Panel beim Dinner im Schloss 2026 mit Philipp Klöckner und Albrecht Metter über den KI-Realitätscheck in Deutschland.
Einleitung
KI Deutschland steht an einem Wendepunkt, und beim Dinner im Schloss 2026 habe ich genau darüber mit zwei der schärfsten Köpfe der Branche gesprochen: Philipp „Pip“ Klöckner, Tech-Analyst und Co-Host des Doppelgänger Tech Talk, sowie Albrecht Metter, Gründer der Heidelberger Ameria AG. Im Zentrum standen die Frage, was bei Aleph Alpha wirklich schiefgelaufen ist, wer das Rennen zwischen Anthropic und OpenAI gewinnt, und warum klassische Software wie SAP nicht so schnell verschwindet, wie es viele behaupten. Wir haben über die Energiefrage gesprochen, über militärische Eskalation und über die digitale Souveränität Europas. Außerdem ging es darum, welche Berufe KI zuerst verdrängt und was junge Menschen heute realistisch noch lernen sollten. Ein direktes, ungeschöntes Panel über KI, Wirtschaft und Geopolitik.
Zusammenfassung
1-Satz-Version:
Pip Klöckner und Albrecht Metter analysieren beim Dinner im Schloss 2026 schonungslos die Lage der KI in Deutschland, von Aleph Alpha über Anthropic bis zur digitalen Souveränität.
3-Satz-Version:
Das Panel zeichnet ein realistisches Bild des KI-Marktes: Aleph Alpha scheiterte an strukturellen Problemen, während Anthropic den Enterprise-Markt dominiert und Google den Consumer-Sektor langfristig gewinnen dürfte. Albrecht Metter erklärt, warum lokale KI auf dem Endgerät der europäische Weg zu digitaler Souveränität ist. Pip Klöckner ordnet zudem ein, welche Berufe in den nächsten Jahren wegfallen und wo neue Chancen entstehen.
5-Satz-Version:
Beim Dinner im Schloss 2026 sprechen Pip Klöckner und Albrecht Metter mit Reza Mehman über den KI-Markt in voller Breite. Sie analysieren die Gründe für das Scheitern von Aleph Alpha, vergleichen die Geschäftsmodelle von Anthropic, OpenAI und Google und erklären, warum der Tod der SaaS-Branche zu früh ausgerufen wurde. Ein zentrales Thema ist das massive Energieproblem, das KI weltweit verursacht. Beide diskutieren außerdem die geopolitischen Folgen, von militärischer KI in der Ukraine bis zur Frage, wie Europa seine digitale Souveränität zurückgewinnen kann. Den Abschluss bildet ein nüchterner Blick auf den Arbeitsmarkt und die Frage, welche Skills die nächste Generation braucht.
Kontext: Wer, Was, Warum
Wer spricht:
Gastgeber ist Reza Mehman, Unternehmer, Podcaster und Veranstalter des Dinner im Schloss in Heidelberg. Gäste sind Philipp „Pip“ Klöckner, Tech-Analyst, Investor bei KKR und Co-Host des Doppelgänger Tech Talk, sowie Albrecht Metter, Gründer und CEO der Ameria AG aus Heidelberg, die an lokaler KI auf Endgeräten arbeitet.
Worum geht es:
Ein offenes Panel über den realen Stand der KI in Deutschland und Europa, von gescheiterten Champions über Geschäftsmodelle der KI-Anbieter bis zu Energie, Souveränität und Arbeitsmarkt.
Warum ist das relevant:
Während USA und China im KI-Rennen davonziehen, diskutiert Deutschland über Förderpakete. Das Gespräch macht hörbar, wo Europa wirklich steht und welche Hebel noch existieren.
Drei Kernfragen, die beantwortet werden:
- Warum ist Aleph Alpha als europäisches Vorzeigeprojekt strategisch ins Straucheln geraten?
- Wie sehen die Geschäftsmodelle von Anthropic, OpenAI und Google im Detail aus?
- Welche realistischen Wege hat Europa noch, digitale Souveränität zurückzugewinnen?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung Überblick über das Gespräch beim Dinner im Schloss 2026
- Kontext Wer spricht und warum
- Themen und Einordnung Die zentralen inhaltlichen Cluster des Panels
- Kern-Aussagen Die wichtigsten Thesen verdichtet
- Häufig gestellte Fragen Antworten auf die zentralen Fragen rund um KI in Deutschland
- Highlight-Zitate Die prägnantesten Aussagen aus dem Gespräch
- Das vollständige Gespräch Das aufbereitete Transkript des Panels
- Keywords SEO-relevante Begriffe rund um das Thema
- Namen und Begriffe Konsistente Schreibweisen aller genannten Personen und Organisationen
- Zitierfähige Passage Ein Block für Pressezitate und Social Media
Themen und Einordnung
- KI-Markt und Geschäftsmodelle Wie Anthropic, OpenAI und Google ihr Geld verdienen und wo echte Margen entstehen. Keywords: KI Geschäftsmodelle, Anthropic, OpenAI
- Europa und digitale Souveränität Warum Deutschland strukturell zurückliegt und welche Auswege es noch gibt. Keywords: digitale Souveränität, Europa, Ameria
- Energie und Ressourcen Strombedarf, Datacenter-Engpässe und der Rohstoff-Wettlauf zwischen China, Russland und dem Westen. Keywords: KI Energieverbrauch, Datacenter, Rohstoffe
- Sicherheit und Geopolitik Militärische KI, Drohnenkrieg und die Schwächen kritischer Infrastruktur in Europa. Keywords: militärische KI, Ukraine, kritische Infrastruktur
- Arbeit und Zukunft Welche Jobs verschwinden, welche bleiben und was die nächste Generation lernen sollte. Keywords: KI Arbeitsmarkt, Jobs der Zukunft, Skills
Kern-Aussagen
- Von der Aleph Alpha 500-Millionen-Runde flossen real nur rund 100 Millionen Euro Eigenkapital, der Rest waren Forschungszuwendungen und Umsatzzusagen.
- Anthropic dominiert laut Pip Klöckner aktuell den B2B-Markt und gewinnt drei Viertel der hinzugewonnenen Enterprise-Marktanteile.
- Google wird den Consumer-Markt langfristig gewinnen, weil eigene TPU-Chips KI-Anfragen massiv günstiger machen.
- SAP, Salesforce und Oracle bleiben mittelfristig stabile Fundamente, weil Migrationen 3 bis 5 Jahre dauern und Risiken für CIOs zu groß sind.
- Bis 2034 wird KI weltweit so viel Strom verbrauchen wie ganz Indien.
- Allein die Nvidia-Chip-Produktion eines Jahres bräuchte umgerechnet rund 7 deutsche Atomkraftwerke an Stromversorgung.
- Lokale KI auf dem Endgerät, wie Ameria sie baut, ist laut Albrecht Metter Europas Chance auf digitale Souveränität.
- Die Ukraine und Russland sind aktuell weltweit führend bei der Entwicklung militärischer KI-Drohnen.
- Wer heute jung ist, sollte einen Beruf wählen, dessen Output nicht rein digital ist.
- Rund 10 Prozent der KI-Top-Entwickler in den USA sind Deutsche, das eigentliche Problem ist die Kommerzialisierung in Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Was ist bei Aleph Alpha schiefgelaufen?
Von der 500-Millionen-Runde waren laut Pip Klöckner real nur rund 100 Millionen Eigenkapital, der Rest Forschungszuwendungen und Umsatzzusagen. Hinzu kamen zu lange Sales-Cycles und übermächtige US-Konkurrenz.
Wer gewinnt das Rennen zwischen Anthropic und OpenAI?
Bei den Modell-Fähigkeiten liegen beide gleichauf. Anthropic dominiert den Enterprise-Markt, OpenAI hat die stärkste Consumer-Marke.
Wie viel Strom verbraucht KI in Zukunft?
Bis 2034 soll KI weltweit so viel Energie verbrauchen wie Indien. Allein für ein Jahr Nvidia-Chip-Produktion bräuchte man rund 7 deutsche Atomkraftwerke.
Wird SAP durch KI überflüssig?
Kurzfristig nein. SAP-Migrationen sind 3 bis 5-Jahres-Projekte. Klassische „Systems of Record“ bleiben stabile Fundamente, neu gegründete Unternehmen setzen sie aber nicht mehr ein.
Was ist lokale KI und wie funktioniert sie?
Kleinere Open-Source-Sprachmodelle, die direkt auf dem Endgerät laufen statt in der Cloud. Ameria legt darauf eine Shell über bestehende Betriebssysteme und automatisiert repetitive Aufgaben.
Welche Berufe ersetzt KI zuerst?
Tätigkeiten mit rein digitalem Output: Callcenter, einfache Softwareentwicklung, Standard-Newsanchor, Powerpoint-Produktion. Die obersten 10 Prozent jeder Profession bleiben als „Human in the Loop“ wichtig.
Was sollten junge Menschen heute lernen?
Berufe mit nicht-digitalem Output, etwa Medizin, Life Sciences, Energie oder Spacecraft Engineering. Dazu Neugier, Problemerkennung und aktives Gestalten statt Konsumieren.
Wie steht Deutschland im KI-Rennen da?
Exzellentes Humankapital, rund 10 Prozent der KI-Top-Entwickler in den USA sind Deutsche. Das Problem ist die Kommerzialisierung, nicht die Forschung.
Highlight-Zitate
„Wenn man Politiker bei Finanzierungsrunden sieht, dann ist das in der Regel schon eine Aussage.“Pip Klöckner
„Man geht davon aus, dass bis 2034 KI mehr Strom verbrauchen wird als Indien.“Pip Klöckner
„Wir haben eine einmalige Chance in Europa, gerade mit KI unsere Souveränität auf diese Art und Weise zurückzuholen.“Albrecht Metter
„Ich würde mir einen Job suchen, wo der Output nicht digital ist.“Pip Klöckner
„Wir müssen eigentlich jetzt so handeln, aus meiner Sicht der Dinge, als ob wir bereits den Krisen und Verteidigungsfall hätten.“Albrecht Metter
Das vollständige Gespräch
Begrüßung und Aleph Alpha als Lehrstück
Reza Mehman:
Klöckner und Albrecht Metter bitte auf die Bühne bitten. Toll, dass ihr da seid. Hey, hey, super, dass es geklappt hat. Wunderbar, ich habe ein paar Fragen vorbereitet. Ich fange zuerst mit meiner brennenden Frage an bei Pip und danach an euch beide direkt eine Frage.
Pip, das mit Aleph Alpha finde ich super traurig. Wir hatten ein Heidelberger Startup, 500 Millionen eingenommen. Ich glaube, das siehst du auch ein bisschen kritisch, die Zahl, glaube ich, siehst du nicht so ganz, aber zumindest ist das, was ich gelesen hatte. Wir waren in 2024 im Königssaal, da hatte ich den Jonas Andrulis mit dabei, wirklich cooler Kerl. Das soll jetzt auch überhaupt kein Bashing sein, sondern ganz im Gegenteil, ich würde gern verstehen, was wir hier falsch gemacht haben beziehungsweise was so falsch gelaufen ist. Er hat mir gesagt gehabt, er muss in 2024 100 Millionen Euro Umsatz machen, damit das Ganze aufgeht, was er hier plant. Hat leider nicht funktioniert. Aber vielleicht aus deiner Sicht, was ist schiefgelaufen?
Pip Klöckner:
Ja, wie viel Zeit haben wir? Also ich glaube, man muss einmal richtigstellen, diese 500-Millionen-Runde, der Kontext davon: höchstwahrscheinlich, das haben wir damals vor 2 Jahren spekuliert, 2023/24 war das. Inzwischen ist das ein bisschen öffentlich geworden, also davon sind wahrscheinlich nur 100 Millionen geflossen, 100 Millionen von der Schwarzgruppe, dann der Rest, also 300 Millionen waren Forschungszuwendung, wahrscheinlich geht es dabei um Rechenzeit, die die Schwarzgruppe zur Verfügung gestellt hätte, um das zu trainieren. 60 Millionen waren Umsatzzusagen, zukünftige Aufträge, und so ist man auf diese 500 Millionen gekommen.
Dann sollte man immer vorsichtig sein, wenn man Politiker bei solchen Finanzierungsrunden sieht. Wenn erfolgreiche Unternehmen Finanzierungsrunden machen, dann hält sich die Politik raus, und das ist richtig so. Wenn man Politiker bei Finanzierungsrunden sieht, dann ist das in der Regel schon eine Aussage.
Reza Mehman:
Also ist True Story jetzt.
Pip Klöckner:
Würde ich sagen, also ich mache das seit 20 Jahren und das ist meine Beobachtung. Nimm Biontech: Jens Spahn war keine, als Pfizer sich mit Biontech zusammengetan hat, um den Impfstoff zu vertreiben, da gab es keine Jens-Spahn-Pressekonferenz drüber, sondern man hat das am Markt geregelt. Und so ist das in der Regel auch.
Der Grund war, glaube ich, damals, so würde ich es heute interpretieren, dass die Schwarzgruppe investieren wollte, aber dafür den Staat, vor allen Dingen das Auftragsvolumen des Staates, mit reinbekommen wollte. Hat in Brieftaubenentfernung hier Co-Investoren gesucht, Burda Offenburg, SAP war dabei, Robert Bosch war dabei, alles hier aus dem Umfeld, und hat dann eine Allianzgemeinschaft gebaut, wo man das dann gebaut hat, in der Hoffnung natürlich, man bekommt Aufträge aus der Industrie und staatliche Aufträge.
Das Problem ist, dass natürlich die Sales Cycles oder selbst wenn man schon den Vertrag in der Tasche hat, bis man beim Staat etwas beginnt zu implementieren, bis da Umsätze fließen, das ist für ein Startup, was in diesem dynamischen KI-Umfeld arbeitet, viel zu lange. Das funktioniert nicht gut, und deswegen hat man die Umsätze nicht so schnell steigern können. Gleichzeitig die Konkurrenten in den USA: Damals wollte Aleph Alpha noch ein konkurrenzfähiges LLM bauen, ist relativ schnell klar geworden, dass die US-Unternehmen, die das versuchen, Milliardenfinanzierung haben, Gigawatt an Rechenzeit zur Verfügung haben, in einer ganz anderen Liga spielen. Es war nicht möglich, rein physisch da mitzuspielen. Auch das Humankapital ist in der Zeit vor Trump viel in die USA gezogen, das hat sicherlich gefehlt. Es sind immer mehrere Gründe, es gibt nicht einen Schuldigen, aber wahrscheinlich werden es auch Sales-Kapazitäten gewesen sein, mangelnde Erfahrung vielleicht, und einfach nicht die Bereitschaft der deutschen Industrie, die Dienstleistung abzunehmen.
Gleichzeitig: Was hätte man gebraucht? Die großen Unternehmensberatungen als Implementierungspartner, die zu dem Zeitpunkt aber schon längst von den US-Konzernen vereinnahmt waren, im Sinne von hohen Vertriebsprämien dafür, dass sie OpenAI vertreiben, dass sie Anthropic vertreiben. Und dass das alles zusammenkommt, hat die Grundlage relativ herausfordernd gemacht. So würde ich das heute im Nachhinein beschreiben.
Und Jonas Andrulis hat ja jetzt in Münster auf der Data Unplugged sein nächstes Unternehmen schon angekündigt. Das wird er mit Roland Berger zusammen machen, wenn ich es richtig verstanden habe. Da ist die Vertriebspower, der Zugang zu Unternehmen schon mit drin, und da möchte er wieder eine KI für B2B, für Unternehmen bauen. Vielleicht gelingt es ihm in der Kombination mit einer großen Beratung dann schon besser.
Reza Mehman:
Das siehst du dann auch schon positiver von der Wahrscheinlichkeit her, dass das funktioniert?
Pip Klöckner:
Ich würde die Erfolgswahrscheinlichkeit dafür erstmal als größer einordnen.
KI-Überraschungen der letzten 12 Monate
Reza Mehman:
OK, verstanden. Gut, jetzt abstrahieren wir ein bisschen, jetzt schauen wir mal allgemein auf KI. Ich fange bei dir an, die Frage ist aber für euch beide: Was hat euch in den letzten 12 Monaten eigentlich komplett überrascht, was das Thema KI anbelangt?
Albrecht Metter:
Ja, also wir kommen natürlich auch sehr stark aus dem ganzen Bereich visuelle Darstellung, ihr könnt euch das dann im Nachgang draußen anschauen, 3D-Inhalte et cetera. Was die KI innerhalb der letzten 3 bis 6 Monate im Bereich der Vektordigitalisierung, also wirklich 3D, geleistet hat, ich muss aufpassen, dass es nicht zu technisch wird, also Polygone, einen Raum in 3D darstellen zu können. Das ist für einen Designer, der so etwas macht, heute immer noch eine technische Herausforderung. Und die KI hat in einer Art und Weise dazugelernt, und die LLMs, die da immer noch dafür benutzt werden, muss man überlegen, die sind ja auch immer noch sprachbasiert, und mit Sprache so einen Raum zu beschreiben, das ist unglaublich schwierig. Heute kann ich von jedem Schuh, von so einem Sneaker hier, 23 Bilder machen. Ich habe innerhalb von Sekunden ein 3D-Modell. In der Geschwindigkeit hätte ich vor 6 Monaten nicht gesagt, dass wir heute da stehen, wo wir stehen. Das ist absolut faszinierend.
Die Geschwindigkeit nimmt auch in einigen anderen Bereichen zu, der reinen Sprachverarbeitung, der agentischen. Wenn man sich heute so einen typischen Agenten aufbaut, da kann man ihm so ein paar Facetten mitgeben. Du bist der Analytiker, du bist der Skeptiker, und du bist der Projektleiter, und jetzt challenged euch mal richtig durch und gebt mir am Ende eine Handlungsanweisung. Das ist auf einem Level. Wir haben bei uns in der Firma viel, viel mehr Agenten mittlerweile laufen, die wiederum Subagenten haben als Mitarbeiter.
Wir sind ab und zu mit Großkonzernen unterwegs, und das Erste, was ich da frage, ist: Arbeitet ihr mit KI, wenn ihr unser Partner werden wollt? Wenn die mit KI nicht arbeiten, ich weiß überhaupt nicht, wie die mit unseren Teams zusammenarbeiten sollen. Sorry, wenn man das so klar sagt: Wenn eine Rakete, die mit Höchstgeschwindigkeit durch den Weltraum fliegt, mit dem Fahrrad spricht, das kannst du einfach nicht mehr machen, das sind zwei Welten.
Reza Mehman:
Ja, guter Punkt. Pip, bei dir?
Pip Klöckner:
Ja, also mich beeindruckt am meisten auch die Dynamik, die Geschwindigkeit. Wenn man schaut, wie Anthropic, aber auch OpenAI, fast täglich Releases bringen. Ich habe mir das mal in den Kalender für einen Vortrag eintragen lassen, alle Tage, wo es ein größeres Produktrelease gab von einer der beiden Firmen, und der Kalender ist einfach voll. Es gibt keine Woche, in der nichts mehr passiert, es kommen mehrere neue Modelle jede Woche raus.
Zuletzt: Das, was mich am meisten beeindruckt hat, sind die Durchbrüche bei Bildgenerierung. Da gibt es jetzt das Images-2-Modell, was man bei ChatGPT in der Plus-Variante schon inklusive hat. Das ist einfach wirklich noch mal ein Riesensprung. Diese Artefakte, dass Schriftarten nicht richtig dargestellt werden oder Währungen im Hintergrund nicht stimmen, das ist einfach alles weg, weil das Modell jetzt denken und Bilder generieren gleichzeitig kann. Ich kann sagen: Mach mir mal eine typische Heidelberger Speisekarte, und da kommt was mit den lokalen Gerichten, mit der richtigen Währung ungefähr raus. Ich kann sagen: Mach mir eine touristische Karte der Region, die wird ungefähr stimmen. Instagram-Kacheln kann man automatisch bauen lassen, und mit einer Zeile kann man wirklich komplexe Bilder, ganze Comics zusammenstellen lassen in ungeahnter Qualität.
Reza Mehman:
Wen siehst du vorne, Anthropic oder OpenAI?
Pip Klöckner:
Von den Fähigkeiten der Modelle sind die sich sehr nah, immer noch Nase an Nase, zusammen mit Google. Auch Meta beginnt so ein bisschen abgeschlagen zu sein, obwohl sie noch mal ein neues Modell gemacht haben, aber das ist nicht mehr Champions League, wenn man ehrlich ist. Bei Grok, X.AI, wartet man gerade noch auf das nächste, das könnte wieder in die Liga kommen. Im Moment ist auch Grok ein bisschen abgeschlagen.
Von der Kundengewinnung und der Strategie ist Anthropic, glaube ich, viel besser aufgestellt. Anthropic hat sich auf den Softwaremarkt und den B2B-Markt fokussiert, auf Unternehmen. ChatGPT hat es geschafft, dass ihr alle KI mit ChatGPT verbindet. Das ist ein großer Erfolg, die sind das Google der KI, wenn man so möchte. Aber mehr Umsatz machen lässt sich mit Unternehmen. Unternehmen sind loyaler, die skalieren ihre Umsätze automatisch. Wenn du beginnst, KI zu benutzen, und als Unternehmen zahlst du ja eigentlich pro Token, also konsumabhängig, dann gibst du Anfang des Jahres vielleicht 10 Millionen aus, und fast automatisch wanderst du gegen Ende des Jahres Richtung 30 Millionen, wenn du nicht kündigst. Dadurch baut sich dieser Umsatz bei Unternehmen viel stärker auf.
Und der andere Vorteil: Wenn ich KI damit beginne, KI zu bauen, die Software schreibt, dann baue ich auch KI, die KI besser macht. Das heißt, ich habe so einen selbstbeschleunigenden Effekt, und das sieht man, das ist auch einer der Gründe für diese Entwicklungsgeschwindigkeit. Inzwischen baut Anthropic hauptsächlich mit KI neue KI, und deswegen war es schlau, sich nicht zu defokussieren wie OpenAI, sondern da reinzugehen. Deswegen wird am Sekundärmarkt Anthropic gerade mit einer Billion gehandelt.
Reza Mehman:
Wow, also mehr als OpenAI?
Pip Klöckner:
Genau, OpenAI ist in der gleichen Liga, immerhin, aber ich dachte, du hast eingeholt. Du bist bei beiden auch investiert?
Reza Mehman:
Ja, ich will jetzt nicht sagen, wie du da rangekommen bist.
Pip Klöckner:
Genau, also es ist mittelbar über so Secondary Vehicles, das sind ehemalige Entwickler oder VCs, die quasi schon Liquidität suchen und etwas ins Trockene bringen wollen, die machen dann so Sekundärrunden.
Reza Mehman:
Bist gut connected anscheinend.
Pip Klöckner:
Ja, ja genau, aber ich bin in allen so ein bisschen drin, mit dabei, jetzt keine Riesentickets.
Lokale KI und der Ameria-Ansatz
Reza Mehman:
OK, zu den Geschäftsmodellen von den KI-Anbietern komme ich gleich noch mal, aber du, Albrecht, gehst da einen ganz anderen Weg mit Ameria. Du vertraust nicht auf KI aus der Cloud von Anthropic und OpenAI, sondern du hast eine lokale KI bei dir auf den Systemen drauf. By the way, der eine Stand da draußen, was Albrecht schon gesagt hat, gerne da dran vorbeigehen. Ich war sehr überrascht, wie gut das Ganze funktioniert, ohne Brille einen 3D-Effekt zu haben. Kann ich auf jeden Fall nur empfehlen, gerne in der nächsten Pause da vorbeizugehen. Aber wieso setzt du mehr auf lokale KI auf Geräten drauf, wenn die allermeisten sagen: OK, ich hole es mir aus der Cloud, ich bestelle die Tokens bei den Anbietern?
Albrecht Metter:
Also erstmal muss man sagen, dass wir zurzeit auch noch in Teilen auf die ganz normalen KI-Modelle setzen, die am Markt sind. Wir sind kein Hersteller eines KI-Modells, da gibt es eines in Europa, das ist Mistral, und die machen einen fantastischen Job. Aber auch da müssen Milliarden organisiert werden, um am Ende gute LLMs rauszubekommen.
Was wir machen: Wir nehmen kleinere LLMs, die verfügbar sind am Markt, die Open Source sind, lassen die lokal laufen. Das können erstmal viele machen, das ist auch nichts Besonderes. Der Gag ist, dass wir das vor 2 bis 3 Jahren vorhergesehen haben, dass das so kommt, und dass unser Mentor Vint Cerf, der Miterfinder des Internets, uns darauf getrimmt hat, das zu machen. Wenn man das konsequent durchdenkt, dann kommt man zu neuen Arten von Nutzerinterfaces. Und das ist auch, glaube ich, das, wofür Ameria steht.
Wir denken die komplette Mensch-Maschine-Interaktion neu, und da ist das entscheidende Wort Multimodalität. Multimodalität heißt: Ich kann auf die Art und Weise mit dem Gerät interagieren, wie es für mich am leichtesten ist. Ich passe mich nicht an bestehende Oberflächen und Schnittstellen an, die mir jemand zur Verfügung stellt, sondern ich mache das, was ich normalerweise mache. Was machen Menschen? Ich zeige gerne auf etwas. Zum Beispiel sage ich: „Diese Säule, beschreib diese Säule.“ Wenn ich jetzt einfach nur anfange, „diese Säule“ zu sagen, suchen Sie alle im Raum rum, und ich muss diese Säule erstmal beschreiben. Das heißt, offensichtlicherweise ist dieses Zeigen und Sprechen schon mal ein wahnsinnig wichtiger Punkt. Gleichzeitig schaue ich hier im Raum rum. Das heißt Eyetracking, ich kann meinen Blick verfolgen, und all diese Punkte zusammen werden von KI in einer unglaublichen Art und Weise unterstützt, vor allen Dingen, wenn sie lokal und schnell ablaufen.
Das ist erstmal die Grundlage von allem, und da haben wir seit vielen Jahren drauf hingearbeitet. Es gibt am Markt draußen, Stand gestern, 1.300 vernünftige Open-Source-Modelle von LLMs unterschiedlicher Entwicklungsstufen. Manche sind kleiner, manche größer, die kann ich auf einem Mac Mini abspielen, die kann ich auf einer guten GPU schon abspielen. Wir testen die durch und überlegen, was ist von uns das beste LLM.
Im zweiten Schritt haben wir mit Maverick, und das ist die eigentliche wesentliche Entwicklung der Firma, den Laptop dann auf dieser Basis komplett neu gedacht. Warum? Die ganzen Softwaresysteme, die wir heute sehen, diese Bestandssysteme, diese Enterprise-Systeme, ob SAP, Salesforce, das Patientenmanagementsystem der Universitätsklinik Heidelberg, andere Tools aus den 90er Jahren: Die werden nicht alle verschwinden. Diese ganzen Systeme werden bleiben, wo sie sind. Warum? Das sind eingespielte Systeme. Da wird keiner auf die Idee kommen, die morgen auf eine KI oder etwas anderes zu portieren. Da sind Regularien, da sind Gesetze mit im Spiel, und deshalb ist dieser Abgesang auf die Software-as-a-Service-Provider auch viel zu früh.
Und es wird eine weitere Sache nicht passieren: Wir werden in Jahren noch von jetzt ab gesehen genau vor den gleichen Laptops sitzen, wenn wir nichts dagegen tun. Die werden genauso aussehen und genauso langweilig sein und genau die gleiche blöde Tastatur haben. Und einen Zweitbildschirm, auf dem ich meine repetitiven Tätigkeiten wieder und wieder mache. Warum? Weil eben erstens die großen Konzerne aufgrund von Gesetzen, Regularien und Mindset nicht in der Lage sind und sein werden, das auf KI einfach umzustellen. Und zweitens, weil diese ganzen Software-as-a-Service-Angebote, die Betriebssysteme, et cetera: die kriege ich nicht weg, da müsste ich riesige Systemumstellungen machen. Fragen Sie mal einen CTO oder CIO von so einer großen Company, ob er das mitmachen würde. Die werden alle nein sagen, aus den logischen Gründen, weil wir wissen ja nicht, ob dann morgen das Unternehmen noch funktioniert.
Deshalb ist unser Angebot ein anderes. Wir sagen: Wir haben einen lokalen KI-Laptop mit einem lokalen LLM, und das guckt sich an, was ich den lieben langen Tag mache. Dadurch, dass dieses LLM lokal ist und meine Tätigkeiten auch lokal speichert, kann ich dem Programm einfach durch Zeigen und Sprechen beibringen, wie einem neuen Mitarbeiter: Ich mache immer das, ich lege erstmal den neuen Kunden an, dann gehe ich hier ins SAP und mache das Angebot, dann gehe ich in die PowerPoint und tausche das Kundenlogo aus, und dann gebe ich noch den Rabatt ein und so weiter. Dann gucke ich mir die E-Mail an. So, jetzt mach du das. Und das funktioniert. Das können Sie sich da draußen anschauen, und das ist der Unterschied. Das heißt, wir legen technisch gesagt eine Shell über das bestehende Betriebssystem, was in unserem Fall Microsoft Windows ist, und arbeiten nicht von oben mit den ganzen tausenden von Systemen, die es gibt und die eine Firma wie Schwarz und wie sie alle heißen im Einsatz haben, sondern wir kommen von unten vom Nutzer und gucken uns an, was der Nutzer macht.
Diese Idee ist so grundlegend gut, dass sie auch den Big Tech jetzt in den letzten 2 Wochen in den USA sehr gut gefallen hat, aber nicht nur gefallen hat, weil die wollen ja Cloud Services verkaufen. Und da kommen wir und sagen, das geht jetzt plötzlich auch anders. Ich glaube, das ist die Revolution. Wir haben eine einmalige Chance in Europa, gerade mit KI unsere Souveränität auf diese Art und Weise zurückzuholen.
Wenn ich das Ganze jetzt weiter denke, der nächste Schritt ist das, was unser R&D-Department gerade macht: über die Vernetzung dieser ganzen Rechner nachzudenken. Weil Cloud braucht wahnsinnig viel Energie, das Training hauptsächlich der Daten, aber auch der Betrieb. Heute sind ungefähr 80 bis 90 Prozent der Cloudserverkosten, diese Hunderten von Milliarden, die in den USA investiert werden, die gehen in das Training, zunehmend aber auch in den Betrieb dieser ganzen Services. Schätzungen gehen dahin, dass in 2 bis 3 Jahren bereits 30 bis 40 Prozent dieser Billioneninvestitionen, Capex, neue große Cloud-Farms, dort betrieben werden. Das können wir aber auch lokal machen. Das heißt, wir sparen Energie, wir haben den Betrieb dieser Themen lokal.
Und dadurch, dass das Wichtigste, was ich brauche für die Weiterentwicklung der KI, nämlich neuen Input, neue Daten, von unseren Nutzern kommt, aber mit dem Versprechen, dass das bei dir lokal bleibt und mit Post-Quantum-Verschlüsselung, können wir diese Rechner sicher miteinander verbinden, sodass die sich dann untereinander austauschen können auf eine sichere Art und Weise zu sehr geringen Energiekosten. Interessanterweise gibt es einige hochinteressante Startups hier im Süden von Deutschland, die das bereits sehr sicher auf Glasfaser machen. Und mit denen arbeiten wir jetzt zusammen, um zu schauen, ob wir selbst das Training eines weiteren LLMs auf Basis der Nutzerdaten in bestimmten Berufsgruppen, Anwälte, Ärzte et cetera, mit kleinen LLMs so verfeinern können, dass wir das Training in der Cloud nicht mehr brauchen. Das ist unser Gesamtansatz.
Noch mal zusammengefasst: Wir setzen erstmal auf User Experience. Steve Jobs hat gesagt: „First the user experience matters and you develop the technology backwards.“ Da draußen können Sie sich alle anschauen, diese User Experience ist phänomenal. Einfach draufzeigen, sprechen, etwas machen, dann zurück überlegen, was kann ich machen. Weil ich verkaufe kein lokales Cloud-System, das werden wir nie schaffen. Keiner von ihnen wird sagen: Juhu, jetzt habe ich mein Ding selber bei mir, Datenschutz und so was, das ist alles schön auf solchen Podiumsdiskussionen, aber es entscheidet am Ende nicht über einen Kauf oder nicht. Deshalb zusammengefasst: Wir wollen etwas Geileres entwickeln als alle anderen und das so lange wie möglich auch aus Deutschland heraus machen.
Stirbt die SaaS-Welt? Die Rolle von SAP
Reza Mehman:
Du hast etwas sehr Interessantes gesagt zu Softwareanbietern. Wir haben natürlich einen ganz, ganz großen hier in der Gegend, die SAP aus Walldorf, die ja aktienkursmäßig leicht abgesackt ist in den letzten Monaten. Genau darauf anzuspielen, Pip: Ein Unternehmen wie SAP, und später haben wir den Thomas Saueressig hier, das werde ich ihn auch fragen, hat die tatsächlich so große Probleme, dass der Aktienkurs berechtigterweise so stark abgefallen ist?
Pip Klöckner:
Ja, also das letzte Quartal war jetzt schon wieder deutlich besser, Cloudumsatz 27 Prozent gestiegen, ich glaube, das ist so 5 bis 6 Prozent hoch. Hat sich also leicht verbessert. Ich bin sehr bei Albrecht, dass wir die Beharrungskräfte der Organisation immer unterschätzen. Die Technologie KI wird das alles in ein, zwei Jahren können, also große Arten von Softwarekategorien ersetzen, wird die können. In ein, zwei Jahren, genau, Module von SAP beispielsweise. Aber der SAP-Migration ist ein 3- bis 5-Jahres-Projekt in einem DAX-Unternehmen, da wechseln CTOs in der Zwischenzeit oder verlieren den Job, wenn es nicht läuft. Das heißt, A: möchte das niemand anfassen aus Angst um seinen eigenen Job. B: ist es ein Riesenprojekt.
Ich glaube, diese sogenannten Systems of Record, also wo die Daten der Unternehmung gespeichert sind, das ist SAP, Salesforce, Oracle, typischerweise vielleicht IBM, bei Kleinunternehmen Google oder Microsoft, die haben eine sehr gute Basis, weil KI mehr auf ihnen arbeiten wird. Oder diese Unternehmen selber werden KI-Agenten in ihre Produkte integrieren, was die Erwartung des Marktes ist, weil die meisten Leute sagen, sie möchten KI nicht von neuen Startups kaufen, sondern von ihren Vendoren, mit denen sie schon zusammenarbeiten. Sie möchten, dass Microsoft ihnen den Copilot gibt oder Salesforce ihre Agenten gibt.
Deswegen bin ich vollkommen bei Albrecht, dass diese Sasokalypse, wie das genannt wird, also das Sterben der Softwarebranche, zu früh ausgerufen wird. Was trotzdem stimmt, ist, dass wir eine Art Parallelökonomie haben werden. Mittelgroße, ältere Unternehmen, öffentliche Träger werden sich so entwickeln, wie Albrecht das richtig beschrieben hat. Und trotzdem: Unternehmen, die in den letzten 2 Jahren gegründet werden, die werden niemals mehr beginnen, ein SAP zu nutzen. Selbst wenn die in die Größe reinwachsen, werden sie zumindest bis zum Börsengang SAP nicht anfassen. Man sieht jetzt schon, dass Unternehmen, die eine Milliarde wert werden, viel weniger Mitarbeiter dafür brauchen, die schaffen viele Stellen gar nicht mehr. Man braucht viel weniger Querschnittsfunktionen, HR, wenn ich weniger Leute habe, brauche ich auch weniger HR. Ich brauche weniger Manager, ich habe mehr Contributor, die wirklich arbeiten und Output bringen.
Bei der Digitalisierung war das genauso. Es hat die großen Unternehmen 20 Jahre, sie sind bis heute damit beschäftigt, ihre Datenstruktur, das ist auch spannend, also wer jetzt KI implementiert, der muss erstmal seine Datenstruktur gerade bekommen. Das wird für Snowflake, für Databricks, großartiges Geschäft. Die wurden mit abgestraft, vollkommen widersinnig eigentlich, obwohl die eine Auftragsflut erleben werden, glaube ich. Bei Digitalisierung haben wir es schon mal gesehen: Große Unternehmen 20 bis 30 Jahre, bis sie durchdigitalisiert sind, wenn es so etwas gäbe. Und gleichzeitig sind Startups, die 2005, 2010 entstanden sind, von Anfang an Digital First gedacht und haben Papier nur da eingesetzt, wo es gar nicht mehr zu umgehen war. Diese Analogie wird auch für KI wieder sehr stark zutreffend sein.
Geschäftsmodelle der KI-Anbieter
Reza Mehman:
Zu den Geschäftsmodellen von den KI-Anbietern, also OpenAI und Anthropic ist an allererster Stelle. Du hast mal in einem Podcast beschrieben, wie du dir deine KI-Matrix vorstellst. Es gibt den B2B-Bereich, B2B-Anwender, Professionals und die Consumer, Free for All, was man im Privaten vielleicht nutzt, um irgendwelche Mails zu schreiben. Wo wird da eigentlich momentan Geld verdient?
Pip Klöckner:
Es wird hauptsächlich im B2B-Segment, da, wo man pro Token oder pro Leistung abrechnet. Muss man beschreiben, was ein Token ist. Diese KI-Modelle funktionieren so, dass man etwas reinschreibt, Worte, die werden in Tokens umgewandelt, Tokens sind Zeichenketten von 4 bis 5 Zeichen. Die Worte zerklüftet man in diese Tokenketten, schickt das in das Modell, und dann kommt mit einer gewissen statistischen Wahrscheinlichkeit wieder eine Tokenkette raus, die dann bestenfalls Sinn ergibt und einen Satz, der inzwischen relativ logisch klingt, oft ergibt. Man rechnet quasi pro generiertem Token oft ab.
Da gibt es inzwischen Rohmargen, Bruttoerträge von 50 Prozent, würde ich schätzen. Das Problem ist, um in dieses profitable Geschäftsmodell zu kommen, muss man das führende Modell entwickeln, und das kostet Milliarden. Deswegen sind die Firmen insgesamt stark negativ. Aber das Verkaufen der Tokens selber ist profitabel. Würden die heute alle aufhören zu forschen, würden sie alle Geld drucken. Und dann gibt es noch das Consumer-Geschäft.
Reza Mehman:
Das heißt, die Forschung ist das Teure dran, nicht die Bereitstellung ihrer Services gerade.
Pip Klöckner:
Das ist ein Narrativ, dass die auf jeden Nutzer noch draufzahlen, so wie es in anderen Industrien, wo es um Größe geht, manchmal war. Das würde ich nicht unterschreiben, das sehe ich auch nicht. Was es gibt, ist im Professional Segment, also wir haben Markt-Konsumenten, der kleine Bürger, dann Leute, die professionell damit arbeiten, und Firmen. Professionelle wie Webdesigner, SEO-Leute, wenn du dein Tool baust, das ist eine Mischkalkulation. Es gibt welche, die zahlen 20 Dollar im Monat, nutzen es aber nur einmal und verbrauchen ihre Tokens nicht. Dann gibt es Leute, die es überstrapazieren, die werden inzwischen hochverkauft in die teureren Tiers. Die müssen dann irgendwann doch pro Token bezahlen, weil sie defizitär werden als einzelne Nutzer. Aber im Moment ist es noch eine Mischkalkulation, und im Schnitt macht dieses Segment auch Geld.
Bei den Consumern ist es ein Subventionsgeschäft, und deswegen bin ich mir sehr sicher, dass Google das gewinnen wird, weil Google die einzigen sind, die das so günstig bedienen können, weil sie eigene Chips haben. Google hat vor 12 Jahren begonnen, eigene KI-Chips zu bauen. Vor 12 Jahren, als wir ChatGPT noch nie gehört haben, wusste Google, dass sie im KI-Rennen Natural Language Processing, also Spracherkennung, sehr gut kennen würden, dass Google eine Antwortmaschine werden könnte, aber es war durch KI so teuer, dass sie es niemandem anbieten hätten können im Werbemodell. Deswegen haben sie Chips entwickelt, sogenannte TPUs, die auf KI optimiert sind, und das 10- bis 20-mal günstiger können, weil sie nur diesen einen Use Case gut machen. Deswegen wird Google das am günstigsten anbieten können, und gleichzeitig haben sie dieses Werbemodell mit Werbung, das ausreicht, um das kostendeckend anzubieten. Da wird ein OpenAI mit einem relativ schlechten Werbemarkt noch nicht hinkommen, und auch nicht, wenn sie auch noch fremde Nvidia-Chips nutzen.
Der freie kostenlose Consumer-Markt wird höchstwahrscheinlich an Google, vielleicht Meta, gehen, die ähnliche Vorteile haben, auch eigene Chips inzwischen bauen, auch ein gutes Werbemodell dahinter haben. Professional Markt ist so ein bisschen Geschmackssache, da wird es Leute geben, die sagen, Claude ist für mich das Beste, es gibt Leute, die mögen Grok gerne, es gibt Leute, die finden ChatGPT super. Und der Enterprise-Markt sieht bisher so aus, als würde er schon fast dominiert werden von Anthropic, zumindest landen hinzugewonnene Marktanteile zu drei Vierteln bei Anthropic gerade.
Energieproblem und Capex-Boom
Reza Mehman:
Was ich interessant finde: Bei der KI-Nutzung fühle ich mich fast schon wie ein Söldner. Ich kann von heute auf morgen woanders hingehen und das so nutzen, wie es mir passt. Ich habe ChatGPT, Claude, auch mal Manus von Meta benutzt. Also ich fühle mich da gar nicht verbunden, da dieses Tool auch intensiv zu nutzen. Aber was ich eigentlich fragen wollte: Du hast gerade gesagt, R&D Investment ist quasi der größte Bereich. Ich dachte bis jetzt immer, die Stromversorgung, also Energieversorgung, ist eigentlich das Hauptthema. Kannst du ganz kurz auf die Zahlen eingehen, wie viel davon bei den Kosten Energie ist, wie viel davon R&D, was wird da überhaupt investiert? Und vielleicht eine Frage: Habe ich es richtig verstanden, dass wenn ein neues LLM gebaut wird, das alte quasi von heute auf morgen wertlos ist?
Pip Klöckner:
Ja, man sagt, das ist das Fastest Depreciating Asset. Also das kannst du innerhalb von Monaten abschreiben.
Reza Mehman:
Wenn ChatGPT von 5.0 auf 5.1 geht, ist 5.0 nichts mehr wert.
Pip Klöckner:
Es wird teilweise noch genutzt, manchmal weil es günstiger ist, aber eher selten. Wobei, wenn man das günstigste will, dann würde man ein Open-Source-Modell nehmen, wie Ameria das unter anderem macht. Aber man kann sagen, dem Steuerberater kannst du erklären, es gibt gute Gründe, das innerhalb von einem Jahr abzuschreiben, du hast aber Milliarden investiert.
Um auf die Forschungsausgaben zurückzukommen: Die setzen sich zusammen aus dem Erstellen von Rechenzeit. Dafür brauche ich Datacenter, die werden mit Energie und Wasser betrieben. Hauptsächlich hinter Datacentern steht eine ganze Supply Chain. Da geht es um Switches, Leitungen, Leute, die das bauen können, Baugenehmigungen und Energie. Und die Energie ist in allen Ländern außerhalb von China gerade extrem knapp.
Wir haben vorhin gehört, China baut so viel Erneuerbare aus, dass sie das Netz redundant ausbauen, das heißt, sie haben Überschuss an Energie, und das Netz kann mehr tragen als es heute muss. In den USA gibt es 5 Teilnetze oder so, sie haben keinen einheitlichen Stromnetz, und es ist brüchig oder desolat. Gleiches gilt für Deutschland. Wir haben alle Verbraucher im Süden und Westen. Der Strom ist umsonst oben in meiner Heimat in Mecklenburg-Vorpommern, wo ständig Sonne scheint und die Windräder drehen. Und unser Netz ist auch überlastet. In Frankfurt kann man gerade keine Datacenter mehr bauen, weil da der große Internetknoten ist, da möchte jeder ein Datacenter haben, aber man kriegt keinen Netzanschluss. Man kann ein Datacenter, was 200 Megawatt verbraucht, nicht einfach so an der Steckdose anschließen, sondern man braucht Zugang zum Netz und eine Zusage für die Energie, und das funktioniert nicht.
Was die USA jetzt machen: Sie bauen sogenannte Off-the-Grid-Insellösungen. Das klingt schön, aber es heißt eigentlich nur, dass ich 30 Gasturbinen dahin stecke, die Erdgas verbrennen. Das sind quasi Notstromaggregate, wie sie früher in Krankenhäusern im Keller standen. Siemens Energy und GE Vernova sind bis 2030 ausgebucht, jeder, der Gasturbinen baut. KI wird im Moment mit Erdgas befeuert, kann man sagen.
Ich habe einmal ausgerechnet, um die Dimension klarzumachen: Um die Produktion von Nvidia, dem Hersteller dieser Chips, dieses Jahr zu betreiben, und die machen nur die Hälfte der Chips inzwischen, den Rest macht Google, AMD, Amazon, müsste man 5 bis 7 neue Atomkraftwerke deutscher Bauweise, sozusagen Emsland oder Neckarwestheim, das hat so 1,4 Gigawatt. Man bräuchte 10 Gigawatt, um alle Chips, die in diesem Jahr nur gebaut werden, von Nvidia zu betreiben. Nächstes Jahr will Nvidia bestimmt wieder 40 Prozent wachsen, dann bräuchte man 10 Kernkraftwerke. Man geht davon aus, dass bis 2034 KI mehr Strom verbrauchen wird als Indien. Indien hat ein Fünftel der Weltbevölkerung. 2034 wird KI so viel wie ein Fünftel der Weltbevölkerung an Energie verbrauchen.
Reza Mehman:
Kapital ist nicht das Problem, sondern Energie ist das Problem.
Pip Klöckner:
Im Moment knackt es überall, Kapital, die letzte Finanzierungsrunde war, da sind auch wieder Tricks und Kniffe dabei, aber nominal waren es 122 Milliarden Dollar. Jetzt muss man verstehen, wie viel Wagniskapital es überhaupt nur gibt auf der Welt. In den USA gibt es 200 Milliarden Wagniskapital im Jahr ungefähr. Wenn man jetzt nur, was Anthropic und OpenAI aufgenommen haben, wegrechnet, dann darf kein anderes Startup mehr finanziert werden in den USA. Das Geld ist jetzt schon alle.
Deswegen nehmen an diesen Finanzierungsrunden eigentlich nur noch Amazon teil, die ihre AWS-Server verkaufen wollen, oder Microsoft, Nvidia. Nvidia kann blind immer investieren, weil das Geld eh wieder zurückfließt in ihre Chips als Umsatz. Der Umsatz wird 30 Mal bewertet, an der Börse ist es ein No-Brainer, einem Startup Geld zu geben, damit es Nvidia-Chips kauft. Ist also Geld drucken eigentlich, so ein Money Glitch würde man es nennen.
Die Golfstaaten waren immer Investoren auf Last Resort, die sind aber inzwischen auch raus. Es wird gerade zunehmend schwerer, Öl zu verkaufen, und dann haben andere Großprojekte, die sie machen wollen. Deswegen ist einer der Gründe, warum diese Unternehmen jetzt an die Börse gehen, damit sie euer ETF-Geld bekommen. Wenn ihr einen MSCI World habt oder Nasdaq ETF, dann bekommt ihr mit dem Börsengang 2 bis 3 Prozent auch SpaceX da rein und X.AI und später OpenAI und Anthropic eventuell, weil das Geld einfach alle ist.
Außerdem gibt es den Bottleneck Energie. Baugenehmigungen von diesen geplanten Datacentern, die wir immer hören, werden 40 Prozent gerade mindestens verschoben, wenn nicht gecancelt. Es gibt Bundesstaaten, die versuchen, sie komplett zu verbieten in den USA. Und vor dem Hintergrund erscheint dann irgendwann vielleicht in 10 Jahren auch mal die Vision, doch Datacenter im All zu bauen. Das ist aus heutiger Sicht vollkommener Unfug, wirtschaftlich gesehen und technisch herausfordernd. Aber wenn man davon ausgeht, dass auf der Erde quasi keine Energie mehr zur Verfügung steht und niemand mehr Datacenter vor seiner Haustür haben will, dann könnte es irgendwann mal opportun erscheinen, die tatsächlich im All zu bauen.
Reza Mehman:
Aber Albrecht, dann ist doch lokale KI, so wie ihr es macht, vielleicht eine Antwort auf das Energieproblem, oder?
Albrecht Metter:
Absolut, ich glaube aus unserer Sicht der Dinge die einzige vernünftige Antwort. Es gibt immer so ein paar Triebfedern, die Beharrungsvermögen bei den Big Techs sind auch sehr groß. Vielleicht mal so ein bisschen: Ich denke immer, wenn man bei Google ist und etwas vorstellt, und wir haben das jetzt gerade vor 2 Wochen dort gezeigt, und die haben kein NDA, ich kann offen darüber sprechen, das war bei der Hardware-Abteilung. Wir haben gezeigt, was wir da so machen, und dann haben die Manager, die dort standen, gesagt: Ah, jetzt verstehen wir, warum unser Management uns die ganze Zeit erzählt, das wird mal Jobs einsparen, weil es ja so viel einfacher ist. Auch bei Google ist also das, was die in einer Abteilung machen und mit ihren Entwicklungsressourcen aufwenden, noch nicht mal bei Google bei allen Mitarbeitern angekommen.
Ich glaube, man muss sich klarmachen: Wir sind gerade am Beginn einer unfassbaren Revolution, wahrscheinlich einer der größten Revolutionen in der Menschheitsgeschichte. Natürlich, der Buchdruck und wie dann innerhalb von Jahrzehnten überall plötzlich Gutenberg. Meine letzte Firma war in der Gutenbergstraße in Heidelberg Neuenheim. Für mich ist Gutenberg immer ein wahnsinnig gutes Beispiel, weil innerhalb von Jahrzehnten die komplette Kommunikationslandschaft in Europa und dann im Rest der Welt verändert wurde. Aber das hat Jahrzehnte gebraucht. Bis dann irgendwann eine Bücherei in London aufgebaut worden ist, war ein halbes Jahrhundert vergangen. Hier sehen wir das jetzt in Monaten. Und wir kommen da nicht mit. Die Technik kommt nicht mit, die Menschen kommen nicht mit, die Entscheidungsträger kommen nicht mit.
Wir bauen Waffen mit KI. Eine ganz krasse Entwicklung, die da gerade passiert, auch bei OpenAI offensichtlicherweise. Eine der Exit-Strategien jetzt für OpenAI ist das ganze Thema autonome Waffenentwicklung. Wir haben noch überhaupt keine Ahnung, wo das alles hinführen wird. Ich wage keine Prognosen mehr, ob jetzt unsere lokale KI die Antwort ist oder noch eine dritte oder vierte Thematik. Bei der Geschwindigkeit, die wir gerade sehen: Yann LeCun entwickelt das Weltmodell in Paris. Das sind die nächsten großen Dinge, die auf uns zukommen. Experten sagen, das kann 3 bis 4 Jahre dauern. Was ist das, wenn da in einem Jahr ein Durchbruch ist und ich diesen Raum eben nicht mehr mit Text beschreibe, sondern mit Gravitation, der Schwere dieses Steins, und mit Sachen beschreibe, die wir Menschen gar nicht mehr selber denken können? Ich kann nicht in Gravitation denken, ich kann das Wort Gravitation denken, aber Anziehungskraft 9,8, da hört es bei mir auf mit meinen Physikkenntnissen. Das ist der nächste Schritt.
Militärische KI und der Wettlauf der Großmächte
Reza Mehman:
Ja, also du hast auch gerade Waffen und KI angesprochen. Pip, ich hätte da eine Frage: Ich habe vor Kurzem in den Nachrichten oder in einem Podcast gehört, die USA entwickeln ihre Waffen-KI-Kraft so schnell gerade voran, dass wahrscheinlich nie wieder eine Nation auch nur annähernd in die Nähe kommen wird von der Mächtigkeit, die das US-Militär dann haben wird. Ich habe es ganz grob beschrieben, wir haben vorher nicht drüber gesprochen, aber wenn du das so hörst, dass KI auch zu Kriegszwecken eingesetzt wird, siehst du da auch die Gefahr, dass so ein Player wie die USA völlig uneinholbar für den Globus wird?
Pip Klöckner:
Ja, also ich bin jetzt nicht bekannt dafür, von exponentiellen Kurven zu sprechen, und ich habe so diese 10X-DNA nicht, aber in dem Fall sprichst du Tens an, vermutlich. Das ist so der einzige Fall, wo, was ich vorhin beschrieben habe: wenn man mit KI Software baut, dass irgendwann die KI noch bessere KI baut, dass da wird es wahrscheinlich so einen Beschleunigungsmoment geben. Das heißt, dass man so einen Lift auf den Moment hat, wo tatsächlich dann irgendwann die KI sich, will ich sagen, verselbständigt, uns umbringt. Da gibt es ganz andere Gefahren vorher zum Beispiel, was du ansprichst. Aber dann, wenn man diesen Punkt zuerst erreicht, dann könnte es sein, dass man alle anderen abhängt.
Dass die USA das versucht, würde ich unterschreiben. Ich würde nicht sagen, dass vollkommen klar ist, dass sie das gewinnen, weil China unheimlich nah dran ist. Einfach weil man diese Modelle, sozusagen wovon Amerika profitiert, gerade jetzt diese Open-Source-Modelle aus diesen kommerziellen Modellen sehr schnell destillieren können. Man kann das Wissen extrahieren und kommt damit bei wahrscheinlich weniger als 10 Prozent der Kosten auf 98 Prozent der Leistung. Und Open-Source-Modelle kommen immer näher ran. Nachteil ist: 99 Prozent davon kommen aus China, zumindest von den erfolgreichsten. Wobei, wenn man es lokal installiert, ist es lokal. Man muss bestenfalls noch verstehen, wie es trainiert wurde, und dann ist es sicher und vor allen Dingen günstig, das zu verwenden, und ist für uns in Deutschland sowieso unsere einzige Chance.
Wir müssen auf Open Source setzen. Das ist so ein bisschen die Hoffnung, dass es wie ganz viele Softwareprodukte: Datenbanken, Server-Software, Mobilfunkmasten, da läuft überall Open Source, Handys, Android ist Open Source, Chromium-Browser ist Open Source. Es könnte sein, dass diese LLMs einfach eine Commoditized Technology werden, ein Grundbestandteil des Software-Stacks, wo gar nicht mehr so viel Geld verdient wird. Das ist die Chance.
Leider muss man sagen: Wir können nur hoffen, auch wenn die USA gerade nicht der verlässlichste Partner ist, dass wir wahrscheinlich eher wollen, dass die USA das bekommt, als dass China es bekommt. Aber wer auch immer diese mächtige Technologie dann in den Händen hielte: Es wird am Ende noch viel um Rohstoffe gehen. Wenn man überlegt, wenn man KI hat und Robotik, 10 bis 20 Jahre vorausgedacht, dann geht es eigentlich nur noch um zwei Dinge: Wer hat die meiste Energie, um KI zu betreiben, und wer hat die meisten Rohstoffe, um Roboter sich selber bauen zu lassen? Die zwei rohstoffreichsten Länder der Welt sind Russland und China. Sind keine guten Aussichten. Das ist ein Riesenproblem langfristig. Wir müssen hoffen, dass die westliche Welt, die relativ rohstoffarme westliche Welt, dann signifikanten Vorsprung erreicht, sonst müssen wir damit rechnen, dass China und Russland deutlich mächtiger werden, als sie heute schon sind.
Warum Deutschland strukturell scheitert
Reza Mehman:
OK, ich habe jetzt bis jetzt Deutschland noch nicht in der Spitze gehört. Du hattest mal im Podcast gesagt, dass du Berufsoptimist bist, aber bei dem Thema KI unbedingt nicht optimistisch blickst. Was mich wundert: Ich habe eine Zahl gelesen, war um die 10 Prozent aller Top-KI-Entwickler in USA sind sogar Deutsche, anscheinend. Das ist verrückt, 10 Prozent. Aber gefühlt hier aus Deutschland heraus schauen wir da einfach nur zu, was da gerade passiert. Erklär mir das bitte, warum machen wir das nicht hier?
Pip Klöckner:
50 Prozent sind übrigens Chinesen. Wenn man bei X.AI oder OpenAI in die Produktmanager- oder Researcher-Kaste reinschaut, dann sind ganz viele Chinesen. Das Gute ist, wir haben das Humankapital, wir haben hervorragende Bildungsstätten, Karlsruhe, Aachen, Berlin, München natürlich, die entwickeln hervorragende Machine Learning Engineers, und wir schaffen es nicht, die hier zu halten.
Was wir brauchen, ist genau das, was hier passiert ist, dass wir wie die Wilden in Deutschland forschen. Wir haben relativ hohe staatliche Forschungsausgaben, aber wir schaffen es nicht, die Technologie zu kommerzialisieren. Hier ist ein gutes Beispiel mit Flexo. Da hat man eine bestehende, aus Forschung entstandene Technologie, die der Staat eh schon finanziert hat, genommen und etwas draus gemacht. Da nimmt man ein bisschen Geld auf, hat eine Kapitalinjektion und dann versucht man das mal zu kommerzialisieren. Das gelingt uns aber viel zu selten, leider.
In der Vergangenheit lag es natürlich daran, dass es uns so gut geht. Wenn ich bei Porsche 85.000 Einstiegsgehalt bekomme: warum? In den USA ist die Hälfte der Menschen nicht Food Secure, natürlich versuchen die zu gründen, wenn jemand ihnen 500.000 Dollar gibt, dann versuchen die erstmal zu gründen. Bei uns hier gibt es auch Armut, aber die allermeisten Leute, die einen Uniabschluss haben, deren Wahl ist, ob sie zu SAP oder zu Porsche gehen oder zum Staat. Genau, das ist ein weiteres Problem vielleicht. Es ist eine große Errungenschaft, dass die vorherigen Generationen Wohlstand erarbeitet haben, aber wir können uns darauf nicht ausruhen. Wir müssen ihn weiter mehren, auch um die Menschen, die das erarbeitet haben, mit der Sozialversicherung, Rentenversicherung finanzieren zu können. Wir werden eine neue Gründergeneration brauchen, hoffentlich.
Digitale Souveränität und Verteidigung
Reza Mehman:
Digitale Souveränität, das ist ein Thema von dir, Albrecht. Vielleicht kannst du ganz kurz dazu was sagen: Was ist digitale Souveränität genau, vielleicht für Zuhörer, die es nicht so genau wissen? Was mich interessieren würde: Du bist ein Unternehmen, das natürlich auch stark am Wachsen ist. Würdest du an Amerikaner verkaufen, irgendwann? Vielleicht komme ich dir da ein bisschen zu nahe, aber auf der einen Seite weiß ich, dass du digitale Souveränität sehr hoch schätzt, dass wir in Europa ein bisschen unabhängiger sind. Auf der anderen Seite hast du natürlich auch Gespräche mit Global Playern. Würdest du an Amerikaner oder Chinesen oder irgendjemand anderen verkaufen, wenn es mal so weit sein sollte?
Albrecht Metter:
Also fangen wir von der ersten Frage an, weil dann kann ich das ganz gut ableiten. Digitale Souveränität und Souveränität im eigentlichen Sinne des Wortes bedeutet ja, dass wir für unser Schicksal selber verantwortlich sind. Leider ist mit der Digitalisierung und dem Fortschritt der Technik uns diese Fähigkeit dummerweise abhanden gekommen. Alles, was wir hier den lieben langen Tag machen, davon sind wir in höchstem Maße insbesondere von amerikanischer Softwaretechnik jeden Tag abhängig. Und von chinesischer Hardware. Ich würde fast behaupten, vom Aufstehen bis zum Ins-Bett-Gehen ist jeder Privatkonsument, der Staat, jedes Unternehmen und die Bundeswehr, jeder ist davon abhängig. Wir haben kaum noch autonome Lösungen, ganz wenige. Da liegen wir bei 99,noch-was Prozent.
Jetzt vielleicht denken wir mal einen Schritt weiter. Wir dürfen nicht nur über digitale Souveränität, sondern auch über die echte staatliche Souveränität reden. Können wir uns verteidigen? Was passiert, wenn wir hier mehr Anschläge bekommen, als wir sie eh gerade schon haben? Was passiert, wenn unser Stromnetz in die Knie geht? Was passiert, wenn die kritische Infrastruktur, wenn da mehr Bomben explodieren? Was passiert, wenn Shahed-Drohnen über Deutschland auftauchen und so weiter? Haben wir die Fähigkeiten, das heute selbständig anzugehen, dieses Problem? Die Antwort ist leider nein, wir können das nicht. Dieses Eingeständnis, ich bin auch sehr viel in der Sicherheitsbranche mit diesen Themen unterwegs, dieses Eingeständnis ist ein bitteres.
Ich glaube, leider, dass es hier einen gewaltigen Tritt in unseren Hintern braucht, sorry, wenn ich das so sage, damit wir hier in Deutschland wieder in die Gänge kommen und uns um all diese Dinge kümmern.
Reza Mehman:
Was meinst du genau?
Albrecht Metter:
Ich glaube, das ist eine Eskalation, das ist meine ehrliche Meinung, ich glaube, es ist leider eine Eskalation zwischen der EU, der NATO und Russland geben wird, und ich glaube, dass das auch lange absehbar war, und ich glaube, dass wir erst, wenn es hier knallt, auf welche Art und Weise auch immer, über Cyberangriffe, über Anschläge auf unsere Infrastruktur und andere, dass wir das eigentlich erst wieder erkennen können.
Die Gefahrenlage ist so groß. Mich wundert, dass hier nicht Millionen Menschen auf der Straße sind und Aufrüstung fordern. Jeder einzelne von uns ist davon betroffen. Eigentlich müsste das so sein, und die Gefahrenlage ist so klar. Wer es wissen will, sollte sich einfach mal russische Abendnachrichten auf Deutsch anhören mit einem KI-Übersetzer. Dann spätestens nach einer Stunde weiß man, was los ist, und es erinnert mich sehr an die Situation 1938, 1939 in Europa, insbesondere was die Engländer und Winston Churchill und viele andere ertragen mussten, wo die Masse der Bevölkerung sich nicht vorstellen konnte, was gerade auf uns zukommt.
Vielleicht auch im Sinne der KI-Entwicklung, der Waffenentwicklung: Kein Land auf der Welt ist so weit wie in diesem Augenblick die Ukraine und auch Russland. Dort sind Bastler am Werk, die mit weitem Abstand beste Waffentechnik gerade entwickeln, weit den Amerikanern voraus. Das sagen die Amerikaner uns auch gerade selbst. Das darf man nicht unterschätzen, was da gerade läuft. Es sind Zehntausende von Chinesen in Moskau, die den Russen dabei auch helfen, diese Waffen zu entwickeln. Da ist eine ganze Zuliefererindustrie entstanden, während das früher Do-it-yourself-Sachen waren. Das ist heute eine richtige Pipeline. Die Chinesen testen auch ihre innovativen Waffen genauso wie die westliche Welt in der Ukraine. Da ist ein riesen Testzentrum entstanden, so bitter das auch ist, jetzt mal alle moralischen Punkte zur Seite gesehen.
Das ist die Situation, die wir gerade haben, das ist vor unserer Haustür. Die Ostgrenze von Deutschland ist 430 Kilometer vom russischen Staatsgebiet Kaliningrad entfernt, und was dort gerade passiert, kann jeder sich in den Nachrichten anschauen. Deshalb glaube ich, ja, wir müssen über Souveränität nachdenken, und die digitale Souveränität ist ein ganz wesentlicher Bestandteil davon. Das muss aufhören, irgendwelche Sonntagsreden zu werden, sondern da muss einfach jegliche Bürokratie weg. Wir müssen eigentlich jetzt so handeln, aus meiner Sicht der Dinge, als ob wir bereits den Krisen- und Verteidigungsfall hätten. Das ist meine Meinung.
Aber das wird man mit der Zusammensetzung des Bundestages, mit der allgemeinen Haltung der deutschen Bevölkerung, die sich auf den nächsten Urlaub freut: „Wann ist mein Flug nach Malle?“ Das ist das, worüber wir hier nachdenken. Natürlich können wir jetzt nicht alle in Panik verfallen, aber wir müssen die Realität anerkennen. Die Realität ist bitter, und ein Blick auf die Landkarte um Europa herum, wie die Kriege näher an uns rangerückt sind: Wir glauben, das verschont uns.
Und der digitale Anteil: Die USA haben sich angefangen, in diesen digitalen Anteil bereits einzuschalten. Das sind bis jetzt Einzelfälle, das sind Richter am Den Haager Gerichtshof. Das werden keine Einzelfälle bleiben. Wir wissen auch, dass hinter verschlossenen Türen das bereits auch Politikern der EU angedroht worden ist, und das wird mehr kommen. Trump wird nicht weggehen, die Haltung, die dort vorherrscht, dass man offensichtlicherweise die Welt anders bestimmen möchte, die wird ein JD Vance oder wer auch immer dann und dann nachher an die Macht kommt, weiter hart vertreten. Wir brauchen einen Plan.
Vielleicht ist das genau der entscheidende Punkt: Wir brauchen eigentlich keinen Plan, sondern wir sollten einfach die Unternehmen und Unternehmer wie mich machen lassen und einfach viel Geld möglichst schnell zur Verfügung stellen im harten Wettbewerbssystem. Genau diese Gründergeneration brauchen wir jetzt. Wir brauchen junge Gründer, denen es so schnell wie möglich ermöglicht werden muss, über Vereinfachung des Kapitalmarktes, Abzugsfähigkeit von möglichen Verlusten, die ich in Startups reinsetze. Da muss der Masterplan her, nicht mit dem tausendsten IHK-Paket und Förder- und Leistungslandschaftspaket. Ich habe vor Kurzem mit Nicole Huber, die das Thema bei uns verantwortet, den IHK-Verantwortlichen gesprochen, die ganz klar gesagt haben: Wir haben viel zu viele Förderpakete, wir haben selber den Überblick über diese Förderpakete verloren. Wir brauchen einen Markt, der das anpackt, und Unternehmer, die bereit sind, da reinzuinvestieren, und Unternehmer, die das Thema angehen.
Arbeitsmarkt und die Zukunft der Berufe
Reza Mehman:
Trotzdem, ich bin bei dir, wir brauchen den Push in diese Richtung. Ich mache mir aber viel Gedanken um die Zukunft meiner Kids, wenn ich ehrlich bin. Wir haben so ein bisschen Markt, Arbeitsmarkt, vielleicht in diese Richtung jetzt den Schwenker zu machen. Pip, du hast mal von der Bullshit-Ökonomie gesprochen, also Jobs, die man sofort mit KI wegrationalisieren kann, irgendwelche PowerPoint-Slides erstellen, Excel-Tabellen kopieren und so weiter. Kannst du ganz kurz drauf eingehen, wie groß diese Ökonomie eigentlich ist und wie viel davon in den nächsten Jahren durch KI ersetzt werden kann? Und was würdest du meinen Kindern empfehlen, was sie in Zukunft lernen sollen, zugegebenermaßen sehr klein noch? Aber ich kann ihnen nicht ruhigen Gewissens sagen: Hey, mach was mit Software, weil mein Eindruck ist, da werden in Zukunft viel mehr Leute Code schreiben, das habe ich von dir gehört, aber es werden keine Softwareentwickler sein, sondern vielleicht Produktmanager, die einfach mal schnell noch ein paar Zeilen dazu brauchen. Was würdest du Kids empfehlen, was sie in Zukunft lernen sollen?
Pip Klöckner:
Also prinzipiell das, wofür sie begeistert sind. Ich glaube, das ist immer noch wichtig, dass man nicht nur etwas macht, was erfolgreich scheint, sondern was einem auch liegt. Es ist nicht jedem gegönnt, aber wenn man die Wahl hat, dann sollte man. Weil die oberen ein, zwei, zehn Prozent werden in jeder Profession bleiben. Die werden der Human in the Loop sein, die das kontrollieren. Wir brauchen Experten, die die Arbeitsergebnisse von KI beurteilen. Selbst die Bereiche, wo es immer weniger Leute geben wird, werden die besten Menschen oder die fähigsten Menschen immer noch brauchen.
Die Jobs werden nicht von heute auf morgen verschwinden. KI wird die Fähigkeit dazu, je nach Job, in den nächsten 2 bis 5 Jahren erreichen. Wenn der Output digital ist, das ist die Prämisse, wenn der Output Folien, Dokumente, Fragebogen, Excel-Tabellen sind, das ist, was ich mit der Bullshit Economy meine, also was zur echten handfesten Wertschöpfung nicht beitritt. Wenn man sich die letzten 300 Jahre mal das reale GDP, also inflationsbereinigt anschaut, dann korreliert das sehr stark mit dem Ressourcenverbrauch. Leute haben wirklich etwas gebaut. Und das baut dann auch Wert auf: die Finanzindustrie, die Consultingindustrie, die eigentlich nur Dinge optimiert. Das wird größtenteils, glaube ich, KI übernehmen.
Deswegen ist es auch ein Riesenproblem für die USA. Die USA haben einen Service-Sektor, der 70 bis 80 Prozent der Ökonomie ist. Deswegen wollen die auch reindustrialisieren. Einerseits, um autark zu werden, was richtig ist, andererseits, weil wer von Services lebt, der wird von KI wegrationalisiert über die Zeit mehr und mehr.
Ich würde mir einen Job suchen, wo der Output nicht digital ist. Weil das können Maschinen heute, spätestens übermorgen besser. Das ist nur eine Frage der Zeit, über den Zeitpunkt können wir immer diskutieren. Dass das so kommen wird, ist ein Fakt, es ist nur eine Frage des Zeitpunkts.
Ich finde Medizin spannend. Die Bevölkerung überaltert, wir können uns immer bessere Medizin leisten, es sei denn wir müssen wegen der Demografie Abstriche machen. Prinzipiell werden wir mehr Patientinnen und Patienten haben in Zukunft. Life Science, Biologie, da kommt es auf Humankapital an, da geht es nicht nur um Technologie, da geht es um Forschung, um die besten Leute, das ist spannend. Heute hat mich jemand gefragt, der schon weiß, dass er an der TUM in München studieren wird, alles, was Weltraum-Engineering angeht, Spacecraft Engineering, könnte ich mir vorstellen, ist spannend. Energielösungen bleiben superspannend.
Reza Mehman:
Du hast gesagt, alles, was digital produziert wird, ist in Zukunft wahrscheinlich nicht relevant.
Pip Klöckner:
Ganz frech, weniger relevant.
Reza Mehman:
Ganz freche Frage: Wie sieht es dann mit deiner Rolle aus in der Zukunft? Weil du bist ein sehr reichweitenstarker Podcaster, ich weiß, super freche Frage, sorry, du bist sehr reichweitenstark, du machst sehr viel digitalen Content. Heißt das, dass dein Beruf vielleicht…
Pip Klöckner:
Die Wahrheit ist, man könnte jetzt schon das, was ich typischerweise mache, einen Newsletter, einen Vortrag, einen Podcast, das könnte man auch heute, man könnte einen Avatar von mir hinsetzen. Der würde sehr ähnliche Antworten geben, wenn ich denen sage, also sei ein bisschen provokant. Das kriegt man hin. Am Ende wird sich das zumindest derzeit immer noch ein bisschen seelenlos anfühlen. Ich glaube, Authentizität, also Menschen sind Social Animals. Ich glaube, die wollen gewisse Sachen auch von einem Menschen erfahren. Das heißt, das wird wichtiger. Aber den eigentlichen Content, wenn man so möchte, sehen könnte man digital. Es gibt schon digitale Influencer auf Reddit oder Substack, in gewissen Bereichen sind 20 Prozent des Contents schon KI-generiert, und Leute merken es auch nicht mehr.
Es gibt vollautomatisierte: Mathes Schrader, ein großer Werber aus Hamburg, hat gerade einen vollautomatisierten Newsletter geschrieben, wo ich sagen würde, der hat schon eine gute Qualität. Der persönliche Touch fehlt halt, und Leute wollen den persönlichen Touch. Deswegen glaube ich, dass es immer Leute geben wird, die eine eigene Audience haben werden oder wo Leute wegen der Persönlichkeit folgen. Aber auch da: Die unteren 50 mittelfristig 80 bis 90 Prozent werden wahrscheinlich von KI ersetzt. TV-Anchor, sowas wie Welt-TV, da wird kein Mensch mehr hinstellen.
Reza Mehman:
Ist das so?
Pip Klöckner:
Du bist auch jetzt nicht die Speerspitze Journalismus, wenn wir ehrlich sind, aber das wird in Zukunft, also das würde Springer selber sagen. Matthias, der würde applaudieren, wenn ich das sage. So ein News-Anchor, der 24 Stunden TV-Programm, das an Flughäfen und Tankstellen läuft, das wird KI machen, natürlich. Aber du brauchst gleichzeitig noch eine Zeit lang den Ronzheimer, der im Schützengraben die Soldaten interviewt, also dieses Ground Truth erheben. Die KI kennt die Wahrheit nicht, irgendjemand muss dem Modell schon noch sagen, was los ist auf der Welt. Und die Drohne, der Soldat lässt sich von der Drohne nicht interviewen, die man dahin schickt, auch wenn die weniger Spesenrechnung hat.
In jeder Berufsgruppe wird es so Orakel geben oder Experten, die die Wahrheit definieren und das Expertentum definieren, die Wissenschaftler sind im weitesten Sinne. Deswegen würde ich jetzt nicht Callcenter-Agent werden, und ich würde nicht Softwareentwicklerin werden, die Code schreibt. Aber die Fähigkeit, Probleme zu erkennen, neugierig zu sein, überhaupt noch Probleme: Wir werden eine Abundance, einen Überfluss an Lösungen haben, und wir werden nicht mehr genug Probleme haben, das mit Sicht auf 10 Jahre, würde ich sagen.
Wir brauchen Leute, die neue Probleme erkennen und die zumindest eine Lösung beschreiben oder insinuieren können. Das sind die Fähigkeiten, neugierig bleiben. Das Wichtigste ist, glaube ich, Bilder zu sein und nicht Konsument. Man kann sich in Zukunft von KI-Content 24/7 berieseln lassen, der wird einen massiv abhängig machen. Es gibt keinen Grund mehr, das Handy wegzulegen in Zukunft, wenn man seiner Biologie freien Lauf lässt. Und der einzige Weg, da rauszugehen, ist selber aktiv teilzunehmen, was nicht zu konsumieren, sondern etwas zu bauen. Sowohl die politische Zukunft Europas als auch die wirtschaftliche und die persönliche, die eigene Schaffenskraft und Selbstwirksamkeit aktiv zu gestalten. Das ist die Skill, die du deinen Kindern vermitteln solltest, meiner Meinung nach, wenn ich mir das anmaßen darf.
Reza Mehman:
Sehr guter Punkt, ich gebe deine Telefonnummer weiter beim Kleinen, der ruft dich dann noch mal an.
Ausblick: Worüber sprechen wir 2027?
Reza Mehman:
Vielleicht die Abschlussfrage und dann hätte ich noch eine Anmerkung zu machen. Wo seht ihr eigentlich, jetzt ganz konkret auf das Dinner im Schloss 2027 mal in Ausschau zu halten, was wird das Thema 2027 bei mir sein, was glaubt ihr? Natürlich im Kontext von KI und Co.
Pip Klöckner:
Also du hast mit dem Thema Hype angefangen. Ich glaube, wir sind in einem Hype, und trotzdem ist das einer, der nicht mehr weggehen wird. Es wird vielleicht noch mal ein Tal der Enttäuschung geben, vielleicht noch mal einen kleinen Crash, aber nächstes Jahr werden wir ein, zwei dieser großen IPOs gesehen haben. Wir werden massiven Börsenboom haben. Diese Wettmärkte, Prediction Markets, sind sowohl gefährlich als auch dass sie wahnsinnig schnell wachsen.
Reza Mehman:
In den USA sind die sehr groß, ja.
Pip Klöckner:
Genau, was 90 Prozent Sportwetten ist, sie haben auf den anderen 10 Prozent teilweise auch positive Effekte, aber das ist wieder ein weiteres Thema, wo Leute nur ihre Zeit und in dem Fall Geld verschwenden. Damit verdient natürlich niemand Geld außer die Bank oder die Plattform oder Leute, die die Wahrheit kennen, und sozusagen das gibt es jetzt auch ausreichend Fälle.
Ich könnte mir vorstellen, dass wir über einen neuen Börsenboom reden, über mehr Implementierung, über mehr Jobverluste, die nicht direkt etwas mit KI zu tun haben, sondern noch mehr Unternehmen werden KI nutzen als Ausrede für eigentlich schlechte Konjunktur, um Leute gehen zu lassen.
Reza Mehman:
Das habe ich nicht verstanden, bitte noch mal.
Pip Klöckner:
Also KI ersetzt heute noch keine Jobs im Sinne von: Wenn Meta 10.000 Leute gehen lässt oder Microsoft, dann ist das nicht, weil KI jetzt den Job macht, sondern weil die zu viele Leute geheiert haben und KI die perfekte Ausrede ist. Wenn du eine Restrukturierungsmaßnahme ankündigst, sinkt dein Aktienkurs im nächsten Jahr überdurchschnittlich um 7 Prozent. Wenn du sagst, es ist ein Technologiegewinn, dann sinkt der nur um 2 Prozent. Das heißt, jeder sagt, es ist KI, und es ist nicht Restrukturierung gerade. Noch mehr Unternehmen auch in Deutschland werden sagen, bestimmt auch in Walldorf, die haben ja schon Abfindungsangebote an ältere Mitarbeiter gemacht, das werden wir noch viel mehr sehen, dass man KI als Vorwand nutzt, um die finanzielle Lage der Firma zu verbessern, indem man Leute gehen lässt.
Reza Mehman:
OK, krass. Albrecht, wie siehst du das, worüber wird 2027 hier gesprochen?
Albrecht Metter:
Also, wir haben uns bis jetzt blind verstanden, aber da bin ich anderer Meinung. Ich glaube tatsächlich, ich hatte die Hunde vorhin gesagt: Wir sind immer abhängig von Dingen, was politisch auf der Welt passiert. Und ich glaube, wir werden einen viel härteren Kampf noch um Ressourcen sehen. Wir werden eine zunehmende militärische Eskalation in Osteuropa sehen. Ich glaube, dass es sich viel mehr um die Frage dreht, wie kann ich KI in Hardware implementieren und vor allen Dingen sowohl zur Gefahrenabwehr als auch leider zum direkten Angriff KI nutzen zu können.
Wir hatten in den USA ein paar Gespräche mit Leuten aus der Security-Ebene, und die sehen das eben auch. Wir hatten gerade auch das Gespräch mit Leuten aus dem OpenAI-Umfeld, die ganz intensiv da gerade dran arbeiten. Ich befürchte einfach, dass wir uns mit viel, in Anführungsstrichen, bodenständigeren Problemen beschäftigen werden, die uns auch, hoffentlich nicht so schnell, wie ich das befürchte, aber die werden uns tagtäglich in Atem halten.
Die Frage ist, was passiert, wenn 50 wesentliche Knotenpunkte in Deutschland attackiert werden? Wie kriegen wir dann Elektrizität, Nachrichten, Internet et cetera überhaupt noch zum Laufen? Und da haben wir in Deutschland solche fundamentalen Probleme, was unsere kritische Infrastruktur angeht, dass wir dann darüber nachdenken werden, wie können wir KI auf der Hardwareseite einsetzen, um uns da besser zu schützen.
Es fängt an mit zum Beispiel Machine-Vision-Chips, dass ich sehr gut mit einfachsten Kameras kritische Infrastruktur überwachen kann, ohne dass ich dafür Human Resources brauche. Es geht weiter in die Drohnenaufklärung, in die Produktion von einfachen Themen. Ich glaube, dass wir leider aus dieser Kuschelbärenwelt, in der wir hier seit vielen Jahren leben, rausgerissen werden. Das ist meine persönliche Meinung, und ich bin absoluter Optimist, das möchte ich noch ganz kurz dazu fügen.
Reza Mehman:
Hört man nicht so raus, ehrlich gesagt. OK, machen wir es so, mit Blick auf die Zeit. Erstmal euch beiden herzlichen Dank. Euer Stand von Ameria ist da hinten, gerne vorbei. Hi Carver, schön dich zu sehen, euer Stand ist da hinten, gerne vorbeischauen, die 3D-Einwirkung ist wirklich sehr toll bei euch. Vielen Dank, Albrecht, auch für den Stand, den ihr aufgebaut habt. Pip, du bist freundlicherweise noch bis circa 20:00 Uhr da, dann zum ersten Gang. Das heißt an alle hier: Nutzt es, haut ihn an, fragt eure Fragen. Für mich ist Pip einer der wichtigsten und größten Tech- und KI-Influencer in Deutschland. Ich habe vor 3 Jahren auf dem OMR Festival, kennt ihr das OMR Festival? Genau, nächste Woche, bist du dort, Christine? Super, dann sehen wir uns gleich dort. Auf dem OMR Festival füllt er regelmäßig die großen Hallen, ich habe gehört, nur die zweitgrößte Halle, weil der Hauptsponsor die größte Halle bekommt. Seit 3 Jahren versuche ich, ihn nach Heidelberg zu bekommen, dieses Jahr hat es geklappt. Vielen Dank, Pip, dass du gekommen bist, für die Einladung.
Pip Klöckner:
100 Prozent. Also du bist noch ein bisschen da, du musst gleich noch für 2 Stunden weg, dann kommst du wieder, kannst einen Podcast aufnehmen, danach bin ich gerne verfügbar.
Reza Mehman:
Genau, und danach bist du noch zum ersten Gang da, in der Schlossweinstube.
Pip Klöckner:
Ich mag das Wort Tech-Analyst lieber als Influencer, ehrlich gesagt.
Reza Mehman:
OK, aber ich nehme es dir nicht übel. Du hast über 70.000 Follower allein auf LinkedIn, glaube ich.
Pip Klöckner:
Also natürlich beeinflusse ich Menschen, aber das Wort Analyse ist mir lieber.
Reza Mehman:
Auch der reichweitenstärkste KI- und Tech-Podcast, glaube ich, Doppelgänger Podcast. Stark. Auf dem OMR Festival bist du dieses Jahr wieder?
Pip Klöckner:
Genau, wieder auf der zweitgrößten Bühne wahrscheinlich. Ich war aber auch schon mal auf der größten.
Reza Mehman:
Super. Ich kann wirklich nur empfehlen, die Chance zu nutzen. Ich weiß, dass wir hier ein sehr aufstrebendes Startup haben, die Accelerate mit Arthur Oswald. Vielleicht haust du ihn direkt an und fragst, was du da noch besser und anders machen kannst. Danke euch für eure Zeit. Vielen Dank.
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Namen und Begriffe
Reza Mehman, Philipp „Pip“ Klöckner, Albrecht Metter, Jonas Andrulis, Aleph Alpha, Ameria AG, Schwarzgruppe, Biontech, Jens Spahn, Pfizer, SAP, Walldorf, Thomas Saueressig, Burda, Robert Bosch, Anthropic, OpenAI, Google, Meta, Grok, X.AI, Claude, ChatGPT, Microsoft, Salesforce, Oracle, IBM, Snowflake, Databricks, Mistral, Nvidia, AMD, Amazon, AWS, Vint Cerf, Steve Jobs, Yann LeCun, Roland Berger, Universitätsklinik Heidelberg, Maverick, TPU, LLM, Open Source, Doppelgänger Tech Talk, OMR Festival, Mathes Schrader, Paul Ronzheimer, Matthias Döpfner, KKR, JD Vance, Donald Trump, Winston Churchill, NATO, EU, Ukraine, Russland, Kaliningrad, Mecklenburg-Vorpommern, Heidelberg, Neuenheim, Karlsruhe, Aachen, Berlin, München, TUM, Porsche, Siemens Energy, GE Vernova, Nicole Huber, IHK, Arthur Oswald, Accelerate, Dinner im Schloss, Schlossweinstube, Königssaal, Data Unplugged Münster
Zitierfähige Passage
„Wenn man Politiker bei Finanzierungsrunden sieht, ist das in der Regel schon eine Aussage“, sagte Pip Klöckner beim Dinner im Schloss 2026 mit Blick auf Aleph Alpha.
Von den vermeintlich 500 Millionen Euro flossen real nur rund 100 Millionen Eigenkapital, der Rest waren Forschungszuwendungen und Umsatzzusagen.
Bis 2034 wird KI laut Klöckner so viel Strom verbrauchen wie ganz Indien.
Albrecht Metter sieht in lokaler KI auf dem Endgerät Europas einzige realistische Chance auf digitale Souveränität.
Beide eint die Diagnose: Deutschland hat exzellente Forschung, aber strukturelle Schwächen bei der Kommerzialisierung.
Beim Dinner im Schloss 2026 traf Reza Mehman zwei der schärfsten Köpfe der deutschen Tech-Szene zum offenen KI-Realitätscheck: Philipp „Pip“ Klöckner, Tech-Analyst und Co-Host des Doppelgänger Tech Talk, sowie Albrecht Metter, Gründer der Heidelberger Ameria AG.
Im Panel geht es um die harte Realität hinter dem KI-Hype: Was wirklich bei Aleph Alpha schiefgelaufen ist, warum Anthropic gerade den Enterprise-Markt dominiert, warum SAP nicht so schnell stirbt, wie es viele behaupten, und warum Google den Consumer-KI-Markt am Ende gewinnen wird.
Außerdem diskutieren wir das unterschätzte Energieproblem: Bis 2034 verbraucht KI weltweit so viel Strom wie Indien. Albrecht Metter zeigt, wie lokale KI auf dem Endgerät zur Souveränitätsfrage Europas wird, und Pip Klöckner ordnet ein, welche Jobs in den nächsten Jahren wegfallen und welche Skills die nächste Generation wirklich braucht.
Kapitelmarken:
- 00:00 Begrüßung und Panel-Auftakt
- 01:00 Aleph Alpha: Was wirklich hinter der 500-Millionen-Runde steckt
- 04:50 KI-Überraschungen der letzten 12 Monate
- 09:00 Anthropic vs. OpenAI: Wer dominiert welchen Markt
- 10:30 Lokale KI und der Ameria-Ansatz
- 18:40 SAP, Salesforce und die Sasokalypse
- 27:00 Das Energieproblem hinter dem KI-Boom
- 34:30 Digitale Souveränität und militärische Eskalation
- 47:30 Was sollen unsere Kinder lernen
- 55:00 Ausblick auf 2027
Links:
Mehr zum Reza Mehman Podcast: https://www.youtube.com/@rezamehman
Mehr zum Dinner im Schloss: https://www.dinnerimschloss.de/
Pip Klöckner auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/kloeckner/
Ameria AG: https://ameria.de/de
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500 Millionen Finanzierung. Am Ende blieben real 100 Millionen Eigenkapital.
Beim Dinner im Schloss 2026 habe ich mit Philipp „Pip“ Klöckner und Albrecht Metter über die harte Realität hinter dem KI-Hype gesprochen. Drei Punkte, die hängengeblieben sind:
1. Aleph Alpha ist nicht an Talent gescheitert, sondern an Sales-Cycles, US-Konkurrenz mit Milliardenfinanzierung und einer deutschen Industrie, die zu langsam abnimmt.
2. Anthropic gewinnt den B2B-Markt, Google wird den Consumer-Sektor dominieren, SAP überlebt länger als die Sasokalypse-Propheten denken.
3. Bis 2034 verbraucht KI weltweit so viel Strom wie Indien. Energie wird zum eigentlichen Bottleneck, nicht Kapital.
Albrecht Metters Antwort darauf: lokale KI auf dem Endgerät. Pip Klöckners Rat an die nächste Generation: Such dir einen Job, dessen Output nicht rein digital ist.
Den vollständigen Talk gibt es jetzt im Reza Mehman Podcast und auf YouTube. Link in den Kommentaren.
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