68. Wie “Heidelberg” den Lauf meines Lebens veränderte. Reza Mehman im Gespräch mit OB Eckart Würzner!

Heidelberg: OB Würzner über Mindset und Mut

Reza Mehman im Gespräch mit Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner über Entscheidungen, Integration und das Heidelberger Mindset.



Einleitung

Das Heidelberger Mindset steht fuer Weltoffenheit, Mut zur Entscheidung und eine gelebte Willkommenskultur. In dieser besonderen Episode von Project Mindset spricht Reza Mehman mit Prof. Dr. Eckart Wuerzner, dem Oberbuergermeister von Heidelberg, ueber die Werte, die diese Stadt so einzigartig machen. Vor 36 Jahren kam Reza als Gefluechteter aus dem Iran nach Heidelberg und erlebte dort Sicherheit, Bildung und Zugehoerigkeit. Im Gespraech geht es um die Frage, wie eine Stadt mutige Entscheidungen trifft, wie Integration gelingen kann und warum „keine Entscheidung zu treffen schlimmer ist als eine falsche Entscheidung zu treffen.“ Ob Wuerzner gibt Einblicke in seine Fuehrungsphilosophie, den Umgang mit Fehlern und die Kunst, eine Stadt voranzubringen. Eine emotionale und lehrreiche Folge fuer alle, die verstehen wollen, wie das richtige Mindset ganze Gemeinschaften praegen kann.


Zusammenfassung

In einem Satz: Heidelbergs Oberbuergermeister Eckart Wuerzner erklaert, warum Weltoffenheit, Entscheidungsfreude und langfristiges Denken das Fundament einer erfolgreichen Stadt bilden.

In drei Saetzen: Reza Mehman spricht mit OB Eckart Wuerzner ueber das besondere Mindset der Stadt Heidelberg, die seit Jahrhunderten auf Offenheit und internationale Expertise setzt. Wuerzner betont, dass mutige Entscheidungen entscheidend sind und dass Nicht Entscheiden schlimmer ist als eine falsche Entscheidung. Beide reflektieren ueber Integration, Fuehrung, Fehlerkultur und die Verantwortung, die mit der Gestaltung einer Stadt einhergeht.

In fuenf Saetzen: In dieser persoenlichen Episode besucht Reza Mehman den Oberbuergermeister von Heidelberg, Prof. Dr. Eckart Wuerzner, um ueber das Heidelberger Mindset zu sprechen. Reza kam vor 36 Jahren als Gefluechteter nach Heidelberg und ist der Stadt zutiefst dankbar. Wuerzner erklaert, wie Heidelberg seit der Gruendung der Universitaet 1386 eine weltoffene Tradition pflegt und freiwillig ein Ankunftszentrum fuer Gefluechtete betreibt. Im Gespraech geht es um Entscheidungskraft, den Umgang mit Fehlern, die Balance zwischen Buergererwartungen und langfristiger Stadtentwicklung sowie die Bedeutung von Leidenschaft in der Fuehrung. Wuerzner fasst das Heidelberger Mindset zusammen als eine Kombination aus Offenheit, Toleranz und dem Willen, gemeinsam etwas zu bewegen.


Kontext: Wer, Was, Warum

Wer spricht: Reza Mehman, Gastgeber des Project Mindset Podcasts, im Gespraech mit Prof. Dr. Eckart Wuerzner, Oberbuergermeister der Stadt Heidelberg.

Worum geht es: Um das Mindset hinter einer der bekanntesten Staedte Deutschlands. Wie trifft man mutige Entscheidungen fuer eine ganze Stadtgemeinschaft? Wie gelingt Integration? Und was macht Heidelberg so besonders?

Warum ist das relevant: In einer Zeit globaler Krisen und steigender Fluechtlingszahlen zeigt Heidelberg, wie Offenheit und Entscheidungsfreude eine Stadt staerken koennen. Die Episode verbindet persoenliche Dankbarkeit mit universellen Lektionen ueber Fuehrung und Mindset.

Drei Kernfragen der Episode:

  • Was macht das Heidelberger Mindset aus und warum ist es so erfolgreich?
  • Warum ist keine Entscheidung zu treffen schlimmer als eine falsche Entscheidung?
  • Wie gelingt Integration in einer Stadt und welche Spielregeln braucht es dafuer?

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung – Warum diese Episode so persoenlich ist
  2. Zusammenfassung – Die Kernbotschaften kompakt
  3. Kontext – Wer spricht und warum es relevant ist
  4. Inhaltsverzeichnis – Uebersicht aller Abschnitte
  5. Themen und Einordnung – Die zentralen Themenbereiche der Episode
  6. Kern-Aussagen – Die wichtigsten Botschaften auf einen Blick
  7. Haeufig gestellte Fragen – Antworten auf die zentralen Fragen der Episode
  8. Highlight-Zitate – Die praegendsten Aussagen
  9. Transkript – Vollstaendiges Gespraech zum Nachlesen
  10. Keywords – SEO-relevante Schlagworte
  11. Namen und Begriffe – Wichtige Referenzen im Ueberblick
  12. Zitierfaehige Passage – Zum Teilen und Zitieren

Themen und Einordnung

1. Das Heidelberger Mindset: Weltoffenheit als Tradition

Seit der Gruendung der Universitaet 1386 setzt Heidelberg auf internationale Expertise und Offenheit. OB Wuerzner beschreibt, wie diese Tradition bis heute die Identitaet der Stadt praegt und Heidelberg zu einem Ort macht, an dem sich Menschen aus aller Welt willkommen fuehlen.

Keywords: Heidelberger Mindset, Weltoffenheit, Universitaetsstadt Heidelberg

2. Integration und Fluechtlingspolitik: Heidelberg als Vorbild

Heidelberg betreibt freiwillig ein Ankunftszentrum fuer Gefluechtete fuer ganz Baden-Wuerttemberg. Wuerzner erklaert, wie dezentrale Verteilung, Buergerdialog und klare Spielregeln die Akzeptanz in der Bevoelkerung sichern.

Keywords: Integration Heidelberg, Fluechtlingspolitik, Patrick Henry Village

3. Entscheidungsfreude und Fehlerkultur in der Fuehrung

Eine der zentralen Botschaften: Keine Entscheidung zu treffen ist schlimmer als eine falsche Entscheidung. Wuerzner spricht offen ueber seinen Umgang mit Fehlern und warum Entscheidungsfreude fuer Fortschritt unverzichtbar ist.

Keywords: Entscheidungen treffen, Fehlerkultur, Fuehrung

4. Stadtentwicklung und Priorisierung

Wie priorisiert man die Aufgaben einer ganzen Stadt? Wuerzner gibt Einblicke in die Balance zwischen kurzfristigen Buergerwuenschen und langfristiger strategischer Planung.

Keywords: Stadtentwicklung, Priorisierung, Kommunalpolitik

5. Persoenliche Dankbarkeit und der Wert von Heimat

Reza Mehmans persoenliche Geschichte als Gefluechteter, der in Heidelberg eine zweite Heimat fand, bildet den emotionalen Rahmen der Episode und zeigt, welche Wirkung eine offene Stadtgemeinschaft auf individuelle Lebenswege haben kann.

Keywords: Dankbarkeit, Heimat, persoenliche Entwicklung


Kern-Aussagen

  • Keine Entscheidung zu treffen ist schlimmer als eine falsche Entscheidung zu treffen, denn aus Fehlern kann man lernen und sich anpassen.
  • Heidelberg setzt seit der Gruendung der Universitaet 1386 auf Weltoffenheit und internationale Expertise als Fundament seiner Stadtentwicklung.
  • Erfolgreiche Integration erfordert klare Spielregeln: hohe Akzeptanz gegenueber Andersglaeubigen bei gleichzeitiger Wahrung demokratischer Werte.
  • Wenn jeder Stadtteil seinen Beitrag leistet, entsteht ein Gefuehl von Fairness, das die Akzeptanz gegenueber Gefluechteten deutlich erhoeht.
  • Leidenschaft ist der Schluessel zu grossen Zielen. Wer etwas mit Leidenschaft verfolgt, kann auch ambitionierte Ziele erreichen.
  • Langfristig richtige Entscheidungen sind wichtiger als kurzfristig populaere, auch wenn sie anfaenglich auf Widerstand stossen.
  • Kinder sollten frueh lernen, Verantwortung zu uebernehmen und eigene Entscheidungen zu treffen, statt von Eltern alles abgenommen zu bekommen.
  • Wirtschaftliche Staerke und soziale Offenheit bedingen einander: Wer wirtschaftlich stark ist, kann leichter integrieren und Aengste abbauen.
  • Buergerdialog und Dezentralisierung sind zentrale Instrumente, um Konflikte bei der Aufnahme von Gefluechteten zu vermeiden.
  • Das Heidelberger Mindset ist eine Kombination aus Offenheit, Toleranz, Bildungsnaehe und dem gemeinsamen Willen, etwas zu bewegen.

Haeufig gestellte Fragen

Was ist das Heidelberger Mindset?

Das Heidelberger Mindset beschreibt laut OB Wuerzner eine Haltung aus Weltoffenheit, Toleranz, Bildungsnaehe und dem gemeinsamen Willen, Dinge voranzubringen. Diese Tradition reicht bis zur Gruendung der Universitaet 1386 zurueck und praegt die Stadt bis heute.

Warum nimmt Heidelberg freiwillig mehr Gefluechtete auf als vorgeschrieben?

Heidelberg hat eine lange Tradition der Weltoffenheit und verfuegt ueber die wirtschaftliche Staerke, um Integration erfolgreich zu gestalten. Die Stadt betreibt freiwillig ein Ankunftszentrum fuer ganz Baden-Wuerttemberg, weil Gemeinderat und Buergermeister ueberzeugt sind, dass Offenheit die Stadt bereichert.

Warum ist keine Entscheidung schlimmer als eine falsche Entscheidung?

Laut OB Wuerzner fuehrt Nicht Entscheiden zu Stillstand, waehrend aus falschen Entscheidungen wertvolle Lerneffekte entstehen. Man kann Fehler korrigieren und sich anpassen, aber verpasste Chancen durch Untaetigkeit lassen sich oft nicht nachholen.

Wie geht Heidelberg mit der Kapazitaetsgrenze bei der Aufnahme von Gefluechteten um?

Heidelberg setzt auf dezentrale Verteilung und Buergerdialog. Jeder Stadtteil soll seinen Beitrag leisten, sodass ein Gefuehl von Fairness entsteht. Gleichzeitig achtet die Stadt darauf, oekologische Funktionsraeume zu erhalten und nicht unbegrenzt zu wachsen.

Welche Spielregeln erwartet Heidelberg von Neuankoemmlingen?

Heidelberg erwartet die Akzeptanz des demokratischen Wertekodex, Toleranz gegenueber Andersglaeubigen und Menschen aus anderen Kulturraeumen sowie den Verzicht auf Gewalt und das Aufzwaengen eigener Ueberzeugungen.

Wie wurde Eckart Wuerzner Oberbuergermeister von Heidelberg?

Wuerzner kam zum Studium nach Heidelberg, gepraegt durch die Begeisterung seiner Eltern fuer die Stadt. Seine Leidenschaft fuer Umweltschutz fuehrte ihn zunaechst ins Amt des Umweltbuergermeisters, bevor er zum Oberbuergermeister gewaehlt wurde.

Wie priorisiert ein Oberbuergermeister die Aufgaben einer Stadt?

Laut Wuerzner braucht es die Faehigkeit, zwischen kurzfristigen Buergerwuenschen und langfristiger strategischer Planung abzuwaegen. Langfristig wichtige Entscheidungen haben Vorrang, auch wenn sie kurzfristig unpopulaer sein koennen.

Was koennen Eltern von Wuerzners Fuehrungsansatz fuer die Kindererziehung lernen?

Wuerzner betont, dass Kinder frueh lernen sollten, Verantwortung zu uebernehmen und eigene Entscheidungen zu treffen. Eltern sollten nicht alles abnehmen, sondern Raeume schaffen, in denen Kinder aus eigenen Erfahrungen lernen koennen.

Welche Rolle spielt Leidenschaft fuer den Erfolg laut Eckart Wuerzner?

Leidenschaft ist fuer Wuerzner der zentrale Antrieb. Wer etwas mit Leidenschaft verfolgt, kann auch grosse Ziele erreichen. Diese Ueberzeugung praegt sowohl seine persoenliche Karriere als auch seine Arbeit als Oberbuergermeister.


Highlight-Zitate

„Meistens liegt es daran, dass keine Entscheidungen getroffen werden. Also man kann auch mal falsche Entscheidungen treffen, aber das Schlimmste ist, keine Entscheidungen zu treffen.“

– Eckart Wuerzner

„Wenn du etwas mit Leidenschaft machst, dann kannst du auch solche Ziele erreichen.“

– Eckart Wuerzner

„Wir sind offen fuer alle.“

– Eckart Wuerzner

„Wir stellen eine tolerante, offene Plattform zur Verfuegung. Hier kannst du leben, hier kannst du arbeiten, hier kannst du dich neu verlieben.“

– Eckart Wuerzner

„Vor 36 Jahren bin ich zusammen mit meiner Familie nach Heidelberg gekommen. Wir wurden warmherzig, offenherzig aufgenommen, man hat sich um uns gekuemmert.“

– Reza Mehman

„Jeder, der uebergriffig wird in dieser Richtung, anderen auch seine Meinung als Richtschnur aufzwaengen zu wollen, hat bei uns eigentlich keinen Platz.“

– Eckart Wuerzner

„Wenn jeder den Eindruck hat, dass jeder einen Beitrag leistet oder auch leisten muss, auch in einer Krisensituation, dann entsteht durchaus das Gefuehl, das geht gerecht zur Sache.“

– Eckart Wuerzner


Transkript

Das vollständige Gespräch

Meistens liegt es daran, dass keine Entscheidungen getroffen werden. Also man kann auch mal falsche Entscheidungen treffen, aber das Schlimmste ist, keine Entscheidungen zu treffen, weil dann… Hi zusammen und herzlich willkommen bei Project Mindset, der Kanal für all diejenigen, die ganz genau wissen, dass mit dem richtigen Mindset im Leben alles möglich ist. Heute haben wir eine sehr persönliche und fast schon intime Folge vom Project Mindset. Es geht nämlich um Folgendes, vor 36 Jahren bin ich zusammen mit meiner Familie nach Heidelberg gekommen.

Wir wurden warmherzig, offenherzig aufgenommen, man hat sich um uns gekümmert. Ich bin hier zur Schule gegangen, durfte mein Abitur machen, durfte studieren und das alles war nur möglich, weil Heidelberg uns so offenherzig aufgenommen hat. Dementsprechend wollte ich mich ja immer mal mit irgendjemanden über das Heidelberger Mindset unterhalten. Und mit wem kann man da besser sprechen als mit dem Oberbürgermeister, der statt Heidelberg Herr Prof. Dr. Würzner, den ich gleich treffen werde und ihn über das Heidelberger Mindset befragen werde.

Aber was mich natürlich auch interessiert, gerade in so schwierigen Zeiten, wo wir uns gerade befinden, wie entscheidet man eigentlich für eine Stadt, für die Menschen, in welche Richtung geht man da, was priorisiert man da überhaupt, wie? Das sind Themen, die wir heute besprechen möchten und ich wünsche euch viel Spaß dabei. Herr Würzner, vielen lieben Dank für Ihre Zeit heute und vielen Dank für die Einladung in das schöne Gebäude hier. Immer gerne, das ist mein täglicher Arbeitsplatz, aber es sieht schon schön aus.

Mir gefällt es ja wirklich sehr, sehr gut. Ich hatte es schon eingangs in der Intro erwähnt gehabt. Ich bin unglaublich dankbar, dass Heidelberg uns vor vielen Jahren, vor 36 Jahren war das genauer gesagt, aufgenommen hat, offenherzig, warmherzig. Wir durften hier alles tun, zur Schule gehen, wir durften hier unser Abi machen und immer auch so wohlbehütet. Und man hat das Gefühl, man ist irgendwie nicht alleine, sondern da kümmert sich jemand um einen. Und deswegen, das ich auch schon gesagt habe, ich bin da unglaublich dankbar, werde auch ewig dankbar sein gegen die Stadt Heidelberg.

Und ich hatte mir gedacht, gerade bei mir im Podcast geht es ja immer um das Thema Mindset. Und es ist vielleicht ein bisschen was Komisches, aber ich wollte mal auch das Mindset der Stadt Heidelberg so ein bisschen einfangen. Und ich glaube, da bin ich bei Ihnen wahrscheinlich ganz richtig. Mit wem kann man denn besser sprechen über das Heidelberger Mindset als mit Ihnen. Deswegen nochmal vielen Dank für Ihre Zeit. Und meine erste Frage auch vielleicht gleich, wie kommt man eigentlich dazu, Bürgermeister einer so tollen Stadt zu werden?

Ja, die Liebe zur Stadt. Ehrlich gesagt, meine Eltern haben sich hier verliebt und haben immer von Heidelberg geschwärmt. Ich selbst bin in Goslar geboren, also gar nicht in Heidelberg. Aber meine Eltern, ja, Heidelberg, das war immer so die idealtypische Stadt. Von daher lag es dann auch durchaus nahe. Das Studium, wo gehst du hin? Wir haben damals in Düsseldorf gelebt. Das war eine tolle Stadt, super Altstadt, also ganz großartig. Aber wo gehst du hin? Und wir haben dann gesagt, na ja, warum eigentlich nicht Heidelberg?

Und sind zum Studium dann nach Heidelberg gekommen. Und das war eine super Entscheidung, weil wir waren gleich begeistert von Heidelberg. Wir hatten damals schon relativ früh Kinder oder ein Kind gehabt, die Tatjana. Und es war natürlich auch sofort, wie Sie es eigentlich eben gesagt haben, eine tolle Stadt. Es ist eine nicht zu große Stadt. Wer mal in Frankfurt gelebt hat, was ich auch gemacht habe, oder in Düsseldorf, also je nachdem die großen Städte schon ihre schönen Seiten haben, sie haben aber auch ihre Schattenseiten.

In Heidelberg ist das alles, ich sage es mal, wohlbehütet. Jeder kennt sich, hast du den Eindruck, es ist alles fußläufig erreichbar. Also von daher gefiel uns das super und das haben wir bis heute nicht bereut. Und so bin ich mehr oder weniger Oberbürgermeister geworden. Ich habe mich immer leidenschaftlich für den Umweltschutz eingesetzt. Wollte schon immer in dem Bereich was machen. Klaus Köpfer war für mich ein großes Vorbild. Dann habe ich gedacht, wow, das musste auch irgendwann mal machen. Jetzt bin ich nicht eher bei der UN später aktiv geworden, sondern bin dann hier in die Position gewählt worden, nachdem ich Umweltbürgermeister war.

Und mache das immer mit viel Leidenschaft. Und wenn du etwas mit Leidenschaft machst, dann kannst du auch solche Ziele erreichen. Wie kommt es gleich auch zu einem der wichtigen Themen zu kommen, dass Heidelberg schon immer mehr, zum Beispiel in dem Fall für Geflüchtete gemacht hat, was eigentlich vielleicht notwendig war, als vom Land vorgegeben wurde. Gerade hier das Thema PHV zum Beispiel. Da macht Heidelberg, glaube ich, mehr als erwartet wurde eigentlich. Wie kommt es dazu, dass das überhaupt so ist?

Fortsetzung

Also ich glaube, selbst unsere Kurfürsten waren schon weit vorausdenkend. Ich glaube, das ist das Wichtige, weit vorausdenkend. Und haben immer schon gesagt, wenn wir hier aus der Kurpfalz was machen wollen, dann brauchen wir internationale Expertise. Die internationale Expertise hast du ja damals mit Marcius aus Paris, aus Montpellier geholt. Das war damals die große, weite Welt. Und hat über die Gründung der Universität damals, 1386, auch hier schon ein richtig festes Fundament gelegt für eine internationale, weltoffene Stadt.

Ich glaube, das ist erstmal das Wichtigste. Auch von daher Menschen, die auf der Flucht sind, die ein hohes Bildungsniveau haben, wow, super, Heidelberg, ein idealer Ort. Und das hat sich bis heute fortgesetzt. Ich selbst bin auch jemand, der immer für Freiheit steht, für Menschen, die ihre Freiheit leben wollen, egal wo sie herkommen. Man muss gewisse Spielregeln einhalten. Ansonsten kann sich eigentlich jeder so frei entfalten, wie er das gerne möchte. Das ist auch meine Maxime. Also spielt für mich eine enorme Rolle.

Und so haben wir auch im Gemeinderat tolle Unterstützung, tolle Bereitschaft gefunden. Auch für das Land, erstmal alle Flüchtlinge hier in Heidelberg willkommen zu heißen, bevor sie dann verteilt werden. Das war damals schon eine politisch weitreichende Entscheidung, weil viele das eigentlich nicht gemacht haben in dieser Richtung. Wir haben es bis heute nicht bereut. Und ich glaube, das zeichnet Heidelberg aus. Wir sind offen für alle. Absolut. Sie haben gerade auch etwas Interessantes gesagt, Spielregeln.

Was erwartet eigentlich die Stadt Heidelberg gegenüber Neueinkömmlingen? Also gerade jetzt im aktuellen Kontext ist es ja leider wieder so, dass wir schlimme Geschehnisse weltweit haben. Wir nehmen natürlich die Menschen sehr gerne auf. Was ist aber die Erwartungshaltung für die Menschen? Wir stellen eine tolerante, offene Plattform zur Verfügung. Hier kannst du leben, hier kannst du arbeiten, hier kannst du dich neu verlieben. Hier soll jeder auch so leben, wie er das gerne möchte. Also auch für Fragestellungen, die heute als queer oder auch in anderer Richtung sich artikulieren oder auch gelebt werden.

Aber ja, wir achten auch darauf, dass sich die Spielregeln nicht neu definieren, sondern dass es keine, ich sage jetzt, eine hohe Akzeptanz ist ganz wichtig, eine hohe Akzeptanz gegenüber Andersgläubigen zum Beispiel, aus anderen Kulturräumen. Aber gleichzeitig darf dieser Kulturraum oder auch andere nicht so dominant überprägend sein, dass sie auch bestimmen werden. Das ist etwas, was wir ablehnen, was ich auch ablehne. Also von daher ist auch alles okay, solange sich jeder an unserem, ich sage jetzt mal, Werte-Kodex, der auf demokratischer Basis beruft, das ist alles gut, Gewalt läden wir komplett ab.

Jeder, der übergriffig wird in dieser Richtung, anderen auch seine Meinung als Richtschnur aufzwängen zu wollen, hat bei uns eigentlich keinen Platz. Und das geht in alle Richtungen. Und ich glaube, wenn man mit diesem Mindset, um bei dieser Begrifflichkeit zu bleiben, eine Stadt nach vorne bringt, dann hat jeder eine Chance, jeder auch eine Perspektive und dann sind die Regeln auch relativ schnell klar. Gibt es eigentlich so etwas wie eine Kapazitätsgrenze? Also wo man sagt, das schaffen wir und ab dann wird es irgendwie schwierig.

Ich kann es als Außenstehender, da kann man sich das schwer vorstellen. Wie viele Menschen beispielsweise in dem Fall kann eigentlich eine Stadt aufnehmen? Ja, also mit Sicherheit, man muss ganz ehrlich sein, das hat auch mit den Möglichkeiten etwas zu tun. Also wenn ich jetzt eine Stadt bin, die durch extrem hohe Arbeitslosigkeit geprägt ist, sowieso schon sozial, sich kaum finanzieren kann. Die Sozialkosten fliegen dem Bürgermeister um die Ohren. Man weiß eigentlich gar nicht, wie man die Stadt wirtschaftlich weiterentwickeln kann, wo man sie hinführen kann.

Wenn dann natürlich eine Situation eintritt, wo viele, ich sage jetzt mal, andere Fremde kommen, löst das natürlich auch Ängste aus. Das haben wir ja doch massiv auch in anderen Regionen Deutschlands. Und dann passiert etwas, was nicht gut ist. Das Fremde dann, das Böse, das als Aggressor gesehen wird, in welcher Form auch immer, einfach nur durch diffuse Ängste. Das muss man sehr ernst nehmen. Da sind wir in einer anderen Situation, wir sind wirtschaftlich sehr stark. Wir sind eine internationale Stadt, eine weltoffene Stadt.

Aber wir haben natürlich auch finanzielle Möglichkeiten, können von daher sehr viele mitnehmen. Dadurch entstehen diese Konfliktpunkte nicht so stark. Aber klar ist, das, was wir immer gemacht haben, auch in Heidelberg, ich bin fast in jeden Stadtteil dann gegangen, habe gesagt, jeder muss seinen Beitrag leisten im Sinne der Flüchtlingskrise. Es geht jetzt nicht darum, eine zentrale Einrichtung in einem Stadtteil zu verorten, sondern wo könntet ihr was machen, macht Vorschläge. Man geht in den Diskurs.

Fortsetzung

Und wenn jeder den Eindruck hat, dass jeder einen Beitrag leistet oder auch leisten muss, auch in einer Krisensituation, dann entsteht durchaus das Gefühl, das geht gerecht zur Sache. Das ist auch fair, wie man hier mit uns umgeht. Und dann ist die Akzeptanz auch hoch. Wenn es nur einen Stadtteil betrifft, ist die Situation ganz anders. Wir hatten auch damals mit Patrick Henry-Village eine Situation zu Beginn, als noch keine Fahrzeuge zur Verfügung gestellt worden sind. Die Menschen sind aus der Einrichtung, sie sind ja kein Gefängnis.

Zum nächsten Supermarkt gelaufen, das war ein Strom von Hunderten, die sich dann nur in einen Stadtteil bewegten. Das hat sofort zu Problemen geführt, weil natürlich auch ganz normal natürlich die Kassiererinnen und Kassierer gesagt haben, ich werde hier angesprochen, in einer Art und Weise von Einzelnen. Das ist nicht zu tolerieren, aber aufgrund der Menge kommt es dann schnell zu solchen Gegenreaktionen. Deswegen haben wir das sehr schnell geändert und haben gesagt, wir organisieren einen Bus-Shuttle direkt in die Innenstadt.

Die Innenstadt ist größer, weitläufiger. Wir haben es dezentralisiert und damit haben wir auch die Akzeptanz. Ich frage zurück, Mengenbegrenzung will ich an dieser Stelle nicht in den Mund nehmen, aber ja, es muss natürlich auch irgendwo passen. Das ist schon richtig, das muss man auch fairerweise sagen. Und wir sind ja selber der Meinung, dass auch eine Stadt wie Heidelberg gute Entwicklungsperspektiven braucht. Wir wollen uns entwickeln, aber wir werden jetzt auch nicht jede Ackerfläche bauen, weil wir sie auch brauchen als Umfeld, als Green Belt um Heidelberg, um als ökologische Funktionsräume zu fungieren und sagen dann nein, dann wollen wir auch nicht zu weit gehen.

Dann muss man halt woanders hinziehen. Das ist eigentlich auch ein normaler Prozess. Sie haben gerade auch Entwicklungsperspektive gesagt. Was ich mich gefragt habe im Vorfeld ist, als Bürgermeister einer Stadt wie Heidelberg, hat man natürlich sehr großen Einfluss, vermute ich mal, auf die Entwicklung der Stadt selbst. Wenn man das verbindet mit dem Thema Fehlerkultur. Wie viel können Sie theoretisch denn kaputt machen bei der Entwicklungsperspektive? Vielleicht auch mit einem kleinen Zwingen im Auge.

Gibt es da Kontrollmechanismen in der Form, also nicht im juristischen Sinne, sondern können Sie da viele Entscheidungen treffen, die zum Beispiel in die falsche Richtung gehen, wo vielleicht das gar nicht so gut enden wird für Heidelberg in irgendeiner Form? Wie läuft das grob ab für den Außenstehenden? Das ist wie bei einer Schreinerei, wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Also Sie können natürlich immer falsche Entscheidungen treffen oder vielleicht im Nachhinein bewertet eine falsche Entscheidung.

In dem Moment war es vielleicht die richtige Entscheidung, aber im Nachhinein hat sich herausgestellt, das haben wir doch anders eingeschätzt oder falsch eingeschätzt. Das passiert immer. Du hast ein Regulativ, du musst jede Entscheidung, große Entscheidung, auch mit dem Gemeinderat gemeinsam arbeiten. Das spielt eine große Rolle. Aber ja, für mich ist eigentlich der größte Fehler, du machst gar nichts, dann machst du keine Fehler, aber die Stadt hat keine Perspektive und mittel- und langfristig ist das der Niedergang jeder Stadt.

Du hast keine Jobs mehr, du hast keine zukunftsorientierten Ausbildungsplätze mehr, die Familien wandern ab und schon kommst du in einen Prozess, der nicht gut ist. Also eine Stadt entwickelt sich nicht, selbstverständlich immer positiv in eine gute Richtung. Und meistens liegt es daran, dass keine Entscheidungen getroffen werden. Also man kann auch mal falsche Entscheidungen treffen, aber das Schlimmste ist, keine Entscheidungen zu treffen, weil dann entsteht dieser Verharrungsprozess. Du bist zwar der Meinung, du hast alles so gelassen, wie es bisher war, aber du hast für junge Menschen keinen attraktiven, du hast dich nicht weiterentwickelt, du hast keine neuen Impulse gegeben im Bereich der Betriebe, der Wirtschaft, du kannst keine neuen Sozialprojekte starten, weil du keine finanziellen Erträge hast, das ist eine viel größere Gefahr.

Wenn wir jetzt ein bisschen mehr auf Ihr persönliches Mindset gehen, wie gehen Sie mit Fehlern um? Also wenn Sie wissen, oder ich weiß nicht, ob das passiert ist oder nicht, vielleicht haben Sie mal irgendwas entschieden, wo Sie gesagt haben, boah, das war jetzt vielleicht nicht so gut, wie gehen Sie persönlich damit um? Ja, so wie jeder. Also ich glaube, jeder macht Fehler und es ist glaube ich auch vermessen zu meinen, dass man keine Fehler macht. Also erst recht, wenn man in einer Position ist, man muss sich das so vorstellen, wenn ich morgens vielleicht nach dem Joggen ins Büro gehe, dann habe ich erstmal einen Unterschriftenberg von so einem halben Meter neben mir, da geht es um Verträge, bauen wir jetzt in Holzbauweise die Kita oder im klassischen monolithischen Bauweise, wie viel Geld gibst du jetzt für den Heidelberg Pass Plus aus, sollten wir da nicht in Erhöhung einführen, können wir das finanzieren, was sagt das Regierungspräsidium, Unterschrift.

Und das geht im 2-Minuten-Takt, jedes Mal eine andere Entscheidung, baust du jetzt ein luftwärme Pumpenkraftwerk im Pfaffengrund oder gehst du doch lieber auf Biomasse Holz, das ist zwar 20% teurer, aber die haben dir das so vermittelt, dass das eigentlich die schlechtere Variante wäre, gehst du jetzt auf diese Variante, Entscheidung, das passiert ständig, jeden Tag und jede 20 Minuten so ungefähr, und das sind große Entscheidungen, die auch eine entsprechende Tragweite hat, von daher triffst du viele Entscheidungen, wo du vom Bauch her und von dem Wissen her natürlich mit dir im Reinen sein musst, das ist glaube ich das Wichtigste.

Fortsetzung

Ich habe in meiner ganzen Zeit bisher eigentlich keine Entscheidung getroffen, die ich wirklich bereut habe, es gibt Entscheidungen, da habe ich mich im Nachhinein geärgert, warum haben wir das jetzt nicht nochmal zum Beispiel in eine politische Runde gegeben und haben das nochmal mit der Bürgerschaft diskutiert, dann hätten wir jetzt keinen Bürgerentscheid zum Beispiel gehabt, der ein Projekt dann gestoppt hat, das hat meistens was mit dem Verfahren zu tun, nicht mit dem richtigen Inhalt, also ja, das ja, aber es ging eher um die Methodik und das Verfahren, die Entscheidungen.

Du triffst halt jeden Tag Entscheidungen, zwar in einer Anzahl, dass du lernen musst, schnelle Entscheidungen zu treffen, das musst du auch mögen, sonst kannst du so eine Position nicht ausüben, du musst ein hohes Wissen haben über deine Stadt, damit du nicht das Gefühl hast, du entscheidest über Sachen, die du nicht verstehst, das ist ganz schlecht, also je länger du natürlich in so einer Funktion bist, desto sicherer wirst du dann auch. Ja, das ist, das kann man auch nicht alles so erlernen, wichtig ist eine solide Ausbildung natürlich, das ist klar.

Ich frag nämlich ganz besonders deswegen, Thema in meinem Podcast ist unter anderem auch die Erziehung meiner Kinder, mit was im Mindset ich sie eigentlich erziehen möchte, meine Kinder. Und eine Sache, die ich enorm wichtig finde, ist, dass sie verstehen, Verantwortung zu übernehmen, das ist wichtig, das ist mein Gefühl, und in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen. Was kann ich denen wie beibringen, damit sie Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen und sich nicht schreuen Entscheidungen zu treffen?

Also das erste ist, dass man sie ernst nimmt, dass man sie wahrnimmt, dass man ihnen auch Entscheidungen überträgt, und das kann man, wenn die Kinder kleiner sind, auch schon sehr früh machen, also nehmen wir mal ein Beispiel, das habe ich auch gemacht, also nicht mit allen Kindern, aber mit einigen einfach mal an eine Wand gehen, mit einem Kletterseil, du seilst dich an, die Kinder sind angeseilt, und jetzt soll der kleine Sohnemann den Papa halten, wenn er von der Wand wegspringt. Das kann, obwohl er viel leichter ist, kann er das, wenn er mich richtig sichert.

Das Gefühl, dass er das kann, gibt einem enorme Energie. Du musst ihn natürlich vernünftig anleiten, dass er jetzt nicht in Panik gerät und das Seil wegschmeißt und falsch reagiert. Wenn er richtig reagiert, ist das genau das, was er braucht, Selbstbewusstsein für seine eigene Entscheidungsfähigkeit und Entscheidungskompetenz. Das ist ganz entscheidend und ich sage jetzt mal, es ist natürlich in Gänsefüßen etwas einfacher für Kinder, die wie unsere Kinder zu viert aufwachsen. Da findet ständig auch ein Diskurs statt und auch eine kleine Competition.

Und das ist gut so, weil sie da lernen im Spielerischen, im Kleinen, was sie im Großen, wenn sie erwachsen sind, dann brauchen. Das ist auch ein großes Thema, weil viele Kinder gar keine Geschwisterkinder mehr haben. Also die lernen das nur eigentlich in der Kita oder in der Krabbelgruppe oder sonst wo. Bei uns konnten sie das auch schon zu Hause. Und deswegen, nimm dir Zeit für die Kinder, nimm sie mit in deine Welt. Versuch ihnen die Freiräume zu geben, dann werden sie auch zu selbstbewussten, verantwortungsvollen Menschen.

Thema Erwartungshaltungen. Ich glaube, mein Eindruck ist, wenn hier was gut läuft, dann ja, ist halt so. Wenn es schlecht läuft, sie sind dran schuld. Wie gehen Sie mit diesem Thema um? Also dass so eine Art Fingerpointing vielleicht am Ende des Tages passiert, wofür Sie vielleicht gar nichts können. Wie gehen Sie damit um, dass so hohe Erwartungen an Sie persönlich gestellt werden? Also erstmal, es macht natürlich keinen Spaß, wenn der morgens die Zeitung aufschlägt, dann denken Sie, mein Gott, was steht denn da jetzt schon wieder?

Aber für mich ist das auch immer Ansporn. Das muss ich ganz ehrlich sagen. Was haben wir denn falsch gemacht? Warum ist das denn jetzt so entstanden? Ich verstehe das gar nicht. Wir hatten doch eigentlich abgesprochen, dass wir jetzt in dem Bereich das Bauprojekt vor zwei Monaten abschließen wollten. Warum hat das jetzt nicht funktioniert? Muss ich unbedingt mal nachfragen. War das jetzt, haben wir da Probleme mit dem Material gehabt oder war es ein Organisationsfehler? Ein Organisationsfehler kann man optimieren, zumindest für den nächsten Prozess.

Also aus den Fehlern lernen und zumindest die Botschaft dann aussenden, oh, das ist nicht so gut gelaufen, aber beim nächsten Mal haben wir da noch einen zusätzlichen Controller eingeschaltet. Das ist immer so meine Art, damit umzugehen. Ich versuche immer auch zu analysieren, warum das so passiert ist. Und meistens sind ganz normale menschliche Strukturen. Du hast Mitarbeiter, der krank geworden ist, der die Position jetzt nicht ausfüllen konnte, also nicht gleich draufhauen unter dem Motto, was habt ihr falsch gemacht, sondern erst mal zuhören, aber auch klar sagen, was man erwartet.

Fortsetzung

Das musst du immer. Sonst kannst du so ein großes Schiff, wenn man so eine Stadtverwaltung als großes Schiff bezeichnet, auch nicht verantworten mit den über zweieinhalbtausend Beschäftigten, die für Kindergärten, Schulen, dann kommen noch die Stadtwerke dazu, die für die Energieversorgung, die Verkehrsbetriebe. Und die wollen schon klare Ansagen haben, also das auf jeden Fall. Wenn sie Ansporn sagen, heißt das aber auch, dass sie wahrscheinlich ein bisschen competitive sind, würde ich mal vermuten.

Ja, ich bin Sportler, man muss auch seine Ziele haben und die musst du auch versuchen zu erreichen. Ich bin schon durchaus jemand, ich meine, ich habe auch lange im Ruhrgebiet gelebt, da gab es immer einen schönen Spruch, harte Arbeit, fairer Lohn. Also ich finde das fair, das ist gut, aber man muss auch ein bisschen dafür arbeiten. Also diese Haltung, das fliegt dir alle so wie die Tauben in den Mund, das ist völlig falsch. Die Städte, die nicht reagieren, die auch nicht an ihren Themen arbeiten, die auch nicht was dafür tun, die werden mittelfristig nicht die Perspektiven für ihre Bevölkerung bieten.

Deswegen, du musst auch gucken, dass du da ständig aktiv bist. Und das ist auch immer meine Devise. Und am besten, du bist dann, bin ich ja eigentlich auch nicht ein Sprinter, also mal schnell tolles Ergebnis und dann geht dir die Luft aus, sondern du bist eher, ich bin eher jemand, der so ein Marathonläufer ist, der sagt, also du musst konstant daran arbeiten, dass die Themen sich verbessern und dann hast du auch mittel- und langfristig eine Perspektive für die nächste Generation. Also du musst eigentlich immer, ich sage immer, 10 Jahre vorausschauen.

Was glauben Sie, was für eine Erwartungshaltung eigentlich die Bürger einer Stadt jetzt wie Heidelberg jetzt an ihren Bürgermeister haben? Und ist es überhaupt relevant für Sie in dem Sinne? Ja doch, natürlich. Also ich höre da sehr genau hin. Ich würde mal sagen, den meisten ist das eigentlich erstmal weitestgehend egal, sofern sie in einer Stadt leben, wo ihr Umfeld funktioniert. Also die Schulen, die Kindergärten, die Straßen, da funktioniert es jetzt zum Teil schon nicht. Überall Schlaglöcher, also solche Themen, um das mal im Kleinen zu sagen.

Aber da geht man auch drüber hinweg. Man akzeptiert auch, dass man nicht für alles Geld hat. Wichtig ist, dass die Ausrichtung einer Stadt, und das merken die Menschen, dass die Ausrichtung einer Stadt in die richtige Richtung geht. Und das kann nicht immer gut funktionieren, aber trotzdem, der Weg ist der richtige. Und wenn der Weg der richtige ist, und akzeptiert wird von der Bevölkerung, und dafür hat die Bevölkerung ein tiefes, eine hohe Sensibilität und auch für meine Begriffe jedenfalls eine sehr gute Antenne und eine sehr gute Wahrnehmung, dann ist sie auch vom Grundsatz zufrieden und dann muss sie auch nicht ständig mit dem Bürgermeister oder Oberbürgermeister zusammensitzen.

Das ist auch das, was sie Sicherheit gibt, ihr Leben hier so frei und selbstbestimmt zu leben, wie sie sich das wünschen. Und dann sind sie happy. Wenn das nicht der Fall ist, dann entstehen Konflikte, wieso kann ich hier nicht leben, wenn ich jetzt aus einem anderen Kulturraum komme und werde hier ständig angepöbelt oder was auch immer. Das sind Themen, die sofort natürlich zurück schlagen. Das haben wir aber in Heidelberg, für meine Begriffe, auf einem Niveau, das wirklich toll ist. Bei der ganzen Menge an Aufgaben, die Sie vermutlich auf dem Tisch haben, wie priorisieren Sie eigentlich Ihre Aufgaben?

Also wie priorisiert man überhaupt die Aufgaben einer Stadt? Das ist vielleicht eine komische Frage, aber irgendwie ist ja fast alles gleich wichtig. Kindergarten sind genau so wichtig wie Schulen. Ja, also das Wichtigste ist erstmal, dass eine Stadt zukunftsfähig sein muss. Und zukunftsfähig heißt, du musst eine Perspektive schaffen für die nächste Generation. Das ist die wichtigste Frage. Auch wenn das manchmal komisch ist, auch wenn das mit den Maßnahmen, die du jetzt triffst, manche gar nicht verstehen, weil es nicht den direkten Kontext gibt, dass es aber für die Zukunft entscheidend ist.

Und das musst du einfach leben und das musst du auch sehen. Und in dieser Welt musst du auch dich zu Hause wühlen. Deswegen ist auch die internationale Brille so wichtig. Guck dir andere Städte an, lerne, mach Erfahrungen und versuche dann das Beste für deine Stadt als Exzept rauszuziehen. Das ist mit Sicherheit auch ein Weg, den ich jedenfalls sehr häufig gehe. Ich habe viele internationale Kontakte und das ist gut, weil du auch in dieser Wahrnehmung bist. Die haben da ein Riesenproblem, da habe ich gar keine Probleme, weil wir aber das und das und das machen.

Und das spielt eine riesen Rolle und das versuche ich auch immer zu übertragen. Also insoweit, dann eben den Zweijahresplan, Finanzhaushalt, Größenordnung 600 Millionen pro Jahr, das ist nicht wenig, das ist durchaus Geld, damit kann man eine Menge machen. Aber jeden fünften Euro auszugeben für Kinder- und Jugendbildung, das ist ein Wort. Das machen nicht viele. Das ist Weitsicht, warum du investierst in die Zukunft. Und dann kümmerst du dich auch um die anderen Themen, aber abgestuft in dieser Struktur.

Fortsetzung

Was ich mich auch gefragt habe, wenn ich immer die Möglichkeit habe, mit dem Oberbürgermeister zu sprechen. Was machen Sie oder wie gehen Sie damit um, wenn gewisse Entscheidungen, zum Beispiel von Ihren Kollegen hier im Rat getroffen werden, wo Sie vielleicht nicht so ganz dahinter stehen, aber wissen, das ist jetzt Ihr Auftrag, das zu machen. Wie gehen Sie mit so einer Situation um? Also ich bin immer sehr offen. Ich sage sehr deutlich, was ich von gewissen Entscheidungen auch halte. Ich entscheide mich auch nach der, das ist zumindest immer meine Prämisse gewesen, auch nach bestem Wissen und Gewissen nach der Faktenlage.

Und das zahlt sich eigentlich immer aus. Also das ist auch der Weg, den wir gehen müssen, weil alles andere rächt sich. Ja, es gibt jetzt auch Entscheidungen, wo man sagt, können wir das jetzt machen, das ist jetzt zu teuer, oder das können wir nicht finanzieren. Gut, dann kannst du diesen Weg nicht gehen, weil du nicht die Möglichkeiten hast. Du gehst dann noch einen Umweg, aber du solltest dann auch sagen, dass das eigentlich nicht der Weg ist, sondern das ist jetzt nur der Umweg, weil die Finanzmittel nicht zur Verfügung stehen.

Aber wenn die dann kommen, dann würden wir diesen Programmbereich wieder weiter ausbauen, zum Beispiel so was. Das muss man dann auch klar kommunizieren. Das ist wichtig. Das wichtigste ist gegenüber der Bevölkerung, klare Ansage, was man denkt, was man fühlt, in welche Richtung man geht, dann hast du auch die Akzeptanz der Bevölkerung. Was man denkt und was man fühlt, das ist, glaube ich, ein ganz kurzes Stichwort, dass man auch natürlich Emotionen zeigt, dass man ein Mensch ist einfach. Und wie Sie schon gesagt haben, mit bestem Wissen und Gewissen entscheidet.

Mit Blick auf die Zeit möchte ich auch so langsam zum Schluss kommen. Ich bin wirklich sehr dankbar, dass Sie sich überhaupt Zeit genommen haben. Dazu gleich die letzten zwei Fragen sozusagen. Aber bevor ich die stelle, wo können die Menschen Ihnen persönlich online folgen, wenn Sie mehr über Sie herausfinden wollen? Also mir über Instagram, also Eckhard Würzner ist jetzt nicht so schwierig zu merken. Über Instagram, über LinkedIn bin ich, also über die klassischen sozialen Medien und Facebook gut zu erreichen.

Ich mache alle sechs Wochen Bürgersprechstunden in den Bürgerämtern, wo jeder kommen kann. Du kannst dich nur anmelden, du kannst mir deine ganz privaten Probleme schildern. Oder auch Probleme, die jetzt mit der Stadtverwaltung zu tun haben. Also diese Nahbarkeit, das spielt eine große Rolle. Und eigentlich musst du als Bürgermeister auch immer ansprechbar sein. Also du gehst durch die Hauptstraße oder in der Stadt und es spricht dich jemand an. Die Zeit solltest du dir nehmen, um zumindest zuzuhören und sagen, okay, kannst du jetzt wirklich nicht alles zu Ende besprechen, ich habe ja auch noch extra Termine, aber dass du offen bist für diese Gespräche.

Also ich habe natürlich Ihre Profile auf Instagram und LinkedIn angeschaut. Ich kann auf jeden Fall empfehlen, da vorbeizuschauen, denn es sind auch ganz sympathische Fotos mit dabei. Bitte weiter so machen. Kommen wir nun zu den letzten Fragen. Diesmal sind es zwei letzte Fragen. Einmal bezüglich Ihrem persönlichen Mindset. Was ist das Mindset, welches den größten und positivsten Einfluss in Ihrem Leben hatte? Und was denken Sie ist eigentlich das Heidelberger Mindset? Also ich bin ein Grund auf positiver Mensch.

Also ich sehe immer eine Perspektive. Also so bin ich immer gestrickt. Es gibt Probleme, aber es gibt keine Katastrophen. Es gibt Probleme, daran müssen wir arbeiten und dann müssen sich die Richtigen zusammenschließen. Das, was ich auch immer, ich bin ein zu tiefst freiheitsliebender Mensch. Also ich lebe immer nach der Prämisse, meine Meinung, andere nie als Richtschnur aufzwingen zu wollen. Jeder soll auch so leben und so fühlen können und so lieben können, wie er das möchte. Wenn die Spielregeln, das hatten wir vorhin diskutiert, entsprechend definiert sind.

Also von daher, ja und ein Erlebnis, ein schönes Erlebnis. Ich bin ein zu tiefst Familienmensch. Ich bin bei meiner Urgroßmutter, hat für uns noch bis 96 gekocht. Das war für mich ganz normal, in so einer Großfamilie aufgewachsen zu sein. Eine Großfamilie gibt Sicherheit. Du hast natürlich ständig auseinandersetzen. Das ist ja auch ganz normal. Aber du hältst doch zusammen. Das ist ganz wichtig. Also du kannst ja auch vertrauen und dieses Urvertrauen, das ist ganz wichtig. Das habe ich und deswegen habe ich eigentlich auch vor keiner Herausforderung wirklich Frucht oder Angst.

Das ist eher die Frage, wie gehst du es an? Wo sind die Fachleute? Wo kriegst du die her? Wie schnell organisierst du eine Taskforce zum Thema Corona? Das ist eigentlich die Herausforderung. Aber wenn du das weißt, dann kannst du auch positiv immer in die Zukunft sehen. Sehr interessant. Und nun das Heidelberger Mindset? Das Heidelberger Mindset ist ein bisschen anders. Ich würde mal sagen, die Heidelberger sind ein bisschen mehr Genussmenschen. Sie sind nicht ganz so nach vorne gehend, sind eher etwas ruhiger.

Fortsetzung

Das ist aber auch eine gewisse Gefahr, weil wir natürlich viele Menschen haben in unserer Stadt, denen es gut geht. Und da muss man ein bisschen aufpassen, dass man für die nächsten Generationen auch noch eine Perspektive hat. Wenn es dir zu gut geht, man kennt das ja, dann gibt es da so entsprechende Sprichworte. Ich sage immer, das Heidelberger Mindset ist ein sehr ruhiges, genüssliches, zufriedenes, langsam nach vorne gehen. Also die Heidel stehen auch ein bisschen dafür. Ich nicht so sehr, weil ich sage, wir müssen schon noch ein bisschen mehr Gas geben, sonst verlieren wir den Anschluss.

Herr Wütze, vielen lieben Dank für die Zeit. Hat mir sehr großen Spaß gemacht, habe wirklich vieles mitnehmen können. Vielen Dank nochmal. Gerne, gerne.

Dieses Transkript wurde automatisch mit Whisper KI erstellt und kann vereinzelt Fehler enthalten.


Keywords

Tags: Heidelberger Mindset, Eckart Wuerzner, Oberbuergermeister Heidelberg, Integration, Fluechtlingspolitik, Entscheidungen treffen, Fehlerkultur, Stadtentwicklung, Fuehrung, Weltoffenheit, Patrick Henry Village, Kommunalpolitik, Dankbarkeit, Willkommenskultur, Project Mindset


Namen und Begriffe

Reza Mehman, Prof. Dr. Eckart Wuerzner, Heidelberg, Patrick Henry Village (PHV), Universitaet Heidelberg, Baden-Wuerttemberg, Kurpfalz, Marcius von Inghen, Goslar, Duesseldorf, Frankfurt, Klaus Toepfer, Iran, Gemeinderat Heidelberg, Project Mindset Podcast


Zitierfaehige Passage

„Keine Entscheidung zu treffen ist schlimmer als eine falsche Entscheidung zu treffen,“ sagt Heidelbergs Oberbuergermeister Prof. Dr. Eckart Wuerzner im Gespraech mit Reza Mehman.
Heidelberg zeigt seit Jahrhunderten, dass Weltoffenheit und der Mut zur Entscheidung eine Stadt staerker machen als Angst und Zoedern.
Wuerzner betont, dass aus Fehlern wertvolle Lerneffekte entstehen, waehrend Stillstand durch Untaetigkeit den hoechsten Preis fordert.
Diese Haltung praegt nicht nur die Fluechtlingspolitik der Stadt, sondern das gesamte Heidelberger Mindset: offen, tolerant und entscheidungsfreudig.






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