Herkunftsscham: Wenn die eigene Herkunft peinlich ist
Warum du dich nicht fuer deine Wurzeln schaemen musst und wie du Herkunftsscham ueberwindest.
Einleitung
Herkunftsscham beschreibt das Gefuehl, sich fuer die eigene kulturelle oder nationale Herkunft zu schaemen. In dieser Folge von Project Mindset greift Reza Mehman ein Thema auf, das viele Menschen mit Migrationshintergrund betrifft, aber selten offen angesprochen wird. Ausgehend von einem LinkedIn Post, in dem jemand schrieb, er schaeme sich fuer seine chinesischen Wurzeln, und inspiriert durch ein frueheres Gespraech mit Cawa Younosi, widmet sich Reza der Frage, woher dieses Schamgefuehl kommt und wie man es ueberwinden kann. Er teilt persoenliche Erfahrungen und zeigt, warum die eigene Herkunft kein Grund fuer Peinlichkeit ist, sondern eine Quelle von Staerke sein kann. Diese Episode richtet sich an alle, die aehnliche Gedanken kennen und endlich den emotionalen Ballast abwerfen moechten. Reza macht klar: Identitaet ist kein Problem, sondern ein Geschenk, wenn man sich bewusst damit auseinandersetzt.
Zusammenfassung
In einem Satz: Herkunftsscham ist emotionaler Ballast, den man ablegen kann, indem man sich bewusst mit der eigenen Identitaet auseinandersetzt und das Beste aus beiden Welten vereint.
In drei Saetzen: Reza Mehman spricht ueber Herkunftsscham, ein Phaenomen, das viele Menschen mit Migrationshintergrund betrifft, die sich fuer ihre kulturellen Wurzeln schaemen. Er argumentiert, dass die Migrationsgeschichte der Eltern von Mut, Intelligenz und Risikobereitschaft zeugt und keinesfalls Grund fuer Scham sein sollte. Statt sich uebermaessig an die neue Kultur anzupassen, empfiehlt er, das Beste aus beiden Welten zu vereinen und die eigene Identitaet als Staerke zu begreifen.
In fuenf Saetzen: Reza Mehman widmet diese Folge dem Thema Herkunftsscham und richtet sich an alle, denen ihre Herkunft unangenehm ist. Er bezieht sich auf einen LinkedIn Post, in dem jemand schrieb, er schaeme sich fuer seine chinesischen Wurzeln, und auf ein frueheres Gespraech mit Cawa Younosi, der selbst als Fluechtling aus Afghanistan eine Zeit lang behauptete, aus Kolumbien zu stammen. Reza betont, dass die Elterngeneration enormen Mut aufgebracht hat, um in ein neues Land auszuwandern und eine bessere Zukunft zu schaffen. Er warnt vor einer Ueberkonformitaet mit der neuen Kultur und ermutigt stattdessen dazu, die eigene Identitaet aktiv zu gestalten. Sein Motto „born in Iran, made in Germany“ steht dabei sinnbildlich fuer den stolzen Umgang mit beiden kulturellen Welten.
Kontext: Wer, Was, Warum
Wer spricht: Reza Mehman, Host des Podcasts Project Mindset, der selbst iranische Wurzeln hat und in Deutschland aufgewachsen ist. Er bezieht sich ausserdem auf Cawa Younosi, der als unbegleiteter Fluechtling aus Afghanistan nach Deutschland kam und seine eigene Herkunftsscham ueberwunden hat.
Worum geht es: Es geht um das Phaenomen der Herkunftsscham, also das Gefuehl, sich fuer die eigene nationale oder kulturelle Herkunft zu schaemen. Reza beleuchtet Ursachen, persoenliche Erfahrungen und Wege, dieses Gefuehl zu ueberwinden.
Warum ist es relevant: In einer diversen Gesellschaft kaempfen viele Menschen mit Migrationshintergrund mit ihrer Identitaet. Das Thema betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die naechste Generation und hat langfristige Auswirkungen auf Selbstwertgefuehl und mentale Gesundheit.
Drei Kernfragen dieser Episode:
- Warum schaemen sich Menschen fuer ihre Herkunft und woher kommt dieses Gefuehl?
- Wie hat Cawa Younosi seine Herkunftsscham ueberwunden und was koennen wir daraus lernen?
- Wie kann man die eigene Identitaet als Staerke statt als Schwaeche begreifen?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung – Warum Herkunftsscham ein wichtiges Thema ist
- Zusammenfassung – Die Episode in Kuerze
- Kontext – Wer spricht und warum es relevant ist
- Themen und Einordnung – Die zentralen Themenbereiche
- Kern-Aussagen – Die wichtigsten Botschaften
- Haeufig gestellte Fragen – Antworten auf zentrale Fragen
- Highlight-Zitate – Die praegnantesten Aussagen
- Transkript – Die vollstaendige Episode zum Nachlesen
- Keywords – Relevante Suchbegriffe
- Namen und Begriffe – Wichtige Referenzen
- Zitierfaehige Passage – Zum Teilen und Zitieren
Themen und Einordnung
1. Herkunftsscham und kulturelle Identitaet
Das zentrale Thema der Episode: Warum Menschen sich fuer ihre Herkunft schaemen und welche Rolle gesellschaftliche Vorurteile dabei spielen. Reza zeigt, dass Herkunftsscham ein weit verbreitetes Phaenomen ist, das die eigene Identitaet und das Selbstwertgefuehl massiv beeintraechtigt.
Keywords: Herkunftsscham, kulturelle Identitaet, Migrationshintergrund
2. Mut der Elterngeneration und Migration
Reza betont, wie viel Mut, Risikobereitschaft und Intelligenz es erfordert hat, das Heimatland zu verlassen und eine neue Existenz aufzubauen. Er appelliert daran, diese Leistung anzuerkennen statt sich dafuer zu schaemen.
Keywords: Migration, Elterngeneration, Risikobereitschaft, Neuanfang
3. Ueberkonformitaet und Anpassungsdruck
Ein interessanter Aspekt, den Reza anspricht: Menschen mit Herkunftsscham neigen dazu, sich uebermaessig an die neue Kultur anzupassen, was langfristig ungesund fuer das eigene Mindset sein kann.
Keywords: Ueberkonformitaet, Integration, Anpassungsdruck
4. Bikulturalitaet als Staerke
Reza vertritt die Position, dass man das Beste aus beiden kulturellen Welten vereinen kann. Zweisprachigkeit, kulturelle Vielfalt und verschiedene Perspektiven sind Vorteile, keine Schwaechen.
Keywords: Bikulturalitaet, Zweisprachigkeit, kulturelle Vielfalt
5. Identitaetsarbeit und Mindset
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Identitaet ist laut Reza entscheidend fuer ein gesundes Mindset. Wer sich davor drueckt, wird frueher oder spaeter von ungeloesten Fragen eingeholt.
Keywords: Identitaetsarbeit, Mindset, Selbstwertgefuehl, persoenliche Entwicklung
Kern-Aussagen
- Herkunftsscham ist emotionaler Ballast, den man bewusst ablegen kann und sollte.
- Die Elterngeneration hat enormen Mut aufgebracht, um in ein neues Land auszuwandern, und das verdient Respekt statt Scham.
- Man ist nicht das Land, aus dem man kommt. Man traegt dessen Kultur, aber man ist als Individuum mehr als eine Nationalitaet.
- Wer gebrochen Deutsch spricht, beherrscht mindestens eine andere Sprache auf Muttersprachenniveau, und das ist eine Staerke.
- Ueberkonformitaet mit der neuen Kultur ist kein gesunder Weg, um Herkunftsscham zu kompensieren.
- Das Beste aus beiden Welten zu vereinen ist der klugere Ansatz als eine der beiden Kulturen zu verleugnen.
- Das Thema Identitaet muss frueh und aktiv bearbeitet werden, sonst holt es einen ein.
- Kinder sollten frueh lernen, stolz auf ihre Wurzeln zu sein, waehrend sie sich in der neuen Heimat verwurzeln.
- Traumatische Erfahrungen im Herkunftsland sind ein Sonderfall, bei dem das Schamgefuehl eine andere Dimension hat.
- „Born in Iran, made in Germany“ steht fuer einen gesunden, stolzen Umgang mit der eigenen dualen Identitaet.
Haeufig gestellte Fragen
Was ist Herkunftsscham?
Herkunftsscham bezeichnet das Gefuehl, sich fuer die eigene nationale, kulturelle oder ethnische Herkunft zu schaemen. Betroffene empfinden es als unangenehm oder peinlich, ueber ihre Wurzeln zu sprechen, und versuchen teilweise, ihre Herkunft zu verbergen oder herunterzuspielen.
Warum schaemen sich Menschen fuer ihre Herkunft?
Haeufige Gruende sind negative mediale Darstellung des Herkunftslandes, gesellschaftliche Vorurteile, der Wunsch dazuzugehoeren und nicht auf die Herkunft reduziert zu werden. Auch ein niedriges Selbstwertgefuehl und fehlende positive Vorbilder aus der eigenen Kultur koennen eine Rolle spielen.
Wie kann man Herkunftsscham ueberwinden?
Laut Reza Mehman hilft es, sich aktiv mit der eigenen Identitaet auseinanderzusetzen, den Mut der Elterngeneration anzuerkennen und das Beste aus beiden kulturellen Welten zu vereinen. Wichtig ist auch die Erkenntnis, dass man als Individuum nicht mit dem Herkunftsland gleichzusetzen ist.
Was bedeutet Ueberkonformitaet im Kontext von Herkunftsscham?
Ueberkonformitaet beschreibt das Verhalten, sich uebermaessig an die neue Kultur anzupassen, um die eigene Herkunft zu kompensieren. Betroffene wollen extremst deutsch sein und verleugnen dabei ihre eigenen kulturellen Wurzeln, was laut Reza langfristig ungesund fuer das Mindset ist.
Ist Herkunftsscham bei der zweiten Generation besonders verbreitet?
Ja, Reza Mehman spricht insbesondere die zweite Generation an, also Kinder von Einwanderern, die in Deutschland aufgewachsen sind. Sie befinden sich oft zwischen zwei Kulturen und kaempfen mit der Frage, wo sie hingehoeren, was Herkunftsscham beguenstigen kann.
Was hat die Geschichte von Cawa Younosi mit Herkunftsscham zu tun?
Cawa Younosi kam als unbegleiteter Fluechtling aus Afghanistan nach Deutschland und hat aus Scham ueber seine Herkunft anderen erzaehlt, er komme aus Kolumbien. Er hat den Begriff Herkunftsscham gepraegt und konnte dieses Gefuehl erst ueberwinden, als er beruflich und persoenlich angekommen war.
Wie geht Reza Mehman persoenlich mit seiner dualen Identitaet um?
Reza beschreibt sich als „born in Iran, made in Germany“ und ist stolz auf beide Seiten seiner Identitaet. Er schaetzt die Hoeflichkeit und Freundlichkeit seiner iranischen Kultur ebenso wie den Fleiss und die harte Arbeit, die er in Deutschland gelernt hat, und gibt beides an seine Kinder weiter.
Ab wann sollte man mit Kindern ueber Herkunft und Identitaet sprechen?
Reza Mehman empfiehlt, so frueh wie moeglich mit Kindern ueber ihre Herkunft und Identitaet zu sprechen. Er erklaert seinen eigenen Kindern regelmaessig, dass sie iranische Wurzeln haben und in Deutschland leben, und zeigt ihnen das Beste aus beiden Welten.
Highlight-Zitate
„Afghanistan hatte nie so einen mega Ruf gehabt. Und wenn man als Fluechtling ohne Eltern hier ist, auch noch so eine Herkunft hat und kaum Selbstwertgefuehl, Selbstbewusstsein, da will man auch nicht nur mal reduziert werden als Wirtschaftsfluechtling.“
– Cawa Younosi
„Um diesen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, habe ich einfach gesagt, komm aus Kolumbien. Kolumbien habe ich mir ausgesucht, weil ich habe gehofft, dass ich keinen Kolumbianer treffe zufaelligerweise.“
– Cawa Younosi
„Ich denke gerade, wenn man zum Beispiel in der zweiten Generation hier ist, das bedeutet die Eltern sind vor vielen Jahren hergezogen, haben den Mut zusammengefasst aus ihrem tagtaeglichen Leben auszureissen. Und ich finde, das verlangt ja erst mal ganz viel Mut und ganz viel Risikobereitschaft.“
– Reza Mehman
„Wenn ich jetzt zum Beispiel aus dem Land komme, was jetzt international nicht so einen guten Ruf hat, ja, ich bin ja nicht das Land. Ich habe vielleicht die Kultur aus dem Land. Ich habe vielleicht das Aussehen eines typischen Inlaenders. Aber ich bin ja nicht das Land.“
– Reza Mehman
„Wenn jemand gebrochen Deutsch spricht, dann heisst es, dass er wahrscheinlich mindestens eine Muttersprache perfekt beherrscht. Also nur weil er eine andere Sprache nicht so gut spricht, heisst er noch lange nicht, dass diese Person nichts drauf hat.“
– Reza Mehman
„Legt das ab. Das ist emotionaler Ballast, den braucht ihr nicht. Fokussiert euch lieber auf euer Hier und Jetzt. Setzt euch mit eurer Identitaet auseinander, denn nur so koennt ihr diesen Ballast abwerfen und an eurem eigenen Mindset arbeiten.“
– Reza Mehman
„Born in Iran, made in Germany. Das sage ich nicht ohne Grund. Ich bin stolz auf die kulturellen Eigenheiten, die ich mit mir trage. Ich bin aber genauso stolz auf die neu erlernten Dinge, die ich hier gewonnen habe.“
– Reza Mehman
Transkript
Das vollständige Gespräch
Kawa, ich habe bei dir in einem anderen Kontext mal gehört gehabt, dass du eine Zeit lang so hast es Herkunftsscham genannt. Das fand ich sehr interessant. Auf der einen Seite, auf der anderen Seite natürlich auch ein bisschen traurig natürlich. Ich denke, ein paar der Zuhörerinnen und Zuhörer können sich bestimmt damit auch identifizieren, dass man vielleicht nicht so ganz so gerne sagt, wo man herkommt. Daher die Frage, wie hast du diesen Herkunftsscham überwunden und was kannst du allen Zuhörerinnen und Zuhörern mitgeben, wie sie es überwinden können?
Ja, also in der Tat, ich habe vielen erzählt am Anfang, dass ich nicht aus Afghanistan gekommen bin, aus Kolumbien, weil schon vor Taliban, doch es waren Taliban, 1996 danach war das. Afghanistan hatte nie so einen mega Ruf gehabt. Und wenn man als Flüchtling ohne Eltern hier ist, auch noch so eine Herkunft hat und kaum Syltwertgefühl, Syltbewusstsein, da will man auch nicht nur mal reduziert werden als Wirtschaftsflüchtling und mit Taliban Vorurteile, die man hatte, auch noch das Richtfertigen, obwohl ich noch nie in meinem Leben einen Taliban gesehen habe.
Um diesen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, habe ich einfach gesagt, komm aus Kolumbien. Kolumbien habe ich mir ausgesucht, weil ich habe gehofft, dass ich keinen Kolumbianer treffe zufälligerweise und dann nicht erklären muss, wo aus Kolumbien etc. Einmal bin ich erwischt worden, ich habe bei Wodafone gearbeitet im Geschäft, da war ein Kolumbianer da, muss die Geschichte einfallen lassen. Und das ist dann verschwunden, als ich dann angekommen bin, aber auch so weit mein Studium abgeschlossen hatte, dass ich dazu stehen konnte, dass das nicht mehr etwas war, was mich auch mit ausgemacht hat.
Vielleicht könnt ihr euch an diesen Auszug aus dem Podcast mit Kawa Yunusi erinnern. Ich durfte Anfang des Jahres ein kleines Gespräch mit ihm führen, genauso wie mit Dr. Daniel Bayers. Es war super interessantes Gespräch für mich und ich habe mich in diesem Kontext, weil Kawa es mal in einem anderen Podcast auch erwähnt hatte, mit dem Thema Herkunftsscham beschäftigt. Ich hatte in einem Kawa gefragt, wie es eigentlich dazu gekommen ist und wie man das überwinden kann. Ich denke aber, dass viele Menschen mit Migrationshintergrund wahrscheinlich mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen haben bzw.
ähnliche Gedanken haben, dass es denen nicht so ganz angenehm oder recht ist, über ihre Herkunft zu sprechen. Und das finde ich traurig, auch vielleicht peinlich ist, woher sie kommen. Ich kann mich aus Gesprächen oder Angespräche aus meiner Jugend erinnern, wo ich auch mit Freunden gesprochen habe, denen es nicht so ganz wohl irgendwie dabei war, zu erzählen, wo sie eigentlich herkommen. Und genau für solche Leute ist die heutige Podcast-Folge, denn ich möchte eine ganz andere Message nämlich heute mitgeben.
Es ist überhaupt nicht peinlich, woher man kommt. Ich habe nämlich eine ganz bestimmte Meinung dazu. Bevor ich aber dazu komme, wie es der Zufall so will, habe ich vor ein paar Tagen einen kleinen LinkedIn-Post bei mir in der Timeline gesehen, den ich auch super interessant fand und der mich auch traurig gestimmt hat, weil da ging es genauso wieder um das Thema Herkunftsscham. Ich lese am besten mal ganz kurz vor, was die Person gepostet hat. Sie hat geschrieben, ich schäme mich für meine chinesischen Wurzeln.
Und dann geht es weiter, oft höre ich jedoch, wieso denn? Die chinesische Kultur ist doch voll schön, das ist doch voll das schöne Land. Dann geht es weiter, tatsächlich habe ich keinen wirklichen Grund. Ich wollte eigentlich immer nur deutsch sein. Deutsch aussehen, mich deutsch verhalten, deutsch sprechen, was auch immer das heißen mag. Auch hier, ich war da tatsächlich traurig, dass Menschen, ich sage jetzt mal, die müssen ja nicht unbedingt stolz sein auf den Ort, wo sie herkommen, aber dass es denen peinlich oder ja so ein bisschen mit Schamgefühl verbunden ist, das stimmt mir schon sehr traurig.
Ich denke gerade, wenn man zum Beispiel in der zweiten Generation hier ist, das bedeutet die Eltern sind vor vielen Jahren beispielsweise hergezogen, haben den Mut zusammengefasst aus ihrem tagtäglichen Leben auszureißen, Freunde, Familie, Arbeitsstelle und so weiter zu verlassen, in ein anderes Land zu gehen, dort eine neue Heimat aufzubauen für sich. Und ich finde, das verlangt ja erst mal ganz viel Mut und ganz viel Risikobereitschaft. Und das zeugt ja auch von ganz viel Intelligenz, sage ich jetzt mal, zu sagen, hey, ich verlasse meinen aktuellen Ort, um eine bessere Zukunft für meine Kinder und mich zu haben.
Dass dann natürlich vielleicht die Kinder in der zweiten Generation so eine Art Herkunftsscham haben. Ja, das ist traurig. Das wird nicht ganz dem gerecht, was die Eltern sich beispielsweise, wenn sie hergezogen sind, vorgenommen haben. Ich kann auch eigentlich nur wirklich diesen Tipp mitgeben, dass man ganz im Gegenteil, also bevor es ein peinliches oder Schamgefühle hat, dass man daran denkt, wie viel Mut es eigentlich die Eltern gekostet hat oder wenn man selber ausgereist ist aus einem Land, wenn man sein eigenes Land verlassen hat, um in ein neues Leben zu starten.
Fortsetzung
Wie viel Mut es eigentlich bedarf, das zu tun. Ich meine, wenn es auch schon viele Jahre her ist, damals gab es ja kein Google, wo man schnell mal so die Google-Route anschauen konnte, Flüge buchen konnte und so weiter und so fort. Das war ja wirklich Stress pur, von einem Land ins andere Land zu kommen. Und das ist ja wirklich eine, ich sage jetzt mal, eine ganz krasse Aktion, die die Eltern unserer Generation davor gemacht haben. Und das sollte überhaupt nicht peinlich sein. Man ist hier auch nicht das Land, wo man herkommt.
Also ich habe da, ich sage auch immer wieder, ich bin, ich haue unglaublich gerne Weltmeisterschaften im Fußball. Unglaublich gerne. Ich bin auch immer voller Deutschland-Fan und bin auch bei allen mit dabei. Ich freue mich dann natürlich auch, wenn Deutschland gewinnt, Weltmeister wird und so weiter. Aber im Endeffekt haben die elf Personen auf dem Platz gewonnen und nicht das ganze Land. Natürlich hat das Land dafür gesorgt, für die Infrastruktur zu sorgen, dass sie trainieren können und so weiter und so fort.
Aber im Endeffekt haben erst mal die elf Leute dort gewonnen. Und diese Distanz muss man eigentlich auch im Kopf haben. Wenn ich jetzt zum Beispiel aus dem Land komme, was jetzt international nicht so einen guten Ruf hat, ja, ich bin ja nicht das Land. Ich habe vielleicht die Kultur aus dem Land. Ich habe vielleicht das Aussehen eines typischen Inländers. Aber ich bin ja nicht das Land. Bei mir ist es so, ich bin stolz, woher ich komme. Ich bin aber genauso stolz auf das Land, wo ich gerade bin. Auf meinen Social-Media-Kanälen, das könnt ihr nachschauen, schreibe ich auch, ich glaube, so gut wie überall in jeder Bio, born in Iran, made in Germany.
Das sage ich nicht ohne Grund. Ich bin stolz auf die kulturellen Eigenheiten, die ich mit mir trage. Ich bin aber genauso stolz auf die neu erlernten Dinge, die ich hier gewonnen habe und mit mir trage. Ich bin stolz darauf, dass zum Beispiel bei uns in der Kultur das Thema Höflichkeit und Freundlichkeit extrem wichtig sind. Genauso bin ich happy, dass ich hier lernen darf, was Fleiß, was harte Arbeit bedeutet. Das sind so Themen, die ich auch natürlich meinen Kindern weitergeben möchte. Und ich versuche auch das Beste aus beiden Welten, den weiterzugeben.
Ich werde auch natürlich meinen Kindern irgendwann sagen, also das darf nicht peinlich sein, woheuer zum Beispiel ich komme oder wo die Ursprünge von meinen Kindern sind. Also ganz im Gegenteil, wenn man aus einem anderen Land kommt, dann kann man normalerweise auch höchstwahrscheinlich eine weitere Sprache. Und das ist auch ein Punkt, den ich damals nie verstanden habe. Aus meiner Jugend kann ich mich noch an ein paar Gespräche erinnern. Da haben mir Freunde gesagt, mir ist es total peinlich, dass meine Eltern nicht so gut Deutsch sprechen oder nur gebrochen Deutsch sprechen.
Und ich denke mir, ich denke es immer noch, wenn jemand gebrochen Deutsch spricht, dann heißt es, dass er wahrscheinlich mindestens eine Muttersprache perfekt beherrscht. Also nur weil er eine andere Sprache nicht so gut spricht, heißt er noch lange nicht, dass diese Person nichts drauf hat oder was auch immer. Das heißt eigentlich nur, sie kann mindestens eine weitere Sprache auf Muttersprachenniveau. Daher habe ich auch immer gesagt, das darf hier überhaupt gar nicht peinlich sein. Ich würde da überhaupt gar nicht so agieren.
Was mir auch in diesem Kontext aufgefallen ist, viele die zum Beispiel so eine Art Schamgefühle haben und sagen, ja mir ist es so ein bisschen unangenehm, wo ich herkomme, die haben dann auch so eine Art Überkonformität mit der neuen Kultur. Die wollen dann extremst deutsch sein, sich extremst anpassen. Das ist alles schön und gut. Aber ich glaube, damit versucht man etwas auszubalancieren, was vorher in Disbalance war. Ich finde es völlig in Ordnung oder mehr als recht, dass man natürlich sich wunderbar integriert in die neue Gesellschaft.
Aber hier und da ist mir so eine Art Überkonformität auch aufgefallen, wo ich denke, das ist zumindest für das eigene Mindset auch nicht gesund. Eine kleine Einschränkung habe ich jedoch heute auf jeden Fall, die ich mitgeben möchte. Gerade für Menschen, die wirklich traumatische Erfahrungen haben aus ihrem Ursprungsland und deswegen zum Beispiel ein extrem hohes Schamgefühl oder irgendwas in der Richtung haben, da kann ich es auf jeden Fall so ein bisschen nachvollziehen natürlich. Dass sie sagen, hey, ich möchte mich mit dem Land überhaupt gar nicht mehr identifizieren.
Da sind irgendwelche schlimmen Dinge passiert. Also das nehme ich natürlich außen vor. Das sind Dinge, die sind natürlich traumatisch, die sind schlimm. Da kann man gar nicht darüber werten. Für mich ging es heute um die Fälle, wo man eher vielleicht gar keine so schlimmen Erfahrungen gemacht hat, sondern einfach nur, dass es unangenehm ist, aus welchem Land man kommt, weil das Land in der Presse vielleicht gerade negativ dargestellt wird und dass man dann sagt, das ist mir total unangenehm, ich will mich gar nicht eigentlich damit identifizieren.
Fortsetzung
Ich glaube und darüber hatten wir schon in einem Podcast schon häufiger mal gesprochen, das Thema Identität ist extrem wichtig. Jeder, der sich nicht damit auseinandersetzt, dem wird es wahrscheinlich irgendwann einholen und das extrem unhappy machen, dass man sich viele Jahre lang vor gewissen Themen, ja, gescheut hat, die Augen zugemacht hat und nicht darüber nachgedacht hat. Meine Devise ist, lieber früh genug damit auseinandersetzen, lieber früh genug auch zum Beispiel mit meinen Kindern. Ich erkläre denen auch relativ häufig, hey, wir sind ursprünglich Iraner, wir sind aber hier in Deutschland.
Das heißt, wir sind in allererster Linie erst mal Deutsch. Das bedeutet, dass wir auch die geflogen halten, die kulturellen Geflogenheiten hier natürlich so annehmen, akzeptieren, verinnerlichen, weil wir uns entschieden haben, hier zu lernen. Und das ist auch überhaupt nichts verkehrtes dran, im gleichen Atemzug zu sagen, ja, aber pass mal auf, deine Eltern, deine Großeltern, Urgroßeltern, die kommen aus dem Iran, da gibt es andere Geflogenheiten und wir nehmen das Beste draus aus dieser Welt, verknüpfen das mit dieser Welt und da können wir eigentlich nur damit gewinnen.
So Leute, meine heutige Podcast-Folge ist all denjenigen gewidmet, die vielleicht so ein bisschen das Thema Herkunftsscham haben und darüber mal nachgedacht haben, dass es vielleicht unangenehm ist, woher sie kommen. Ich wollte euch heute mit der heutigen Podcast-Folge eigentlich nur sagen, legt das ab. Das ist emotionaler Ballast, den braucht ihr nicht. Fokussiert euch lieber auf euer Hier und Jetzt. Setzt euch mit eurer Identität auseinander, denn nur so könnt ihr diesen Ballast abwerfen und an euren eigenen Mindset arbeiten.
Ich danke euch vielmals fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal und nicht vergessen, bis dahin, Mindset ist alles.
Dieses Transkript wurde automatisch mit Whisper KI erstellt und kann vereinzelt Fehler enthalten.
Keywords
Tags: Herkunftsscham, kulturelle Identitaet, Migrationshintergrund, Schamgefuehl ueberwinden, zweite Generation, Bikulturalitaet, Integration, Mindset, Selbstwertgefuehl, Cawa Younosi, persoenliche Entwicklung, Ueberkonformitaet, born in Iran made in Germany
Namen und Begriffe
Reza Mehman, Cawa Younosi, Dr. Daniel Bayers, Project Mindset, Afghanistan, Iran, Deutschland, Kolumbien, China, LinkedIn, Vodafone, Taliban, Herkunftsscham, Ueberkonformitaet, Bikulturalitaet, Migrationshintergrund, zweite Generation, Selbstwertgefuehl, Identitaetsarbeit
Zitierfaehige Passage
„Herkunftsscham ist emotionaler Ballast, den man ablegen kann und sollte.“
„Man ist nicht das Land, aus dem man kommt. Man traegt vielleicht die Kultur, aber man ist als Individuum weit mehr als eine Nationalitaet.“
„Die Eltern unserer Generation haben etwas Mutiges getan: Sie haben alles zurueckgelassen, um uns eine bessere Zukunft zu ermoeglichen.“
„Das Beste aus beiden Welten zu vereinen ist keine Schwaeche, sondern eine Superpower, die man aktiv nutzen sollte.“



