellte Fragen – Antworten auf die drängendsten Fragen
- Highlight-Zitate – Die stärksten Aussagen aus dem Gespräch
- Das vollständige Gespräch – Das aufbereitete Transkript
- Keywords – Relevante Suchbegriffe
- Namen und Begriffe – Verzeichnis aller genannten Personen und Begriffe
- Zitierfähige Passage – Zum direkten Zitieren
Themen und Einordnung
1. Rolle des Bundespräsidenten
Die Frage, ob Steinmeier als moralischer Kompass der Nation seiner Verantwortung gerecht wird und wo die Grenzen seiner Befugnisse in der Außenpolitik liegen.
Keywords: Bundespräsident Rolle, moralischer Kompass, Amt des Bundespräsidenten
2. Iran-Politik und Mullah-Regime
Steinmeiers Glückwünsche an das iranische Regime und die persönliche Betroffenheit von Exil-Iranern in Deutschland.
Keywords: Iran Mullah-Regime, islamische Revolution, Exil-Iraner Deutschland
3. Völkerrechtsdebatte Iran-Krieg
Die Kontroverse um Steinmeiers Einordnung des Iran-Kriegs als völkerrechtswidrig und der Widerspruch zur Position der Bundesregierung unter Kanzler Merz.
Keywords: Iran-Krieg völkerrechtswidrig, Steinmeier Merz Konflikt, Völkerrecht
4. Doppelmoral: Iran vs. Russland
Der Vergleich zwischen Steinmeiers Reaktion auf den Iran-Krieg und seiner früheren Haltung zur Krim-Annexion durch Russland.
Keywords: Doppelmoral Steinmeier, Krim Annexion, Russlandpolitik
5. Demokratie und Werteorientierung
Die grundsätzliche Frage, wie sich ein Demokrat gegenüber autoritären Regimen positionieren sollte.
Keywords: Demokratie Deutschland, demokratische Werte, Terrorregime
Kern-Aussagen
- Bundespräsident Steinmeier hat dem iranischen Mullah-Regime zum Jahrestag der islamischen Revolution gratuliert und das auch im Namen des deutschen Volkes getan.
- Für Exil-Iraner mit deutscher Staatsbürgerschaft ist es ein Affront, wenn in ihrem Namen einem Regime gratuliert wird, vor dem sie geflohen sind.
- Steinmeier bezeichnete den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig und widersprach damit der Linie von Kanzler Merz und der Bundesregierung.
- CDU-Fraktionschef Jens Spahn betont, die völkerrechtliche Prüfung sei allein Sache der Bundesregierung, nicht des Bundespräsidenten.
- Das iranische Mullah-Regime lobte Steinmeier ausdrücklich für seine Position, was die Fragwürdigkeit seiner Aussage zusätzlich unterstreicht.
- Bei der Annexion der Krim durch Russland hat Steinmeier als Außenminister den Völkerrechtsbruch nicht als solchen benannt, was eine Doppelmoral offenbart.
- Der Bundespräsident sollte als moralischer Kompass der Demokratie dienen und sein Amt mit der nötigen Würde ausüben.
- Auch wenn diplomatischer Umgang mit autoritären Regimen notwendig ist, kann man sich als Demokrat klar positionieren.
Häufig gestellte Fragen
Warum wird Bundespräsident Steinmeier kritisiert?
Steinmeier wird kritisiert, weil er dem iranischen Mullah-Regime im Namen des deutschen Volkes zum Jahrestag der islamischen Revolution gratuliert hat. Zudem bezeichnete er den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig und widersprach damit der Linie der Bundesregierung unter Kanzler Merz.
Hat Steinmeier dem Iran zum Jahrestag der islamischen Revolution gratuliert?
Ja, Frank-Walter Steinmeier übermittelte Glückwünsche zum Jahrestag der islamischen Revolution an das iranische Regime, und zwar auch im Namen seiner Landsleute. Dies wird besonders von Exil-Iranern in Deutschland als problematisch empfunden.
Was sagt Jens Spahn zur Steinmeier-Kritik?
CDU-Fraktionschef Jens Spahn betonte, dass die völkerrechtliche Prüfung allein der Bundesregierung obliegt. Er erwartet von Amts- und Würdenträgern, dass sie diese Prüfung abwarten und respektieren.
Welche Doppelmoral wird Steinmeier vorgeworfen?
Steinmeier bezeichnet den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig, hat aber als Außenminister die Annexion der Krim durch Russland im Minsker Abkommen nicht als Völkerrechtsbruch thematisiert. Kritiker sehen darin eine klare Doppelmoral.
Darf der Bundespräsident den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig bezeichnen?
Die völkerrechtliche Bewertung ist laut Kritikern Aufgabe der Bundesregierung, nicht des Bundespräsidenten. Steinmeier hat mit seiner Einschätzung nach Ansicht von CDU-Fraktionschef Spahn und anderen Politikern seine Befugnisse überschritten.
Warum ist Steinmeiers Iran-Position für Exil-Iraner problematisch?
Viele Iraner in der Diaspora sind vor dem Mullah-Regime geflohen und haben mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft. Wenn der Bundespräsident im Namen des Volkes diesem Regime gratuliert, fühlen sich diese Menschen nicht repräsentiert, da sie gerade vor dieser Herrschaft geflohen sind.
Welche Rolle sollte der Bundespräsident in Deutschland spielen?
Der Bundespräsident soll als moralischer Kompass der Demokratie dienen. Er ist bewusst nicht ins Tagesgeschäft der Parteien eingebunden und kann parteilos Aussagen treffen. Es ist ein Amt voller Würde, das besondere Vorsicht im Umgang mit anderen Staaten erfordert.
Highlight-Zitate
„Vor dieser Rolle habe ich den maximalsten Respekt, das ist kein Spaß vor mir.“– Reza Mehman
„Ich möchte eigentlich nicht, dass in meinem Namen dem Mullah-Regime gratuliert wird.“– Reza Mehman
„Wenn mir ein Terrorregime zur Seite springt und mir sagt, dass ich damit recht habe, dann spätestens müsste ich eigentlich wissen, dass ich hier vollkommen falsch liege.“– Reza Mehman
„Diese Doppelmoral ist tatsächlich aus meiner Sicht sehr fragwürdig.“– Reza Mehman
„Ich denke tatsächlich, die Rolle des Bundespräsidenten ist eine wichtige Rolle, auch wenn sie vielleicht im Tagesgeschäft in der Politik nicht wichtig ist.“– Reza Mehman
„Unsere Außenpolitik wird nicht überzeugender dadurch, dass wir Völkerrechtsbruch nicht Völkerrechtsbruch nennen.“– Frank-Walter Steinmeier
Das vollständige Gespräch
Der Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten
Reza Mehman:
Es gibt ein Amt beziehungsweise eine Rolle in Deutschland. Vor dieser Rolle habe ich den maximalsten Respekt, das ist kein Spaß vor mir. Und dieses Amt ist das Amt des Bundespräsidenten.
Problematisch ist aktuell, und das sage ich mit der allergrößten Vorsicht. Problematisch ist aktuell, dass Herr Steinmeier, unser Bundespräsident, der ja eigentlich als moralischer Kompass für uns Deutsche dienen soll, tatsächlich sich aus meiner Sicht nicht so verhält.
Glückwünsche an das Mullah-Regime
Es fing damals schon an, vor ungefähr 10 Jahren war das, da hat er der iranischen Revolution, den Mullahs zur iranischen Revolution gratuliert gehabt. Und wenn man bedenkt, dass er auch im Namen des Volkes sozusagen gratuliert hat, ist das schon sehr kritisch.
Ihr müsst wissen, viele Iraner in der Diaspora, so auch ich beispielsweise, zusammen mit meiner Familie, wir sind ja geflohen vor diesem Terrorregime, weil das Leben dort einfach untragbar geworden ist. Und viele sind auch mittlerweile deutsch, das heißt, wenn ein Bundespräsident im Namen des Volkes gratuliert, damit meint er natürlich auch mich, und ich kann euch sagen, dem ist nicht so. Ich gratuliere bestimmt nicht dem Mullah-Regime zu dem Bestehen.
Ich fand das sehr kritisch, was Herr Bundespräsident Steinmeier vor ungefähr 10 Jahren da gemacht hat.
Völkerrechtsdebatte um den Iran-Krieg
Auch aktuell äußert er sich gegenüber dem iranischen Krieg auch aus meiner Sicht sehr fragwürdig. Er beziffert oder benamt das Ganze als völkerrechtswidrig. Hier bin ich auch nicht ganz einverstanden.
Im Übrigen denke ich, dass es auch ein Thema ist, was die Bundesregierung hier bestimmen muss, beziehungsweise erklären muss, ob sie das völkerrechtswidrig empfinden oder nicht, oder aussprechen oder nicht. Ich weiß zwar nicht, was es an der Situation ändern soll, aber es ist eigentlich nicht die Rolle des Bundespräsidenten, das zu machen.
Und damit ihr wisst, worüber ich genau heute spreche, möchte ich ganz kurz diesen Clip abspielen lassen.
Nachrichtenbeitrag: Steinmeier auf Gegenkurs zur Bundesregierung
Nachrichtensprecher:
Aber die Kritik am Bundespräsidenten reißt auch nicht ab. Denn nachdem Frank-Walter Steinmeier den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig bezeichnet hatte und damit auf Gegenkurs zu Kanzler Merz ging, werden die Forderungen zur Zurückhaltung des Staatsoberhauptes lauter. So mahnte Unions-Fraktionschef Spahn, dass die rechtliche Prüfung allein Sache der Bundesregierung sei. Und während das politische Berlin nun darüber streitet, ob Steinmeier seine Befugnisse überschritten hat, kommt ausgerechnet vom Mullah-Regime aus Teheran Lob für den Bundespräsidenten.
Beitragskommentar:
Fröhliches Händeschütteln mit dem damaligen Mullah-Präsidenten Hassan Rouhani in Teheran im Jahr 2015. Später übermittelte Frank-Walter Steinmeier sogar Glückwünsche zum Jahrestag der islamischen Revolution an die Mullahs und das auch im Namen seiner Landsleute.
Persönliche Betroffenheit als Exil-Iraner
Reza Mehman:
Genau das meine ich, hier sehe ich zwei Sachen sehr kritisch. Einmal im Namen der Landsleute, also uns Deutschen, oder wie mir beispielsweise, ich bin gebürtiger Iraner, aber hab seit vielen Jahren nun meine deutsche Staatsbürgerschaft. Ich möchte eigentlich nicht, dass in meinem Namen dem Mullah-Regime gratuliert wird.
Ihr müsst bedenken, wir sind vor vielen Jahren extra wegen diesem Mullah-Regime geflohen, damit wir ein Leben in Freiheit haben ohne Unterdrückung. Wenn wir die Rechte der Frauen uns im Iran ansehen, dann wisst ihr ganz genau, worüber ich spreche. Und hier im Namen des Volkes, der Landsleute zu gratulieren, finde ich schon sehr, sehr fragwürdig.
Wenn das Terrorregime einem recht gibt
Das auf der einen Seite. Auf der anderen Seite, wenn ein Mullah-Regime zur Seite springt, ein Terrorregime zur Seite springt und sagt: „Hey, Herr Bundespräsident, da haben Sie vollkommen recht gehabt.“ Spätestens hier muss man wissen, OK, wenn mir ein Terrorregime zur Seite springt und mir sagt, dass ich damit recht habe, dann spätestens müsste ich eigentlich wissen, dass ich hier vollkommen falsch liege.
Aber erst mal weiter im Clip.
Steinmeiers außenpolitischer Alleingang
Beitragskommentar:
Doch ausgerechnet Steinmeier schlägt nun in der Außenpolitik als Bundespräsident einen anderen Ton an als die Bundesregierung.
Frank-Walter Steinmeier:
Unsere Außenpolitik wird nicht überzeugender dadurch, dass wir Völkerrechtsbruch nicht Völkerrechtsbruch nennen. Damit mussten wir uns schon im Gazakrieg auseinandersetzen, damit müssen wir uns auch im Irankrieg umgehen, denn dieser Krieg ist nach meinem Dafürhalten völkerrechtswidrig. Es gibt wenig Zweifel daran.
Beitragskommentar:
Merz und sein Kabinett betonten ganz bewusst nicht eine mögliche Völkerrechtswidrigkeit des US-Angriffs. Sie verwiesen lieber auf die Gefahr für Israel und die westliche Welt durch das Mullah-Regime und wollen ganz offensichtlich nicht das Verhältnis mit den USA dafür aufs Spiel setzen.
Jens Spahn kritisiert Steinmeier
Beitragskommentar:
CDU-Fraktionschef Spahn attackiert den Bundespräsidenten für sein Ausscheren.
Jens Spahn:
Die völkerrechtliche Prüfung obliegt in diesem wie in anderen Fällen der Bundesregierung, und ich erwarte von Amts- und Würdenträgern der Bundesrepublik, dass sie diese Prüfung abwarten und sie auch respektieren. Im Übrigen frage ich mich, was folgt jetzt aus dieser Feststellung?
Reza Mehman:
Also, ich muss zugeben, ich bin nicht der größte Fan von Jens Spahn, aber hier muss ich ihm absolut recht geben.
Sozialdemokratische Außenpolitik und Anti-Amerikanismus
Beitragskommentar:
Steinmeier hingegen trauert der komplett gescheiterten Annäherung zur radikal schiitischen Islamischen Republik nach und setzt auf den reflexartigen Anti-Amerikanismus der politischen Linken.
Politischer Kommentator:
Das ist wirklich sehr sozialdemokratischer Außenpolitik-Diskurs, den wir da erleben. Es mag durchaus sein, dass dieser Krieg völkerrechtswidrig ist, dass es ganz lupenrein so sei. Das scheint ja auch Frank-Walter Steinmeier nicht ganz sicher zu sein, dass es ist. Es ist seiner Formulierung ja anzumerken. Ich glaube aber, dass hier Völkerrecht nur begrenzt weiterhilft. Es gibt ja trotzdem ein Sicherheitsproblem rund um den Iran.
Doppelmoral: Iran-Krieg vs. Krim-Annexion
Beitragskommentar:
Wenn es statt um Iran um Russland geht, schätzt Steinmeier die Wichtigkeit des Völkerrechts offenbar anders ein. Die Annexion der Krim thematisierte er als Außenminister im Minsker Abkommen nicht als völkerrechtswidrig. Als einer der Architekten der Russlandpolitik der letzten Jahrzehnte ist er mittlerweile selbst zum Symbol eines geopolitischen Scheiterns und moralischen Selbstbetrugs geworden.
Reza Mehman:
Das war natürlich eine sehr harte Kritik aus diesem Beitrag hier. Ich muss aber sagen, dass ich hier und da natürlich diesem Beitrag recht geben muss. Diese Doppelmoral ist tatsächlich aus meiner Sicht sehr fragwürdig.
Also auf der einen Seite zu sagen, Angriffskrieg auf den Iran ist völkerrechtswidrig, auf der anderen Seite zu sagen, die Annexion der Krim damals durch Russland war völkerrechtlich völlig in Ordnung, finde ich persönlich, das ist eine Doppelmoral, die ist eigentlich nicht das Amt des Bundespräsidenten würdig.
Der Bundespräsident als moralischer Kompass
Ich hatte es eingangs schon erwähnt, ich denke, der Bundespräsident ist eine Art moralischer Kompass für uns Deutsche. Ich finde es gut, dass der Bundespräsident beispielsweise im normalen Parteiengeschäft eigentlich wenig eingebunden ist, er kann parteilos seine Aussagen treffen und das ist auch so gewollt. Es ist ein Amt voller Würden, sage ich jetzt mal, nach außen hin.
Ich kann mir natürlich auch vorstellen, dass die Rolle natürlich ab und zu auch gewisse Dinge mit sich bringt, die man vielleicht nicht so toll findet oder hinter dem man nicht steht. Ich kann mir vorstellen, dass man in der Außenpolitik beispielsweise auch so ein Handshaking natürlich mit Terrorregimen und so weiter machen muss, um eine Art Zusammenarbeit überhaupt zu ermöglichen.
Ich für meinen Teil hätte gesagt, es ist nicht in Ordnung, ich kann es aber zumindest mal nachvollziehen, dass man versucht, mit anderen Nationen, auch wenn es Terrorregime sind, in irgendeiner Form zusammenarbeiten muss, damit die globale Stabilität einfach weiter herrscht.
Klare Positionierung als Demokrat
Trotzdem, ich denke, man kann sich auch als Demokrat hier ganz eindeutig positionieren und sagen, das was dort geschieht, ist auf jeden Fall nicht in Ordnung. Und ich gratuliere nicht zum Jahrestag, ich äußere mich auch nicht, auch wenn es sogar gewollt ist von mir, dass ich es nicht tue, ich halte mich dann dran, ich äußere mich dann nicht darüber oder dazu, ob das völkerrechtswidrig ist oder nicht. Ich denke, als ein Demokrat kann man sich an diese Themen halten.
Ich bin etwas zurückhaltender mit meiner Kritik, wenn ich ehrlich bin, als dieser Beitrag, den wir da gerade gehört haben. Das hat den Hintergrund, dass ich tatsächlich sehr, sehr, sehr großen Respekt vor dieser Rolle habe.
Ich kann mich erinnern, ich hatte mal einen Satz im Spiegel-Magazin vor vielen Jahren gelesen, dass der Bundespräsident quasi, oder die Rolle des Bundespräsidenten, quasi der Motor der Demokratie ist. Und dieser Satz hat sich bei mir sehr eingebrannt, wenn ich ehrlich bin.
Ich denke tatsächlich, die Rolle des Bundespräsidenten ist eine wichtige Rolle, auch wenn sie vielleicht im Tagesgeschäft in der Politik nicht wichtig ist oder ja, zumindest nicht signifikant eingreifen kann bei gewissen Themen. Auf der anderen Seite denke ich tatsächlich, es ist so ein hohes Amt mit so viel Würde ausgestattet, da muss man tatsächlich sehr vorsichtig sein, mit wem man wie spricht, ob das Ganze auf einem demokratischen Fundament ist oder nicht.
Abschluss
So, das war es für die heutige Podcast-Folge. Vielen Dank fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal. Ciao, ciao, ciao, ciao.
Keywords
Tags: Steinmeier Kritik, Bundespräsident, Iran Mullah-Regime, Völkerrecht Iran-Krieg, Doppelmoral Steinmeier, Krim Annexion, Jens Spahn, moralischer Kompass, Exil-Iraner Deutschland, islamische Revolution, Terrorregime Iran, Außenpolitik Deutschland, Steinmeier Iran Glückwünsche, Rolle Bundespräsident Deutschland, Warum wird Steinmeier kritisiert, Steinmeier Völkerrecht, Merz Iran-Krieg, Anti-Amerikanismus SPD
Namen und Begriffe
Frank-Walter Steinmeier, Reza Mehman, Jens Spahn, Friedrich Merz, Hassan Rouhani, Bundespräsident, Bundesregierung, CDU-Fraktionschef, Mullah-Regime, Iran, Islamische Revolution, Völkerrecht, Krim, Annexion, Minsker Abkommen, Diaspora, Teheran, Gazakrieg, SPD, Außenpolitik, Spiegel-Magazin
Zitierfähige Passage
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht in der Kritik, weil er den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig bezeichnete und damit der Linie von Kanzler Merz widersprach.
Podcaster Reza Mehman, gebürtiger Iraner mit deutscher Staatsbürgerschaft, kritisiert zudem Steinmeiers frühere Glückwünsche an das Mullah-Regime zum Jahrestag der islamischen Revolution.
Besonders fragwürdig erscheint die Doppelmoral: Steinmeier thematisierte als Außenminister die Annexion der Krim nicht als Völkerrechtsbruch.
CDU-Fraktionschef Jens Spahn betonte, die völkerrechtliche Prüfung obliege allein der Bundesregierung.
Das iranische Regime lobte Steinmeier ausdrücklich für seine Position, was die Kritik an seinem Verhalten zusätzlich verschärft.




