Folge 175: Straße von Hormus: Warum Trump die NATO um Hilfe bittet

Irankrieg, NATO-Bündnisfall und KI-Kriegsführung: Reza Mehman und Karsten Kammholz analysieren Trumps Strategie.


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Einleitung

Die Straße von Hormus ist zum geopolitischen Brennpunkt im laufenden Irankrieg geworden. US-Präsident Donald Trump, der den Krieg zunächst als alleiniges Projekt mit Israel angekündigt hatte, bittet nun die NATO-Länder um Unterstützung bei der Absicherung dieser lebenswichtigen Handelsroute. Reza Mehman und Karsten Kammholz diskutieren in diesem Podcast, warum Trump plötzlich Hilfe braucht und ob dahinter eine versteckte Strategie steckt. Dabei geht es auch um die Frage, ob der Irankrieg als Vorwand für einen NATO-Austritt der USA dienen könnte. Themen wie Grönland, KI-gestützte Kriegsführung und die militärische Überlegenheit der USA werden ebenfalls beleuchtet. Ein Gespräch über Geopolitik, Strategie und die möglichen Konsequenzen für die Weltordnung.


Zusammenfassung

1-Satz-Version: Trump bittet die NATO um Hilfe bei der Absicherung der Straße von Hormus, obwohl er den Irankrieg als alleiniges Projekt mit Israel gestartet hat, was Fragen nach einer versteckten Strategie aufwirft.

3-Satz-Version: Nach Wochen des Irankriegs wendet sich Trump an die NATO, um die Straße von Hormus abzusichern, obwohl er anfangs keine Hilfe brauchte. Reza Mehman vermutet dahinter eine bewusste Strategie: Wenn die NATO nicht hilft, könnte Trump den Austritt begründen und dann auch Grönland beanspruchen. Karsten Kammholz bleibt skeptisch und sieht eher einen Präsidenten ohne klare Strategie, der seine Kriegsziele nicht erreicht hat.

5-Satz-Version: Der US-Präsident hat den Irankrieg zunächst als alleiniges Projekt mit Israel präsentiert, bittet nun aber die NATO um Unterstützung bei der Straße von Hormus. Reza Mehman sieht darin einen kalkulierten Schachzug: Trump könnte eine NATO-Absage als Vorwand nutzen, um aus dem Bündnis auszutreten und anschließend Grönland zu beanspruchen. Karsten Kammholz bezweifelt diese Theorie und verweist auf Trumps bisher nicht erreichte Kriegsziele und die anhaltende Gegenwehr des Iran. Beide diskutieren die Rolle von KI in der modernen Kriegsführung und die nachrichtendienstliche Überlegenheit der USA und Israels. Das Gespräch zeigt die Unsicherheit über Trumps tatsächliche geopolitische Absichten und die möglichen Folgen für die internationale Ordnung.


Kontext: Wer, Was, Warum

Wer spricht: Reza Mehman, Podcast-Host und gebürtiger Iraner mit persönlichem Bezug zum Irankonflikt, spricht mit Karsten Kammholz, Analyst und regelmäßiger Gesprächspartner im Podcast.

Worum geht es: Trumps Kurswechsel von „Wir machen das alleine“ zur Bitte an die NATO, die Straße von Hormus abzusichern, und die Frage, ob dahinter eine Strategie zum NATO-Austritt steckt.

Warum ist das relevant: Der Irankrieg betrifft globale Energierouten, das NATO-Bündnis und die Frage, wie sich die Weltordnung unter einem zunehmend isolationistischen US-Präsidenten verändert.

3 Kernfragen, die beantwortet werden:

  1. Warum bittet Trump die NATO um Hilfe bei der Straße von Hormus?
  2. Steckt hinter der Anfrage eine Strategie zum NATO-Austritt?
  3. Wie verändert KI-gestützte Kriegsführung das militärische Kräfteverhältnis?

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung – Überblick über das Gespräch und seine Relevanz
  2. Zusammenfassung – Das Wichtigste in drei Versionen
  3. Kontext – Wer spricht, worum geht es, warum jetzt
  4. Themen und Einordnung – Die Hauptthemen im Überblick
  5. Kern-Aussagen – Die zentralen Thesen aus dem Gespräch
  6. Häufig gestellte Fragen – Konkrete Fragen und Antworten
  7. Highlight-Zitate – Die stärksten Aussagen im Wortlaut
  8. Das vollständige Gespräch – Das aufbereitete Transkript
  9. Keywords – Relevante Suchbegriffe
  10. Namen und Begriffe – Verzeichnis wichtiger Begriffe
  11. Zitierfähige Passage – Direkt verwendbarer Textblock

Themen und Einordnung

1. Straße von Hormus und Energiesicherheit
Die Bedeutung der Meerenge für den globalen Öl- und Gashandel und die Frage, warum Trump dort NATO-Unterstützung einfordert.
Keywords: Straße von Hormus, Öltransport, Seeblockade

2. NATO-Bündnis und US-Austrittsszenarien
Die Theorie, dass Trump die NATO-Anfrage als Vorwand für einen späteren Austritt nutzen könnte.
Keywords: NATO-Bündnisfall, NATO-Austritt USA, Artikel 5

3. Irankrieg und militärische Strategie
Die Dauer des Konflikts, die Widerstandsfähigkeit des iranischen Regimes und die Frage nach einem Endspiel.
Keywords: Irankrieg, Regimewechsel, Militärstrategie USA

4. KI und moderne Kriegsführung
Wie künstliche Intelligenz und nachrichtendienstliche Überlegenheit die Kriegsführung verändern und die US-Dominanz verstärken.
Keywords: KI Kriegsführung, Intelligence, Präzisionsangriffe

5. Grönland und geopolitische Expansion
Die mögliche Verbindung zwischen NATO-Austritt und erneuten US-Ansprüchen auf Grönland.
Keywords: Grönland USA, Geopolitik Arktis, Trump Grönland


Kern-Aussagen

  • Trump hat den Irankrieg als alleiniges Projekt mit Israel gestartet, bittet aber nun die NATO um Hilfe bei der Straße von Hormus.
  • Das Waffenarsenal des Iran ist deutlich größer als von vielen Militärstrategen erwartet, der Krieg dauert länger als geplant.
  • Die USA haben den Schiffen in der Straße von Hormus Versicherungsschutz gegeben, rufen aber trotzdem nach NATO-Unterstützung.
  • Ein NATO-Bündnisfall wäre nicht zielführend, da die Straße von Hormus weit vom US-Territorium entfernt ist.
  • Die USA könnten eine NATO-Absage als Vorwand nutzen, um aus dem Bündnis auszutreten.
  • Nach einem möglichen NATO-Austritt könnten die USA erneut Ansprüche auf Grönland erheben.
  • Die USA und Israel haben am ersten Kriegstag 50 Führungskräfte des iranischen Regimes getötet, was eine enorme nachrichtendienstliche Überlegenheit zeigt.
  • KI-gestützte Kriegsführung könnte die USA militärisch unangreifbar machen.
  • Die USA haben in früheren Kriegen (Vietnam, Irak, Afghanistan) kein gutes militärstrategisches Geschick bewiesen.
  • In Kriegszeiten hat der US-Präsident besondere Befugnisse, die weitreichende Entscheidungen ermöglichen.

Häufig gestellte Fragen

Warum bittet Trump die NATO um Hilfe bei der Straße von Hormus?

Trump hat die NATO-Länder gebeten, bei der Absicherung der Straße von Hormus mitzuwirken, obwohl er den Irankrieg zunächst als alleiniges Projekt mit Israel präsentiert hatte. Es wird spekuliert, dass er entweder die Kosten teilen will oder eine NATO-Absage als Vorwand für einen Austritt nutzen könnte.

Was ist die Straße von Hormus und warum ist sie wichtig?

Die Straße von Hormus ist eine Meerenge im Süden des Iran und eine der wichtigsten Wirtschaftspassagen der Welt. Über sie wird ein großer Teil des globalen Öl- und Gashandels abgewickelt. Eine Blockade hätte massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Könnte Trump den NATO-Bündnisfall wegen der Straße von Hormus ausrufen?

Laut Karsten Kammholz ist das nicht zielführend, da der Bündnisfall von der NATO als Gesamtheit festgestellt werden muss und die Straße von Hormus weit vom US-Territorium entfernt liegt. Die Bündnisfall-Logik greift hier nicht.

Plant Trump den Austritt der USA aus der NATO?

Reza Mehman vermutet, dass Trump eine NATO-Absage als Vorwand nutzen könnte, um auszutreten, was auch den Weg für Ansprüche auf Grönland freimachen würde. Karsten Kammholz hält das für unwahrscheinlich, da Trump sein Kriegsziel nicht erreicht hat und keine weiteren Verbündeten aufs Spiel setzen wird.

Wie lange dauert der Irankrieg schon und warum länger als geplant?

Der Krieg dauert bereits mehrere Wochen und länger als von der US-Regierung angekündigt. Das iranische Waffenarsenal hat sich als deutlich größer herausgestellt als erwartet. Es landen weiterhin iranische Raketen, auch in Dubai. Das Mullah-Regime ist nicht gestürzt.

Welche Rolle spielt KI im Irankrieg?

Reza Mehman argumentiert, dass die USA und Israel durch KI-gestützte Kriegsführung und Intelligence einen enormen Vorteil haben. Am ersten Tag wurden 50 iranische Führungskräfte gezielt getötet, was auf überlegene Aufklärungsfähigkeiten hinweist. Die Kombination aus KI und Nachrichtendiensten macht die USA nach seiner Einschätzung militärisch nahezu unangreifbar.

Was hat Grönland mit dem Irankrieg zu tun?

Reza Mehman sieht eine mögliche Verbindung: Falls Trump aus der NATO austritt, könnte er ohne Rücksicht auf NATO-Partner erneut Ansprüche auf Grönland erheben. In Kriegszeiten hat der US-Präsident besondere Befugnisse, die solche Schritte erleichtern könnten.

Wie reagiert Deutschland auf Trumps Bitte um NATO-Unterstützung?

Die Bundesregierung hat klar kommuniziert, dass der Irankrieg nicht Deutschlands Krieg ist. Reza Mehman bezweifelt, dass Deutschland oder andere NATO-Staaten sich einem US-Angriff auf Grönland wirklich entgegenstellen würden.


Highlight-Zitate

„War man so naiv, das nicht einzuplanen, dass man eine Strategie auch für diese Straße von Hormus braucht?“– Karsten Kammholz

„Er hat wirklich damit gedroht, NATO-Gebiet anzugreifen. Was für ein Wahnsinn.“– Karsten Kammholz

„Die Frage ist nicht, ob sie es sind, sondern ob sie es denken, dass sie es sind.“– Reza Mehman

„Ich glaube, die USA wird durch das Thema KI so unangreifbar sein, nicht nur durch ihre Militärpower und wirklich die brachiale Macht ihrer Munition, sondern auch durch das Thema KI uneinholbar sein.“– Reza Mehman

„Wir haben immer festgestellt, Donald Trump hat keine Strategie.“– Karsten Kammholz

„Die USA haben sich immer zurückgezogen und haben ein Chaos hinterlassen. Das ist die Wahrheit.“– Karsten Kammholz

„Das kommt nicht zur Unzeit, das kommt zeitlich genau richtig.“– Reza Mehman


Das vollständige Gespräch

Trumps Kurswechsel: Vom Alleingang zur NATO-Bitte

Reza Mehman:

Karsten, als gebürtiger Iraner bin ich natürlich ganz tief in den Nachrichten rund um den Irankrieg drin, verfolge relativ viel, manchmal ein bisschen sogar zu viel. Aber es hat sich jetzt was sehr Interessantes ergeben und ich würde gerne deine Meinung dazu hören.

Als der Krieg angefangen hat, hatte ich den Eindruck von dem US-Präsidenten, also seine Sprechart war: Das machen wir jetzt komplett alleine, mit Israel zusammen, aber wir zwei machen das komplett alleine. Wir brauchen niemanden dafür, gar niemanden. Das war meine Ansage, hab ich mir gedacht.

Und jetzt lese ich, dass der US-Präsident die NATO-Länder drum bittet, sich einzubringen, und zwar konkret im Fall, die Straße von Hormus abzusichern. Also das ist seine konkrete Bitte und ich glaube sogar, er hat China sogar drum gebeten und er wollte es, glaub ich, in einem Treffen davon abhängig machen, ob er sich mit den Chinesen trifft oder nicht, je nachdem, ob sie sich einbinden wollen oder nicht in die Straße von Hormus.

Ich hab gleich zwei Fragen an dich. Und zwar einmal: Warum ist die USA so selbstsicher am Anfang aufgetreten? Wir brauchen keine Hilfe, Leute, was könnt ihr machen? Das ist die erste Frage. Die zweite Frage: Könnte es sogar dazu kommen, dass er vielleicht einen NATO-Bündnisfall ausspricht und sagt: „Liebe NATO, jetzt haben wir ein Problem hier, ich bin ein ganz großer Beitragszahler und ich erwarte jetzt eure Hilfe.“ Nicht weil er vielleicht die Hilfe braucht, sondern vielleicht weil er einen Plan hat zu sagen: „Moment mal, ich habe einen NATO-Bündnisfall ausgesprochen, aber keiner hilft mir. Also trete ich aus der NATO raus.“

Die Bündnisfall-Logik und Trumps Dilemma

Karsten Kammholz:

Na ja, dass der Bündnisfall eintritt, muss ja von der NATO in der Gesamtheit festgestellt werden und die Straße von Hormus ist nun weit entfernt vom amerikanischen Territorium. Insofern ist diese Bündnisfall-Logik erstmal nicht zielführend und es wäre natürlich schräg, wenn Trump versuchen würde, genau in diesem Wording die NATO-Staaten zu überzeugen, mitzumachen.

Also, mir geht es wie dir. Ich bin jetzt auch an dem Punkt, an dem ich irritiert bin und mich frage: Ja, und jetzt? Sollte der Krieg nicht irgendwie nur zwei Wochen dauern? Sollte nicht das Regime gestürzt werden? Wie machen wir jetzt weiter? Also, ich höre immer mal wieder in den Nachrichten: Der nächste Schlag, der wird richtig vernichtend sein. Und jetzt haben wir einen ganz wichtigen strategischen Schlag. Hey, wir sind seit Wochen dabei, den Iran zu bombardieren und das Waffenarsenal der Iraner ist deutlich größer, als wahrscheinlich viele Militärstrategen gedacht haben. Es landen immer noch Raketen, auch teilweise in Dubai.

Also, wir haben immer noch die Situation, dass der Iran sich massiv wehrt. Wir haben einen neuen Führer in diesem Land und das Mullah-System ist nicht ansatzweise zerstört. Ja, das ist ja das Ziel gewesen. Also, ich weiß gerade überhaupt nicht, wie es weitergehen soll.

Die Strategie hinter der Straße von Hormus

Reza Mehman:

Und jetzt der konkrete Fall: Welche Strategie verfolgt Trump jetzt in der Straße von Hormus? Also, wieso bittet er auf einmal andere Leute, da mit einzuschließen?

Karsten Kammholz:

Also, das versteh ich überhaupt nicht. Man greift ein Land wie den Iran an, gemeinsam mit Israel, und stellt dann fest: Oh, warte mal, im Süden von Iran, da ist ja eine total wichtige Wirtschaftspassage für uns, wo es um den weltweiten Lieferverkehr von Gas und Öl geht. Huch, auf einmal haben wir da eine Blockade, was machen wir denn jetzt da? Also, war man so naiv, das nicht einzuplanen, dass man eine Strategie auch für diese Straße von Hormus braucht?

Reza Mehman:

Das glaub ich nicht, dass sie so naiv waren, sondern ich hab den Eindruck, dass es strategisch so eingefädelt worden, dass eventuell gesagt werden kann: Die NATO hilft dir nicht, also wollen wir raus aus der NATO, also wollen wir aus der NATO austreten. Die USA haben ja in den letzten Wochen und Monaten, hat der US-Präsident ja auch beschlossen gehabt, sind aus gewissen Organisationen rausgegangen, weltweiten Organisationen rausgegangen. Ich glaube, die NATO ist der nächste Punkt, wo sie sagen, da möchten wir auch aufhören. Und ich hab das Gefühl, den Eindruck, das ist so ein vorgeschwungener Vorwand.

NATO-Austritt als Schachzug?

Karsten Kammholz:

Also, du glaubst, es ist der Schachzug der USA zu sagen: Jetzt hilft die NATO uns nicht, dann brauchen wir die NATO auch überhaupt nicht mehr und wir treten aus?

Reza Mehman:

Das ist mein Eindruck, weil die haben ja eigentlich, so wie ich es verstanden habe, haben die sogar die Versicherungspolicen, keine Ahnung, wie man es konkret ausdrückt, korrekt ausdrückt, aber die haben ja versichert, dass die Schiffe, die durchfahren, besonderen Schutz bekommen. Weil das Problem war ja, dass viele Versicherungen gesagt haben: Hey, wir versichern keine Schiffe mehr. Und die USA haben diesen Versicherungsschutz gegeben. Das heißt, die sind sich so sicher, da passiert gar nichts und trotzdem rufen sie nach Unterstützung. Das macht für mich auch erstmal, wenn das wirklich so gemeint ist, wie es gesagt wird, dann macht es für mich keinen Sinn.

Karsten Kammholz:

Da hast du völlig recht. Ich stell mir vor, wie so zum Beispiel die Regierung in Kopenhagen darauf reagiert, wenn Donald Trump sagt: „Hey, NATO, hört mal, Dänemark, ihr seid doch auch NATO, könnt ihr uns noch mal kurz helfen?“ Und noch vor zwei Monaten wollte er den Dänen Grönland wegnehmen. Das ist das strategische Dilemma, in dem Donald Trump sowieso steckt. Er hat wirklich damit gedroht, NATO-Gebiet anzugreifen. Was für ein Wahnsinn. Um dann zwei Monate später zu sagen: Liebe NATO, jetzt brauche ich euch aber ganz woanders, wo alle NATO-Staaten sagen: Nö.

Reza Mehman:

Bundesregierung sagt ja auch, das ist nicht unser Krieg. Dazu habe ich heute was gelesen gehabt. Aber ja, ich verfange mich da gerade wahrscheinlich in irgendwelchen Spekulationen, aber für mich macht es irgendwie so den Eindruck.

Trumps fehlende Strategie und historische Parallelen

Karsten Kammholz:

Wir haben immer festgestellt: Donald Trump hat keine Strategie. Also, ihm wird zumindest im Irankrieg mit Sicherheit jetzt auch auffallen, das dauert länger als er sich das vorgestellt hat. Und die USA hatten nicht immer das beste militärstrategische Geschick. Ich fang mal an mit dem Krieg in Vietnam, was für ein Desaster. Wir können über Irak, über Afghanistan sprechen. Die USA haben sich immer zurückgezogen und haben ein Chaos hinterlassen. Das ist die Wahrheit.

Reza Mehman:

Nicht in Deutschland.

Karsten Kammholz:

In Deutschland nicht, definitiv. Da waren sie aber auch nicht alleine. Gut, sie waren auch in Afghanistan nicht alleine und die Deutschen haben sich dann auch irgendwann da rausgezogen. Aber ich glaube nicht, dass die USA und Israel wirklich vom Ende her gedacht haben in dem Fall.

Das Grönland-Szenario

Reza Mehman:

Keine Strategie, wie ich gerade so angedeutet habe, irgendwie aus der NATO austreten, dann vielleicht doch noch Grönland, weil dann sind sie ja nicht mehr in der NATO drin.

Karsten Kammholz:

Grönland irgendwie einnehmen, und also nach der Attacke auf den Iran gibt es doch jetzt erst recht keine Grundlage mehr für Trump. Er wird auch keine Unterstützung in seinem Land bekommen, jetzt auch noch irgendwie mit Grönland was anzufangen. Also, wo will er denn jetzt überall noch rein?

Reza Mehman:

Er hat sich ja in einen Kriegsstatus hineinmanövriert und in Kriegszeiten hat der US-Präsident noch mal besondere Befugnisse. Also so weit hergeholt halte ich es nicht, ehrlich gesagt.

Karsten Kammholz:

Ja, denk mal weiter.

Reza Mehman:

Und wenn er jetzt in Kriegszeiten sich befindet und sieht, er ruft vielleicht einen NATO-Bündnisfall, ruft die Unterstützung vor und keiner kommt, keiner hilft ihm, dann kann er sagen: Hey, ich weiß gar nicht, wie viel Beiträge zahlt die … ich glaub, das Budget von NATO ist irgendwie 34 Milliarden und die USA hat den größten Beitrag. Zu dem Beitrag haben sie natürlich auch die Manpower, die ja gar nicht als Zahl erfasst wird, aber die Manpower fließt auch mit ein. Dann sagen sie: Hey, wir stoppen den Beitrag und by the way, jetzt sind wir nicht bei der NATO und wir brauchen jetzt Grönland. Wir sind ein Kriegsfall, wir wissen gar nicht, was auf der Seite der Erde passiert, das müssen wir jetzt haben und wir sind sowieso nicht in der NATO drin, also ist uns egal, was ihr jetzt davon haltet oder nicht.

Also für mich, und bald sind auch die Midterms und so weiter, also der US-Präsident hat besondere Befugnisse, genauso wie in Israel, wenn Krieg ansteht und zeitlich passt es irgendwie alles, gerade so irgendwie passt. Bis November ist noch ein bisschen Zeit.

Risiko eines Weltkriegs?

Karsten Kammholz:

Aber dann riskiert, wenn man es weiter denkt, Trump eine Art von Weltkrieg, denn die NATO wird sich wehren.

Reza Mehman:

Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Also, ich kann mir nicht vorstellen, dass Deutschland, so stolz ich auch auf uns Deutsche bin, sagt: „Hey, USA, das lassen wir nicht zu.“ Das kann ich mir nicht vorstellen.

Karsten Kammholz:

Du glaubst, die überlassen Grönland kampflos den USA?

Reza Mehman:

Ich glaube, wenn die USA es wollen, ja, safe, 100%. Also, wir haben ja, wir haben ja schon unsere 13 Soldaten zu einer Erkundung hingeschickt. Also ich kann mir nicht vorstellen, dass … und ich glaube auch, wir hatten ja auch in einer der letzten Podcasts über das Thema KI gesprochen. Ich glaube, die USA sind auch mit dem Thema Kriegsführung zusammen mit KI, die entwickeln sich gerade auch so schnell weiter. Ich glaube, da wird auch kein Staat so schnell hinterherkommen, also auch nicht die Chinesen, auch nicht die Russen und so weiter.

KI und militärische Überlegenheit

Reza Mehman:

Ich glaube, die USA wird durch das Thema KI so unangreifbar sein, nicht nur durch ihre Militärpower und wirklich die brachiale Macht ihrer Munition, sondern auch durch das Thema KI uneinholbar sein. Ich glaube, kein Staat der Welt würde sich erlauben, gegen die USA irgendetwas da zu tun.

Karsten Kammholz:

Hm, ich hoffe, du hast nicht recht. Ich versuch es mir mal vorzustellen: Wenn die USA aus allen Bündnissen austreten und wirklich isoliert sind für sich, sind sie nicht doch verwundbarer als vorher?

Reza Mehman:

Die Frage ist nicht, ob sie es sind, sondern ob sie es denken, dass sie es sind. Das ist, glaube ich, die Frage. Weil aus meiner Sicht, wenn ich lange drüber nachdenke: Wo ist der sicherste Ort auf der Erde, wo ich wahrscheinlich nicht von irgendwelchen Bomben getroffen werde? Das ist irgendwo Zentral-USA, da kommen keine feindlichen Bomben wahrscheinlich auf mich zu. Ich kann mir keinen anderen Ort auf dieser Welt vorstellen und das heißt, die Amis haben ein Gefühl, wahrscheinlich das ist ja das, was für die zählt, von maximaler Sicherheit. Florida und so weiter, gerade diese an den Meeren, gebe ich zu, vielleicht nicht der sicherste Ort, aber Zentral-USA, da gibt es … bevor da eine Bombe einfliegt, wurde sie schon zehnmal aufgehalten von irgendwelchen Abwehrsystemen und irgendwelchen Jets.

9/11 und Intelligence

Karsten Kammholz:

Kann sein, aber vergiss nicht 9/11. Also es müssen nicht Bomben und Raketen sein.

Reza Mehman:

An der Küste bin ich voll bei dir, an der Küste ist noch mal ein anderes.

Karsten Kammholz:

Aber nee, 9/11 war ein Angriff aus dem Innern.

Reza Mehman:

Ja, aber denkst du, 9/11 könnte so schnell wieder passieren? Und das mein ich auch mit Intelligence, also KI und Intelligence. Ich glaube, Amerika ist auf einem anderen Level, was das anbelangt. Allein, dass sie zusammen mit Israel am ersten Tag 50 Führungskräfte des iranischen Regimes getötet haben auf einen Schlag und der Sohn von Chamenei soll auch komplett entstellt sein. Ich hab gelesen, der ist wahrscheinlich in Moskau sogar zur Operation, hast du es mitbekommen?

Genau, also da ist ja Intelligence mit dabei, das kann man sich ja gar nicht vorstellen, wie viel Infos die haben. Und heute wurden zwei wichtige, der Leiter der einen Miliz, wurde auch getötet. Also zwei wichtige Funktionäre wurden heute wieder getötet. Also die haben Information, das ist ja nicht, das ist ja verrückt und die sind ja ultra gut, nicht nur bewacht, sondern auch die kommunizieren ja … was tun die meisten Menschen, wenn sie im Krieg sind? Keine Technologie benutzen. Warum? Weil Technologie abgehört werden kann, cybersecurity-mäßig und so weiter, angegriffen werden kann. Und selbst das, was die Iraner gerade tun, also keine Kommunikation nach außen und so weiter, selbst das haben die Amerikaner mit den Israelis durchbrochen.

Deswegen, ich hab es ganz groß ausgeholt.

Ist die Kriegsdauer gewollt?

Karsten Kammholz:

Ja, aber gleichzeitig dauert dieser Angriff jetzt schon länger als sie wollten.

Reza Mehman:

Fast schon gefühlt ist es gewollt, sogar, das ist mein Eindruck. Es ist fast schon gewollt. Also ich als Iraner bin ich auch ganz happy. Meine größte Hoffnung ist, dass das Regime abgesetzt wird. Und so wie es das mit der iranischen Mädchenschule ist, eine Katastrophe, da ist was unglaublich schief gegangen und das macht mich auch sehr, sehr traurig.

So wie ich es aber mitbekomme, jetzt an anderen Ecken werden keine Infrastruktur, wichtigen Sachen, Wasser und so weiter, Energie zerstört, sondern wirklich regimenahe Gebäude und so weiter und so fort. Das versuchen sie also präzisionsmäßig zu machen.

Als Iraner bin ich happy, dass so das Regime geschwächt wird. Trotzdem denk ich mir, da ist eine Strategie dahinter. Wir alle denken gerade, da ist keine Strategie, aber der US-Präsident wird sich was gedacht haben, der Premierminister in Israel wird sich was dabei gedacht haben, da stehen ja auch Wahlen an und so weiter, ist auch ein bisschen eng für ihn alles geworden. Ich glaube, das kommt nicht zur Unzeit, das kommt zeitlich genau richtig. Das ist so mein Eindruck, aber alles spekulativ, muss ich wirklich zugeben.

Fazit: Strategie oder Strategielosigkeit?

Karsten Kammholz:

Ja, ich bin versucht zu sagen, ich würde mich freuen, wenn der US-Präsident eine Strategie hätte. Ich glaub, er hat sie nicht.

Reza Mehman:

Gut, und du glaubst auch nicht, dass der NATO-Bündnisfall ausgesprochen wird und Trump das dann zum Anlass nimmt auszutreten?

Karsten Kammholz:

Trump ist jemand, der Grenzen auch auslotet. Aber in dem Fall wird da nach meiner Vorstellung nicht ansatzweise das Thema NATO-Mitgliedschaft noch mal tangiert werden. Ich glaube nicht, dass das der Triggerpoint ist, wo er sagt, jetzt geh ich hier raus. Dafür ist er, weil er sein Kriegsziel nicht erreicht hat bisher, verwundbar. Also momentan liefert er ja nicht das, was er versprochen hat und ich glaube nicht, dass er jetzt auch noch die restlichen vermeintlichen Verbündeten, die er noch hat, komplett aufs Spiel setzt.

Reza Mehman:

Gut, wie immer, wir werden es beobachten. Karsten, vielen Dank für deine Zeit.

Karsten Kammholz:

Danke dir.


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Zitierfähige Passage

Im Podcast analysieren Reza Mehman und Karsten Kammholz den überraschenden Kurswechsel der US-Regierung im Irankrieg.
Obwohl Trump den Krieg als alleiniges Projekt mit Israel gestartet hatte, bittet er nun die NATO um Unterstützung bei der Straße von Hormus.
Mehman vermutet eine kalkulierte Strategie: Eine NATO-Absage könnte als Vorwand für den Austritt der USA dienen.
Kammholz bleibt skeptisch und sieht einen Präsidenten, der seine Kriegsziele nicht erreicht hat und keine weiteren Verbündeten aufs Spiel setzen wird.
Beide sind sich einig, dass die Situation hochdynamisch bleibt und die Konsequenzen für die Weltordnung unabsehbar sind.

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