Zusammenfassung
Reza Shari, Inhaber eines bekannten Beautysalons in Mannheim, wurde bei einer Geschäftsreise in den Iran am Flughafen verhaftet und in Trakt 209 des Evin-Gefängnisses inhaftiert, dem Trakt für politische Gefangene. Unter Folter wurde ein Geständnisvideo von ihm gedreht, das gezielt eingesetzt wurde, um die iranische Diaspora einzuschüchtern. Nach seiner Freilassung auf Kaution und einer Verurteilung zu über vier Jahren Haft floh er gemeinsam mit seinem Bruder über die Berge in die Türkei. Zurück in Deutschland ist er zum Vollzeit-Aktivisten geworden, organisierte fünf Busse zur Münchner Großdemonstration mit rund 250.000 Teilnehmern und plant nun Seelsorge-Treffen für psychisch belastete Diaspora-Iraner. Er ist überzeugt, dass das iranische Regime wirtschaftlich und politisch kollabieren wird, und sieht in Reza Pahlavi die einzig logische Führungsfigur für den Übergang zur Demokratie.
Kurze Einleitung
Reza Shari ist kein unbeschriebenes Blatt: Der in Mannheim lebende Unternehmer und Aktivist wurde bei einer Reise in den Iran verhaftet, in Trakt 209 des Evin-Gefängnisses gefoltert und floh schließlich über die Berge in die Türkei. Im Gespräch mit Podcast-Host Reza Mehman schildert er seine persönliche Geschichte, erklärt, warum er Reza Pahlavi für die einzig realistische Führungsfigur hält und weshalb das iranische Regime seiner Einschätzung nach nicht mehr als drei Monate überleben kann. Das Gespräch berührt zentrale Fragen zur iranischen Diaspora, zur Rolle der USA und Israels sowie zur persischen Hochkultur als unzerstörbare Kraft. Ein ehrliches, emotionales und politisch aufschlussreiches Gespräch zwischen zwei Iranern, die beide für einen Regime Change eintreten.
Kontext
Wer spricht: Reza Mehman, Podcast-Host, und Reza Shari, Unternehmer und Iran-Aktivist aus Mannheim.
Worum geht es: Um die persönliche Geschichte Reza Sharis als politischer Gefangener im Iran, die aktuelle Revolutionsbewegung, die Rolle von Reza Pahlavi und die Frage, ob und wann das iranische Regime fallen wird.
Warum ist das relevant: Das Gespräch verbindet persönliches Zeugnis mit politischer Analyse und gibt der iranischen Diaspora-Perspektive eine konkrete, authentische Stimme, zum Zeitpunkt einer historischen Zuspitzung der Lage im Iran.
Drei Kernfragen:
- Wie erlebt man Verhaftung, Folter und Flucht aus dem Iran aus erster Hand?
- Ist Reza Pahlavi die richtige Führungsfigur für einen demokratischen Neustart des Iran?
- Wie lange kann das iranische Regime angesichts wirtschaftlicher Isolation und wachsender Volksproteste noch existieren?
Inhaltsverzeichnis
- Einführung und Vorstellung der Gesprächspartner
- Reza Sharis Verhaftung im Evin-Gefängnis, Trakt 209
- Systematische Folter und Geständnisvideo als Einschüchterungsstrategie
- Flucht über die Berge in die Türkei
- Anschläge auf den Beautysalon in Mannheim und Opferschutz
- Die Kraft der Bewegung: Von Masa Amini zur Revolution 2025
- Reza Pahlavi: Führungsfigur, Kronprinz, Demokrat
- Gegenwind: Mojahedin, Regime-Trolle und öffentlich-rechtliche Medien
- Die USA, Israel und die Rolle des Dollars als Waffe
- Persische Hochkultur als unzerstörbare Kraft
- Rückkehr in die Heimat: Der Plan der Diaspora
- Seelsorge für die Diaspora und die psychische Last des Aktivismus
- Schlusswort und Ausblick
Themen-Cluster
1. Persönliche Verfolgung und politische Haft Reza Shari schildert seine Verhaftung am Flughafen Teheran, die Haftbedingungen in Trakt 209 des Evin-Gefängnisses und die psychischen wie körperlichen Folgen der Folter.
2. Revolutionsbewegung und Diaspora-Aktivismus Das Gespräch analysiert, wie die Diaspora zur Stimme der Unterdrückten im Iran wird, warum die Münchner Großdemonstration mit 250.000 Menschen ein historischer Wendepunkt war und wie Aktivisten wie Reza Shari die Bewegung organisieren.
3. Reza Pahlavi und die politische Zukunft des Iran Beide Gesprächspartner diskutieren ausführlich, warum Reza Pahlavi als Kronprinz und ausgebildeter Demokrat die einzig realistische Führungsfigur für den Übergang ist, und widerlegen gängige Einwände.
4. Geopolitik: USA, Israel und der wirtschaftliche Kollaps des Regimes Reza Shari erklärt, warum der US-Dollar als wichtigste Waffe Amerikas wirkt, warum er einen Militärangriff für wahrscheinlich hält und weshalb das Regime wirtschaftlich nicht mehr lange überleben kann.
5. Persische Identität, Hochkultur und Herkunftsstolz Das Gespräch endet in einer kraftvollen Reflexion über persische Hochkultur, den historischen Bund mit Israel seit Kyros dem Großen und den Unterschied zwischen dem iranischen Volk und dem islamischen Regime.
Kern-Aussagen
- Reza Shari wurde bei seiner Einreise in den Iran verraten, sofort verhaftet und in Trakt 209 des Evin-Gefängnisses, dem Trakt für politische Gefangene, inhaftiert.
- Das Regime nutzt Verhaftungen von Diaspora-Aktivisten gezielt, um durch Geständnisvideos Angst in der Exil-Community zu schüren und Proteste zu unterdrücken.
- Die Münchner Demonstration mit rund 250.000 Teilnehmern war die größte iranische Exil-Demo der Geschichte und übertraf die Berliner Masa-Amini-Demo von 2022 deutlich.
- Reza Pahlavi ist nach Ansicht Reza Sharis der einzig legitime und realistische Anführer für den Übergang zur Demokratie, weil er in demokratischen Institutionen ausgebildet wurde, selbst keine Machtambitionen hat und international vernetzt ist.
- Der wirtschaftliche Druck durch den US-Dollar, Sanktionen und sinkende Ressourcen macht das iranische Regime nach Sharis Einschätzung in weniger als drei Monaten nicht mehr überlebensfähig.
- Die persische Hochkultur mit ihren Dichtern wie Hafez, Sadi und Ferdusi ist nach Ansicht beider Gesprächspartner unzerstörbar und wird die islamistische Ideologie auf lange Sicht überwinden.
- Exil-Iraner wollen zu erheblichen Teilen in den Iran zurückkehren, sobald das Regime fällt, weil Europa ihnen heute weniger Sicherheit und Freiheit bietet als erhofft.
- Die Iranisch-israelische Verbundenheit hat historische Wurzeln seit Kyros dem Großen und ist kein politisches Kalkül, sondern kulturelle Realität.
- Diaspora-Aktivisten verstehen sich nicht als Aufwiegler, sondern als Stimme der Opfer im Iran, die selbst keine Möglichkeit haben, sich öffentlich zu äußern.
- Die psychische Belastung der iranischen Diaspora durch die Ereignisse im Iran ist massiv; Reza Shari plant deshalb Seelsorge-Treffen im Mannheimer Luisenpark.
Fragen & Antworten
Frage: Warum wurde Reza Shari im Iran verhaftet? Antwort: Reza Shari war in der Masa-Amini-Bewegung aktiv und hatte den Islam öffentlich als Sektenideologie kritisiert. Er glaubt, aus Deutschland heraus verraten worden zu sein. Das Regime wartete bei seiner Einreise am Flughafen bereits auf ihn.
Frage: Was ist Trakt 209 im Evin-Gefängnis? Antwort: Trakt 209 ist der Hochsicherheitstrakt des Evin-Gefängnisses in Teheran, der ausschließlich für politische Gefangene genutzt wird. Wer dort landet, kommt nach Aussage von Reza Shari kaum noch heraus; systematische Folter gehört zum Alltag.
Frage: Wie konnte Reza Shari den Iran verlassen? Antwort: Sein Onkel bestach einen Richter, damit Shari auf Kaution freigelassen wurde. Nach einer Verurteilung zu vier Jahren und sieben Monaten Haft floh er unmittelbar vor dem Haftantritt gemeinsam mit seinem Bruder über die Berge in die Türkei, unterstützt von Menschenschmugglern.
Frage: Warum sehen beide Gesprächspartner Reza Pahlavi als einzig logische Führungsfigur? Antwort: Reza Pahlavi hat in demokratischen Eliteinstitutionen studiert, ist Kampfjetpilot, will selbst nicht regieren, sondern das Volk bis zur Urne führen, und besitzt ein einzigartiges internationales Netzwerk. Aus dem Iran heraus rufen Menschen nach ihm, und keine andere Person bietet eine vergleichbare Alternative.
Frage: Welche Rolle spielen die USA und Israel für einen möglichen Regime Change? Antwort: Reza Shari sieht den US-Dollar und Wirtschaftssanktionen als wirksamste Waffe. Eine militärische Intervention würde den Prozess beschleunigen. Er hält einen Angriff durch Israel für wahrscheinlich und sieht in der historischen Verbundenheit zwischen Iran und Israel eine natürliche Grundlage für eine zukünftige Zusammenarbeit.
Frage: Warum sind auf iranischen Demonstrationen israelische Flaggen zu sehen? Antwort: Die Verbindung zwischen Iran und Israel ist historisch tief verwurzelt. Kyros der Große befreite die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft. Zur Schah-Zeit hatte Iran die zweitgrößte jüdische Gemeinde der Welt und die meisten Synagogen außerhalb Israels. Das islamische Regime brach diese Verbindung, nicht das iranische Volk.
Frage: Wie lange kann das iranische Regime noch bestehen? Antwort: Reza Shari schätzt, dass das Regime nicht mehr als drei Monate überlebt, allein aufgrund der wirtschaftlichen Lage: Das iranische Rial ist praktisch wertlos, die Inflation ist historisch hoch, Ölexporte sind blockiert und alle Milizen und der Staatsapparat müssen weiter bezahlt werden.
Frage: Was leistet die Diaspora konkret für die Revolutionsbewegung? Antwort: Die Diaspora versteht sich als Stimme der Unterdrückten im Iran. Reza Shari und sein Team organisierten fünf Busse zur Münchner Demo, erhalten hunderte Dankes-Nachrichten aus dem Iran und planen nun Seelsorge-Treffen für psychisch belastete Diaspora-Iraner.
Frage: Warum werden die Schaufenster von Reza Sharis Salon eingeschlagen? Antwort: Reza Shari macht Menschen ohne demokratisches Denken für die drei Anschläge auf seinen Salon verantwortlich, ohne eine spezifische Gruppe zu benennen. Er steht unter Opferschutz und hat Gespräche mit Behörden geführt, über die er aus rechtlichen Gründen keine Details nennen darf.
Frage: Werden Exil-Iraner nach einem Regime Change in den Iran zurückkehren? Antwort: Reza Shari ist überzeugt, dass rund 80 Prozent der Exil-Iraner zurückkehren werden, aus Heimatliebe, aber auch weil Europa mit wachsender Islamisierung und eingeschränkter Meinungsfreiheit an Attraktivität verliert. Er selbst hat bereits konkrete Pläne für einen Charterflug.
Highlight-Zitate
„Wenn Hirn aufhört zu funktionieren, nehmen Menschen Steine in die Hand.“
„Ich war in der Todeszelle. Meine Zähne waren alle weg, abgebrochen, Augen kaputt.“
„Wir sind die Stimme der Opfer, wir sind die Stimme der Menschheit, die gerade dort unten kämpft.“
„Meine Heimat ist meine Mutter. Mutter kannst du dir nicht aussuchen. Meine Mutter braucht mich.“
„Das Regime hat angefangen, Angst einzujagen, aber hat damit nicht gerechnet, dass die Menschen an einem Punkt angekommen sind, dass das Angst sogar denen keine Angst mehr macht.“
„Eine Hochkultur kommt wieder wie Phönix aus der Asche.“
„Wenn du in Trakt 209 landest, da kommt man kaum weg.“
„Ich schwöre es euch, ihr werdet sehen, es dauert nicht lang, dass Deutsche zu uns kommen zum Arbeiten, so wie es damals bei Schah war.“
„Man muss nicht in die Opferrolle schlüpfen. Die wollen das nicht mit uns. Da sind wir viel zu kultiviert.“
„Er ist ein wahnsinnig guter Akteur, der ohne viel zu tun viel macht.“
Keywords
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Unterüberschriften
- Verhaftet bei der Einreise: Die Nacht, die alles veränderte
- Trakt 209: Das Evin-Gefängnis und die Welt der politischen Gefangenen
- Geständnisvideo unter Folter: Einschüchterung als Staatsstrategie
- Flucht über die Berge: Mission Impossible auf der Heroinroute
- Anschläge auf den Salon: Opferschutz in Deutschland
- 250.000 Menschen in München: Was diese Zahl bedeutet
- Reza Pahlavi: Kronprinz, Demokrat und einzige Alternative
- Dollar, Sanktionen, Hunger: Warum das Regime fallen muss
- Persische Hochkultur gegen islamistische Ideologie
- Diaspora und Schuld: Die Last, sicher zu sein
- Heimkehr: Der Charterflug zurück in den Iran
Namens- und Begriffs-Klarheit
Reza Shari, Reza Mehman, Reza Pahlavi, Karsten Kammholz, Evin-Gefängnis, Trakt 209, Masa Amini, Mojahedin (M.A.K.), Kyros der Große (Korusch/Pürusch), Münchner Sicherheitskonferenz, Luisenpark Mannheim, Javid Shah, Schah, Pahlavidynastie, Revolutionsgericht, Heroinroute
Zitierfähige Passage
Reza Shari über die Kraft der persischen Hochkultur und die Unausweichlichkeit des Wandels:
„Hochkultur kannst du nicht zerstören.“ „Wir haben die Poesie, wir haben Hafez, wir haben Sadi, wir haben die Schahname von Ferdusi, das kannst du nicht wegdenken.“ „Eine Hochkultur kommt wieder wie Phönix aus der Asche.“ „Es dauert zwar länger, aber es wird kommen.“ „Ich verspreche es dir, so wahr ich hier sitze, es dauert nicht lang, bis die persische Hochkultur wieder dafür sorgt, dass da unten Ruhe ist.“
Transkript
Reza Mehman: Mein Namensvetter Reza Shari. Hallo, hi, freut mich sehr, dass du heute Zeit hast. Ich weiß, dass du aktuell sehr busy bist und ich glaube auch wahrscheinlich mental super belastet bist, wie viele andere Iraner auch. Wir kennen die Situation im Iran. Um es ganz kurz einzuordnen: Wir haben heute den 26.2. Stand heute haben die USA den Iran noch nicht angegriffen, und ich würde gerne mit dir über viele Themen sprechen, ehrlich gesagt, unter anderem deine persönliche Historie.
Ich hab nämlich vor Kurzem, du bist kein Unbekannter in dieser Region, das kann ich schon sagen, in Mannheim bist du auf jeden Fall super bekannt, genauso wie in Heidelberg. Ich hab vor Kurzem in der Zeitung von deiner Geschichte gelesen, dass du im Iran vor zwei Jahren verhaftet worden bist und dann glücklicherweise fliehen konntest. Die Story hat mich wirklich sehr berührt, wenn ich ehrlich bin. Ich hab das von einem anderen Unternehmer gehört, auf einer Veranstaltung, und war auch erstmal völlig neben der Spur, dass sowas in der heutigen Zeit überhaupt passiert.
Auf der anderen Seite weiß ich auch, dass du dich extrem einsetzt für das Thema Iran. Du bist ein völliger Befürworter, so wie ich, für einen Regime Change im Iran. Du bist sehr aktiv, man könnte fast schon sagen Aktivist, neben deinem Unternehmerdasein. Du hast einen tollen Beautysalon in Mannheim, der ultra bekannt ist: Reza Shari, so wie dein Name. Was mich auch wirklich umgehauen hat, ist, dass da jetzt drei Anschläge in den letzten Monaten passiert sind bei dir. Fensterscheiben wurden eingeschlagen und so weiter, was völlig crazy ist. Vielen Dank erstmal für deine Zeit heute. Ich glaube, es wird ein richtig langer Podcast, weil ich hab eine Menge Fragen an dich. Bevor wir da tiefer einsteigen, wäre es super, wenn du dich kurz vorstellen könntest. Als Iraner fragt man natürlich auch, wann bist du nach Deutschland gekommen, wie bist du nach Deutschland gekommen, was war dein Werdegang hier?
Reza Shari: Wahrscheinlich Copy and Paste, ne, alle Diaspora in den Achtzigern, ja, aber nicht darauf zurückkommen.
Reza Mehman: Ja, bevor du dich vorstellst, fällt mir gerade ein: Ich hab damals nach dem Studium bei der Deutschen Bank angefangen und war Trainee direkt nach dem Studium, hatte eine Station in Mannheim, in der großen Filiale. Und dort ging es einmal um dich. Ich hab mit einer Dame gesprochen, die damals die Finanzierung für dein, die Frau Ripier, ich glaube, das war dein Name, genau, ja, ein bisschen junge Frau, ein bisschen kleiner, ja, genau, super nett. Sie hat mir damals gesagt, dass sie extrem an dich geglaubt hat. Ist mir gerade in den Kopf gekommen. Aber jetzt hab ich genug gequatscht: Reza, wer ist Reza Shari?
Reza Shari: Wie du weißt, ich bin Reza, bin 50 geworden, und bin Sohn einer Maskenbildnerin und eines hochrangigen Offiziers. Mein Vater war hochrangiger Offizier im Iran, und bin, so wie ich vorhin gesagt hab, so wie viele Iraner in den Achtzigern, praktisch nach der Revolution nach Deutschland geflohen.
Ich bin Flüchtlingskind und hab dann nach einer Weile mich selbstständig gemacht. Ich bin seit fast 25 Jahren am Wasserturm in Mannheim mit meinem Unternehmen und bin in der Beautywelt unterwegs. Wurde dann vor zwei Jahren, als ich auf einer Geschäftsreise in den Iran war, verhaftet und ins Gefängnis gekommen. Das berühmte Gefängnis Evin.
Reza Mehman: Direkt als du eingereist bist?
Reza Shari: Ja, die haben mich bei der Einreise sofort gecatcht und haben meine Sachen komplett weggenommen: die ganzen elektronischen Sachen, Handy, Laptop, alles.
Reza Mehman: Das heißt, die wussten, dass du in dem Flugzeug drin bist.
Reza Shari: Genau. Ich wurde verraten aus Deutschland, und die haben auf mich gewartet. Krass. Und dann ging die Höllenreise los. Ich bin dann in Trakt 209 gekommen. Man kann es auch auf Wikipedia lesen, was das ist. Das ist die Endstation. Wenn du in Trakt 209 landest in Evin, da gibt es verschiedene Abteilungen, Trakte, und 209 ist für die politisch Gefangenen, die dann eigentlich kaum noch rauskommen. Auch wenn sie kurz rauskommen, werden sie wieder reingebracht, und dann heißt es, ja, der hat sich selbst umgebracht, oder der wurde krank, je nachdem. Also da kommt man kaum weg. Ja, systematische Folterung und die ganze Palette, was man da in dem Gefängnis erlebt.
Reza Mehman: Warum wurdest du als politischer Gefangener eingestuft?
Reza Shari: Ich war halt ziemlich aktiv bei der Masa-Amini-Bewegung und hab solche Aussagen gemacht, was Antiislamismus angeht. Ich hab den Islam öfters kritisiert, dass er so eine Art Sektenideologie sein kann, und das war mein, wie soll ich sagen, mein Tod in dem Sinne.
Aber gerade weil sie mich gefoltert haben, weil sie mich gefangen haben, hat es bestätigt, dass ich doch recht hatte, dass diese Religion einfach barbarisch ist, zumindest dieser Part, was im Iran herrscht. Über den wahren oder nicht wahren Islam kann ich nicht sprechen, das hab ich nicht erlebt. Ich hab nur den Islam erlebt, was ich eben im Iran erlebt habe, deshalb kann ich nur dazu sprechen.
Reza Mehman: Du warst auf Social Media aktiv, oder du warst auf Demos, da hat jemand Namen aufgegriffen und das wahrscheinlich gemeldet.
Reza Shari: So ungefähr. Da gehen auch von der Exekutive viele Wege wirklich auseinander: Manche sagen, ich wurde verraten, manche sagen, nee, die haben spioniert. Aber ich persönlich denke, ich wurde verraten. Ja, man hat immer so ein Gefühl, und so ist es.
Reza Mehman: Darf ich fragen, also erstmal: eine Vollkatastrophe, was da passiert ist. Ich hab das mitbekommen. Folter und so kann man sich als normaler Mensch erstmal gar nicht vorstellen.
Wenn wir jetzt aber die Aufstände zum Thema Masa Amini sehen und den heutigen Protesten, das ist ja mehr als Protest. Man kann nicht sagen, da sind ein paar Protestierende, das ist ja fast schon eine Revolution. Wie kommt es, dass das heute so viel intensiver ist als das, was vor zwei Jahren war?
Reza Shari: Grundsätzlich war die Masa-Amini-Bewegung im Nachhinein, wenn ich das so anschaue, tatsächlich eine Bewegung, bei der die das gemerkt haben, was überhaupt gegen das Regime momentan bewegt wird. Das bedeutet, man schürt eine Art Selbstdarstellung, damit man sieht: Wer sind die Köpfe? Wen müssen wir abcatchen, wen müssen wir eliminieren, damit wir weiterhin überleben können?
Und faschistisches Gedankengut macht das sehr oft: Die organisieren selbst in einer Stadt eine Demo, eine Bewegung, eine Untergrundbewegung, um die Gegner zusammenzukriegen und die dann zu eliminieren. Und so genau ist es, hab ich das Gefühl.
Man sieht es ja an mir, weil wir als Diaspora sehr stark waren bei Masa Amini. Die haben einfach die Ikonen gecatcht, und ich hab dazu gehört. Es wurde ein Video von denen veröffentlicht, in dem man mir unter Folter ein Geständnis abgepresst hat. Ja, ist immer noch im Netz, ich kann dir auch einen Link senden. In dem Film, was sie mit mir gedreht haben, war noch ein Engländer, also ein Iran-Engländer, und dann noch ein amerikanischer Iraner. Diese drei Menschen haben sie als Instrument verwendet, um unter der Diaspora Angst zu schüren, damit die eben bei der nächsten Bewegung, bei so einer Gegenwehr, gar nicht mehr auf die Straße gehen.
Und es ist tatsächlich wahr: Wenn man hört, oh, Reza wurde verhaftet, Reza wurde gefoltert, gehen die viel weniger auf die Straße.
Wenn die Geschichte, was wir jetzt haben, diese Revolution, was wir gestartet haben im Januar, wo sie wirklich 40.000 bis 50.000 Leute massakriert haben, wenn das nicht wäre, glaubt es mir, es wären um die Hälfte weniger auf die Straße gegangen, nach München gegangen, nach Los Angeles gegangen jetzt. Wir sind so emotional. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich das sage, weil wir die Bilder gesehen haben, was für Barbaren unser Land besetzen.
Und ich find es gut, ich find es gut, dass wir uns vereint haben. Ich find es gut, dass wir langsam merken: Gegen den Tyrannen kannst du nur ankommen, wenn du vereint bist, und nicht mit den Gruppierungen, wie damals bei Masa Amini, links, rechts, oben, unten. Die sind viel enger zusammengerückt.
Reza Mehman: Ich kann dir eine Sache sagen: Mein Eindruck ist momentan, weil du gerade gesagt hast, vereint, ich hab jetzt schon ein paar Podcasts zum Thema Iran gemacht. Ich hab nicht den Eindruck, dass Iraner vereint sind. Also was ich da teilweise an Kommentaren bekomme, wo du denkst.
Reza Shari: Du musst nicht das Gefühl haben, du musst nur zählen. Die Welt besteht aus Zahlen, Mathematik und Physik. Wenn 250.000 Menschen in München sich vereinen, das spricht für sich. Das hätte es bei Masa Amini nicht gegeben, hat es auch nicht. Die größte Demo weltweit war in Berlin und es waren um die 80.000 Leute, und jetzt sprechen wir über 250.000 Menschen. Ich denke, es waren sogar mehr.
Ich bin da steckengeblieben. Ich hatte einen Interviewtermin, ich bin steckengeblieben, wir sind trotz Ordnern, die uns dahin führen wollten, nicht weitergekommen. Es war brutal.
Reza Mehman: Ich hab gesehen, du warst auf dem Weg dahin, das hab ich noch gesehen.
Reza Shari: Ich hab meinen Slot verpasst zum Interview, ich konnte nicht dahin.
Reza Mehman: Ich hab aber trotzdem das Gefühl, ich glaub dir mit den Zahlen und so weiter, aber so viel Gegenwind, wie ich bekommen habe. Ich hab einen Podcast gemacht und sage zum Beispiel: Hey, Reza Pahlavi ist aus meiner Sicht der logischste Kandidat, der uns von dem Regime befreien kann. Und das Erste, was ich als Kommentar bekomme: Ja, sein Vater war der größte Diktator aller Zeiten, der hat genauso nichts drauf, der Reza Pahlavi, und so weiter und so fort.
Also das Thema vereint sehe ich momentan wirklich leider gar nicht. Ich weiß nicht, ob das einfach nur ein paar Internettrolle sind. Und vielleicht auch zu einem Punkt kommen: Meine Befürchtung ist, dass das aktuelle iranische Regime so stark vernetzt und mit Technologie ausgestattet ist, leider auch mit viel Geld ausgestattet. Ich frage mich, ob ohne Hilfe von außen überhaupt ein Regimesturz kommen kann. Auf der einen Seite gibt sich das iranische Regime total stark, vernetzt mit Technologien, kann das Internet abschalten. Auf der anderen Seite im Zwölftagekrieg mit Israel, da sind die Israelis eingewandert, haben gefühlt ein paar Bomben abgeworfen und sind wieder rausgegangen, und kaum Gegenwehr von Iran.
Reza Shari: Wir mischen gerade mehrere Themen zusammen, lieber Reza. Lass uns eins nach dem anderen bearbeiten. Du sprichst über Gegenwind der Revolution, was wir gerade haben. Dann würde ich gerne wissen, zunächst mal, wer das sind. Gegenwind muss ja selbst eine Kraft haben, sonst ist es kein Wind, sondern ein Windchen. Also wer sind es?
Das sind, ich kann es dir genau sagen, der stärkste Gegenwind sind die Mojahedin, M.A.K. Warum? Weil die Geld haben, weil das eine Sekte ist, die ihre Mitglieder ausbeutet und dadurch auch Geld verdient. Das ist so die eine Ecke. Die zweite ist das Regime selbst, mit Internet- und Social-Media-Guerilla-Leuten. Und mehr ist es nicht. Aber die können eine Riesenwelle schlagen. Nur noch mal: Ein Gegenwind ist es nicht, das ist ein Windchen. Und das wissen wir.
Ein echter Wind ist das, was sich hinter Reza Pahlavi, unserem Kronprinzen, gesammelt hat, und man hat einen richtigen Wind, ja, nicht nur Wind, sondern einen Taifun gesehen. Wir haben zwei bis drei Millionen Menschen an einem Tag auf der Straße gehabt. Zahlen sprechen für sich. Und ich frage mich, ob du die Videos und die Snippets nicht aus dem Iran siehst. Die schreien alle nach ihm. Also alle, die auf die Straße gegangen sind, schreien Javid Shah. Alle Wandbemalungen sind: Wir wollen den Schah. Alle Aussagen aus dem Land, sogar die Universitäten schreien alle nach ihm, ob wir das wollen oder nicht.
Und ich bin jemand, der das Thema komplett neutral gesehen hat, bis ich überzeugt war, dass er der Einzige ist, was uns praktisch dahin führen kann. Zumal ich, was ich bei ihm toll finde: Der sagt, ich will gar nicht an die Macht. Das ist sogar in seiner Organisationsschrift gegeben. Der sagt, nein, ich möchte überhaupt nicht regieren, ich werde auch nicht kandidieren. Ich will euch bis zur Urne führen, weil ich sehe, mein Land geht auf den Bach runter.
Reza Mehman: Das hat er auch auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt.
Reza Shari: Dazu kommen wir. Zum Thema Wind und Gegenwind: Ich persönlich biete dir an, wir können gerne gemeinsam mal Recherche treiben. Ich kann dich gerne mal zu mir einladen, dann siehst du, wie ich arbeite, wie ich dokumentiere, wie ich vorgehe. Und dann wirst du sehen, diese Parasiten, verzeih meine Ausdrucksweise, die da sagen: Oh, Reza Pahlavi ist so wie der Vater, und so. Dann sollten sie sich mal erkundigen, wie der Vater war. Dem Iran ging es noch nie besser als während er da war.
Ja, die ganze Infrastruktur. Wir hatten einen der besten Pässe der Welt, wir hatten eine der stabilsten Währungen auf der Welt. Wir hatten kaum Arbeitslosigkeit, wir hatten Industrie. Die größten Firmen, darunter Mercedes, wir hatten eine der attraktivsten Arbeitsstellen im Nahen Osten. Da haben Israelis, israelische Ingenieure, Deutsche bei uns gearbeitet, wir haben sogar Gebiete, die nach Deutschen benannt sind. Wir waren enorm attraktiv gewesen, und wenn es wirklich noch zehn Jahre weitergegangen wäre, wären wir Singapur Nummer zwei.
Reza Mehman: Ich geb dir zu 100 Prozent recht. Ich hab sogar im Rahmen eines Podcasts gesagt oder die Behauptung hingestellt: Ich bin mir 100 Prozent sicher, wenn es den Schah noch geben würde, würde es heute kein Dubai geben. Teheran wäre das heutige Dubai.
Reza Shari: Also ich frag mich, was ist denn Dubai? Dubai ist momentan ein Sammelbecken von Scharlatanen, die Geld klauen und da hingehen. Also ja, ist so, sorry, ich hab da auch Produktion gehabt. Sei mir nicht böse, aber Dubai, was ist denn Dubai? Das ist eine Blase.
Reza Mehman: Ich hab die positiven Seiten von Dubai gemeint. Ich glaube, dass Teheran heute quasi so eine Art Anziehungskraft hätte, wie Dubai sie hat.
Reza Shari: Wir haben viel mehr Tiefe. Wir können uns nicht mit Dubai vergleichen, wir müssen uns mit anderen Ländern vergleichen, die Hochkultur haben. Ich find, Dubai ist gemacht in den letzten 30, 40 Jahren. Ich erinnere mich, das erste Mal, wo ich in Dubai war, war um das Jahr 2000, da war nichts, und es ist alles aus dem Boden gestampft.
Aber Kultur kann man nicht aus dem Boden stampfen, und Kultur hat immer über Politik gesiegt. Kultur hat immer über Finanzen gesiegt. Warum? Weil Hochkultur kannst du nicht zerstören. Ich geb dir ein Beispiel: Als der Islam den Iran erobert hat oder erobern wollte, durfte man kein Persisch sprechen. Man hat uns die Zunge abgeschnitten, als wir Persisch gesprochen haben, und haben die das geschafft? Nee. Weißt du auch warum?
Reza Mehman: Ich glaube, wir haben eine viel ältere Kultur, die so tief.
Reza Shari: Wir haben die Poesie, wir haben Hafez, wir haben Sadi, wir haben die Schahname von Ferdusi, das kannst du nicht wegdenken. Da kannst du so viel Gegenwind bringen, wie du willst, das geht nicht. Eine Hochkultur kommt wieder wie Phönix aus der Asche, und ich verspreche es dir, so wahr ich hier sitze, es dauert nicht lang, bis die persische Hochkultur wieder dafür sorgt, dass da unten Ruhe ist, dass gewisse Sektenideologien, nenn es wie du möchtest, zurückgedrängt werden durch die Kultur. Und da brauchen wir auch nicht mal Trump dafür. Das dauert zwar länger, aber es wird kommen.
Reza Mehman: Also, wie gesagt, ich glaube, nur um es klar und deutlich zu machen: Wir sind auf der gleichen Seite. Ich stelle kritische Fragen.
Reza Shari: Ich bin emotional dabei. Nicht, dass du denkst, ich denke, du bist nicht auf meiner Seite. Im Gegenteil, ich find es gut, dass du solche Fragen stellst, weil dann kann ich es berichtigen. Ich find es toll.
Reza Mehman: Ich bin tatsächlich quasi auf der gleichen Seite wie du, das ist mir schon aufgefallen, als ich deine Instagram Stories gesehen habe. Ich stelle quasi die Fragen, die mir häufig gestellt werden. Ich kenn sogar aus meinem Umfeld Leute, die sagen, der damalige Schah war ein Tyrann mit Sawak, dass er Menschen hat umbringen lassen und so weiter. Ich weiß, dass auch viel Falsches mit dabei ist, das ist mir 100 Prozent bewusst.
Er war einer, der sehr pompös gelebt hat, und es gab trotzdem auch Armut im Land. Das ist eine Sache, die mir häufiger erzählt wird. Ich kann dir sagen, ich hab zu der Zeit, 1979, nicht gelebt. Ich bin Baujahr 83, ich kann es nicht beurteilen. Manchmal hab ich den Eindruck, der Schah hätte, darf ich dazu was sagen? Selbstverständlich. Ich glaube manchmal, der Schah hätte, wenn ihm vorgeworfen wird, er war radikal gegenüber Islamisten und so weiter, wenn ich es mir heute anschaue, denk ich mir, er hätte es sogar vielleicht noch radikaler sein müssen, wenn ich ehrlich bin. Dann hätten wir die ganzen Probleme heute nicht. Das ist so mein Eindruck.
Was mich aber wundert, und ich möchte jetzt nicht zu weit springen: Mal angenommen, der persische Schah war ein schlechter Mensch, glaub ich nicht, aber mal angenommen. Und Reza Pahlavi, so wie er sich heute darstellt, erscheint mir als jemand, der tatsächlich für einen Regime Change einstehen möchte und die Menschen wählen lassen möchte, was passieren soll. Ich empfinde ihn als einen Freigeist, der was Gutes für die Menschen im Iran möchte. Er wird aber andauernd aufgefordert, sich von seinem Vater zu distanzieren. Das ist quasi das, was ich am meisten lese.
Wieso distanzieren sich, selbst in den Nachrichten, wir reden von ARD, Tagesschau, wahrscheinlich kennst du dieses Interview, dieses unmögliche Interview, was die Moderatorin da an Fragen gestellt hat an Reza Pahlavi, fand ich extrem unhöflich. Sie hat auch gefragt: Distanzieren Sie sich von Ihrem Vater? Er geht da nicht so drauf ein, er wird seine Gründe haben, die ich nicht beurteilen kann.
Aber was entgegnest du Menschen, die sagen: Moment mal, unter dem Schah gab es auch eine schlechte Seite, er hat pompös gelebt, das hat der Reza Pahlavi auch einmal zugegeben, ein bisschen zu extrem über den Mitteln gelebt. So hat er es ausgedrückt.
Reza Shari: Ich wundere mich, lieber Reza, dass du als guter Forscher und Podcaster überhaupt Gehör schenkst den Öffentlich-Rechtlichen. Wirklich, das ist für mich ein Rätsel, dass du mir überhaupt diese Frage stellst.
Reza Mehman: Weißt du, über 200 Euro im Jahr dafür zahle ich, ich erwarte eine gute Recherche von denen, wenn ich ehrlich bin.
Reza Shari: Öffentlich-Rechtliche sind für mich, bitte meine Ausdrucksweise zu entschuldigen: Das ist wie Häppchen, das ist zerkaut, verdaut, rausgekommen, dann siehst du es. Also wenn jemand anfängt, so mit einem Kronprinzen zu reden, der Typ ist nun mal Kronprinz, da kannst du drehen wie du willst, unhöflich, herabschauend, respektlos und mit diesem Schmunzeln. Nur weil sie denkt, dass sie blaue Augen hat und gerade gestylt aus der Maske rauskommt, kann sie mit einem Kronprinzen so umspringen? Also: zerkaut, verdaut, rausgekommen. Das ist für mich das Interview gewesen. Es hat mit Journalismus, mit Recherche, mit Auftritt überhaupt nichts zu tun.
Ich find, der Mann hat Politikwissenschaften studiert und ist Kampfjetpilot und hat die Hälfte seines Lebens oder länger in einer Demokratie gelebt. Er hat in den besten Eliteschulen dieser Welt die Demokratie unterrichten gelernt. Der hat nicht eine Art von Hirnwäsche gehabt, wie viele andere Menschen, die in dem Land leben und Chamenei nachfolgen wollen. Nein, er ist durch und durch ein Demokrat.
Er ist ausgeglichen, er ist so dermaßen ruhig in seiner Person. Er betreibt Sport, er spielt Musikinstrumente, er ist enorm durchorganisiert, er hat die Bewegung durchorganisiert. Das zeigt, dass dieser Mann enorm klar ist und in sich Ruhe gibt. Ich fand es genial, wie er auf der Münchner Sicherheitskonferenz war.
Reza Mehman: Das Interview von Sina Amon fand ich.
Reza Shari: Ein Wahnsinn, wie souverän. Da war mir klar, dass ihre Anstalt solche Fragen stellt, bam, bam, bam. Für mich gibt es keine Alternative. Wenn es welche geben sollte, dann sollen diese Windchen, die um die Ecke kommen, mal nennen. Ich würde gerne meine Stimme, wenn ich mal an die Urne gehe, auch mal jemandem anderen geben wollen. Dann nennt mir einen einzigen oder eine einzige Person, Mann oder Frau, ist egal, bitte nennen.
Also meine Erwartung ist: Falls jemand den Kronprinzen kritisiert, kommt einfach mit Fakten und bietet mir eine Alternative an. Er sagt das selbst in allen Interviews: Ja, hey, wenn ihr das machen wollt, kein Problem, nennt mir denjenigen, vielleicht können wir zusammenarbeiten, vielleicht kann ich denjenigen sogar unterstützen, weil ich will eh nicht regieren. Aber weißt du, was kommt? Meistens Windchen, nichts.
Reza Mehman: Wir haben es nicht abgesprochen, aber ich hab viele Argumente, die du genannt hast, auch schon verwendet. In Kommentarzeilen, wenn die kamen: Hey, der Reza Pahlavi, der ist ja Kampfjetpilot, der noch nie in einem Kampf drin war und so weiter und so fort. Dann hab ich auch gesagt, Moment mal.
Reza Shari: Man muss sich das mal vorstellen, was man aushalten muss, körperlich, weißt du was das heißt, Kampfjetpilot zu sein? Was für Reaktionen man haben muss. Deshalb ist er auch in seinen Interviews so cool.
Reza Mehman: Genau, genau. Aber ich find es interessant: Da werden Sachen zum Vorwurf gemacht, er ist Kampfjetpilot ohne praktische Erfahrung, also im Krieg und so weiter.
Reza Shari: Das zeigt mir, wie idiotisch manche Menschen sind.
Reza Mehman: Genau. Dann denk ich mir, Moment mal, die Ausbildung ist ja wahrscheinlich trotzdem sehr schwer. Oder ihm wird vorgeworfen, er ist in ein gemachtes Nest hineingesetzt worden, er hat Multimillionen geerbt. Dann sag ich, stimmt nicht, aber selbst wenn es stimmen würde: Wieso regst du dich, lieber Internettroll, nicht darüber auf, dass die ganzen Kleriker ihre Kinder in Monaco auf Jachten Partys machen lassen, während alle anderen hungern? Und du wirfst jemandem vor, der geerbt hat, was auch immer da war. Aber irgendwie über die hunderte, wenn nicht tausende Kleriker und deren Kinder und deren Familien und Verwandten, die alle über den Maßen leben, darüber regst du dich nicht auf.
Reza Shari: Weißt du, ich würde in deiner Arbeit da gar nicht so weit kommen lassen, dass du dich rechtfertigen musst. Ich sag dir mal eine ganz einfache Geschichte. Sobald man an die Macht kommt, hat man immer Gelegenheiten, selbst sich was in die Tasche zu erwirtschaften. Ist so. Es gab noch nie Führungen, die das nicht getan haben. Jetzt Achtung! Diese primitiven Menschen, die diese Aussage tätigen, müssen dann auch für die Maskenaffäre was sagen. Dann müssen sie für die Parteispenden was sagen, Millionen, Milliarden, die da fließen. Da sagen die nichts.
Aber wenn ein Kronprinz aus einem Königreich stammt, das heißt, Ländereien gehören dem König, die haben auch selbst enorm viel Geld erwirtschaftet, da ist man auf einmal empört? Die haben keine einzige Staatsjuwelie aus dem Land genommen, sondern nur private. Die haben das jetzt entdeckt, alles liegt da, wie es war. Trotz allem waren sie reich, das waren Könige. König von England, was haben die für Vermögen? Wie primitiv muss man sein zu sagen, ja, der ist ein gemachtes Nest? Ja klar, das waren Könige, sorry. Und jetzt kommt es: Die Menschen, die das sagen, dann sollen sie bitte den Mund auch aufmachen, wenn hier Spendenaffären sind, Maskenaffären sind und ganze Politiker, hier in Mannheim hat Löbel ja auch gelöbelt.
Ja, so ist der Mensch. Klar, wenn man an die Macht kommt, denkt man erst an sich, an die Umgebung, vielleicht die Familie. Und dann: Der Vater, die ganze Pahlawidynastie, hat für das Volk enorm viel gemacht. Klar, haben sie auch was in die Tasche erwirtschaftet, logisch. Aber für die Bevölkerung, meine ganze Familie erzählt das, meine engen Verwandten, Tanten, Onkels, die sind sogar damals für den Sturz auf die Straße gegangen und jetzt sagen sie: Reza, wir bereuen es zutiefst. Warum? Weil wir sehen, was dieser Mann damals getan hatte, und wir es nicht gesehen haben. Wir waren brainwashed von den Linken. Übrigens, die Revolution damals haben die Linken uns eingedrückt, richtig schön einmassiert. Also wer mir so kommt, dass Reza Schah und sein Sohn Sachen in die Tasche erwirtschaftet haben: Ja, mit Vergnügen haben die das gemacht, aber die haben auch für das Volk enorm viel gemacht.
Reza Mehman: Genau, das ist der Punkt. Da werden einzelne Sachen angesprochen, und ich sehe ab und zu die ganzen Videos von den Kindern der Kleriker, die irgendwo in Monaco und auf Yachten Partys machen. Dann denk ich mir, wieso reden die Leute nicht darüber?
Reza Shari: Nicht vergleichen. Das ist ein Kronprinz, wir müssen überhaupt über den Mann anders sprechen. Ich bin da auch ein bisschen empfindlich, weil ich sage: Menschen, die als Prinzen geboren werden, muss man anders behandeln, man muss sie wenigstens als Euer Hoheit ansprechen, wenn man einen öffentlich-rechtlichen Auftritt hat. Du kannst sein, wer du bist, aber das ist genauso wie damals Baerbock, die den Minister in China belehren wollte. Da sag ich so: Was wollen Sie überhaupt von mir? Wer sind Sie überhaupt? Man darf in der Diplomatie, aber auch auf dieser Ebene, nicht mit einem Prinzen so sprechen und man darf auch nicht die Menschen, die das einfordern, so weit kommen lassen. Das geht nicht.
Reza Mehman: Ich geh tatsächlich auf diese Diskussion ein, ich sollte das viel weniger tun, da bin ich voll bei dir.
Was ich vorhin verpasst habe zu fragen: Diese Anschläge bei dir auf dein House of Beauty, richtig? Übrigens, toller Laden, meine Schwester war schon bei dir. Was für Menschen glaubst du, verüben diese Anschläge? Das ist ja auch kein Spaß. Ich hab hier zum Beispiel einen Artikel gelesen, der erst gestern rausgekommen ist.
Reza Shari: Gestern rausgekommen ist, kommt andauernd der Artikel.
Reza Mehman: Genau, da steht einiges über dich drin, aber die Überschrift ist: Inhaber steht unter Opferschutz. Was bedeutet das, Nummer eins? Und Nummer zwei, was glaubst du, was für ein Typ Mensch einen Anschlag bei dir macht?
Reza Shari: Lieber Reza, seit eh und je gilt dieser Satz, den wir uns einprägen sollten: Wenn das Hirn aufhört zu funktionieren, nehmen Menschen Steine in die Hand. Punkt. Was soll ich auf diese Frage antworten? Was sind das für Menschen? Sind das Demokraten, sind es Pro-Palästina-Typen, sind es Antifa, sind es Rechtsradikale, was sind es? Im Endeffekt ist es egal, das Hirn funktioniert nicht.
Reza Mehman: Und Opferschutz heißt was genau?
Reza Shari: Ich hatte vorgestern ein Meeting mit einer Behörde, Exekutive. Ich darf darüber nicht reden.
Reza Mehman: Einverstanden.
Reza Shari: Ich darf über das nicht sprechen.
Reza Mehman: Einverstanden. Aber das zeigt noch mal die Dringlichkeit des ganzen Themas. Ich hab das tatsächlich auf Instagram das erste Mal bei dir gesehen, wie die Scheibe eingeschlagen worden ist.
Reza Shari: Das war das dritte Mal.
Reza Mehman: Genau. Das ist für mich verrückt, dass die Leute zu solchen Mitteln greifen.
Reza Shari: Ja, wir als normal denkende Menschen können das auch nicht verstehen. Das können nur Hirnlose verstehen. Wir verstehen das nicht. Weil wenn ich ein Problem mit dir hab als Demokrat und deine Ideologie nicht vertrete, setz ich mich vor dir und spreche: Können wir drüber reden? Ich kann deine Meinung teilen oder auch nicht teilen, aber wir sind trotzdem Menschen und leben weiter. Ich geh da nicht hin und schmeiß dir die Scheibe ein.
Reza Mehman: Ich muss noch einmal springen, sorry dafür, ich hab es vorhin verpasst. Es sind so viele Themen, die jetzt gerade zusammenspielen.
Reza Shari: Ich weiß, ich bin auch ein bisschen kantig, eckig, das merkst du wahrscheinlich im Gespräch. Aber ich hab aufgehört, weich zu sprechen. Ich bin provokant, nur durch Provokation bleibt man im Gedächtnis.
Reza Mehman: Ja, 100 Prozent. Darf ich noch mal fragen, wie bist du damals aus der Haft entkommen? Also ich hab das grob gelesen, aber vielleicht für die Zuschauer, dass sie das noch mal verstehen.
Reza Shari: Es ist so: Du kennst das Land, mit Geld kann man alles machen. Es gibt solche Kartelle, die übrigens unterteilt sind für Menschen, die im Ausland leben: fangen, reinbringen, foltern, auf Kaution loslassen, eventuell dann wieder reinbringen. Das ist dann ein Geschäftsmodell. Das sind rund 500 Menschen, die das machen und die verdienen Millionen. Durchschnittlich zwischen einer Million und manchmal zwei bis drei Millionen verdienen sie je nachdem pro Person, die im Ausland lebt.
Wenn ich meinen Onkel nicht hätte, wäre ich jetzt nicht vor dir gesessen. Da hat man einen Weg zum geistlichen Richter gefunden und konnte dann Grundstücke übertragen, bestechen, und das weiß ich alles im Nachhinein. Als ich da drin war, wusste ich ja gar nichts. Ich war ja in der Todeszelle.
Übrigens, meine Zähne sind auch daher: Die waren alle weg, abgebrochen, Augen kaputt.
Reza Mehman: Deswegen hast du diese Brille an.
Reza Shari: Ja, einfach als Schutz. Wenn es zu hell ist, ist es unangenehm.
Grundsätzlich: Wie ich da rausgekommen bin? Man hat es geschafft, dass der Richter mich auf Kaution bis zur Verhandlung freilässt. Da war eine horrende Summe an Kaution, und natürlich musste auch, damit er das überhaupt erlaubt, viel getan werden.
Dann bin ich auf Kaution raus. Die erste Verhandlung war, und dann hat man mir vier Jahre und sieben Monate Haft gegeben, und dann hast du Zeit, in die Revision zu gehen. Wir haben Revision beantragt. Übrigens, du darfst nur bestimmte Anwälte aussuchen, die auch unter der Decke sind mit denen.
Im Nachhinein ist es echt lustig: Ich hab dann, der Anwalt ist dann in das Gebäude rein. Ich werde nie vergessen: Ich saß dann auf dem Boden. Du musst dir vorstellen, ich hab siebeneinhalb Kilo abgenommen, meine Augen waren tief, ich sah aus wie ein Junkie, meine Haare waren ausgefallen. Ich hab Bilder, kann dir mal zeigen. Ich war ein Stück Elend, ich war tot, ich war seelisch so kaputt.
Reza Mehman: Was für ein Zeitraum war das? Wie lang ging das?
Reza Shari: Monate, es waren so acht Monate, ich weiß jetzt nicht mehr genau. Also diese Szene werde ich nie vergessen. Ich saß vor dem Revolutionsgericht, so nennt sich das.
Reza Mehman: Das hört sich sehr unparteiisch an, wenn ich ehrlich bin.
Reza Shari: Ich saß da mit einem Rucksack, weil ich gesagt hab, eventuell können die mich dort fangen. In diesem Rucksack hatte ich die wichtigsten Dinge, damit ich abhaue. Der Anwalt ist reingegangen und hat gesagt: Geh mit. Ich so: Nee, nicht, dass die dort auf mich warten in dem Gebäude. Er so: Ja, das kann ich verstehen. Allein dass der Anwalt das sagt, das heißt, solche Dinge passieren.
Er ist rein und hat mit dem Richter geredet. Wir hatten keinen Termin, wir wollten wegen der Revision den Richter fragen, ob wir Chancen haben oder nicht. Und jetzt kommt es: In der Revision sitzen drei Richter. Übrigens auf der gleichen Etage. Und einer von den Richtern ist genau der Richter, der dich verurteilt. Also die sind ja alle eins. Das heißt, du hast null Chance.
Wie gesagt, das weiß ich alles im Nachhinein. Wie viel du an den Anwalt bezahlen musst und so, brauch ich dir nicht zu sagen.
So, ich bin da gesessen, ich habe am ganzen Körper gezittert. Es gibt ja diese, wo Wasser entlang geht an der Straße: Bächle sagt man in Freiburg, so Bächle, und da läuft auch ein Bächle. Ich saß da, und ich glaube, das waren so meine schlimmsten Minuten, schlimmer als im Gefängnis. Weil wenn du draußen bist, ist es eigentlich schlimmer als drinnen. Ich wollte sehr oft, als ich so Flashbacks hatte, reingehen, weil du dich da geschützt fühlst. Die foltern dich seelisch so sehr, dass du denkst, diese Zelle ist deine Geborgenheit. Das ist schon eine krasse Nummer.
Und dann ist er rausgekommen, nach dreiviertel Stunde oder so. Der kam raus und meinte: Reza, Sie werden keine Chance haben. Sie müssen sich in einer Woche für die Haft in Haft antreten. Und da bin ich geflohen.
Reza Mehman: So wortwörtlich abgehauen?
Reza Shari: Nein. Ich bin zuerst zu meiner Tante, nie zu meiner damaligen Partnerin, ich weiß gar nicht mehr, ich war total kaputt. Ich kam damals heim und hab gesagt: Ja, ich geh zu meiner Tante. Die wusste auch nicht, dass ich dann weg bin. Dann bin ich zu meiner Tante. Meine Tante wusste das auch nicht. Der einzige Mensch, der das wusste, war mein Onkel.
Und mein Bruder ist dann in den Iran gekommen und ist dann mit mir drei Tage lang über die Berge in die Türkei geflohen, mit Menschenschmugglern. Wir mussten Autos wechseln, Handys und so wegschmeißen, damit die uns nicht erkennen. Wirklich wie Mission Impossible, wie Jason Bourne, das ist eine ganz krasse Nummer. Und dann über die Heroinroute bin ich geflohen.
Reza Mehman: Super crazy. Gott sei Dank.
Reza Shari: Und das Fliehen an sich ist auch viel schlimmer gewesen, als man sich denkt.
Reza Mehman: Klar, wenn du um dein Leben bangst in so einer Stresssituation, verrückt. Tut mir auch richtig leid, das zu hören, dass du das mitgemacht hast.
Wenn wir jetzt aber wieder auf die aktuelle Zeit zurückkommen: Braucht Reza Pahlavi Unterstützung der USA für einen Regime Change, oder schafft er das auch ohne?
Reza Shari: Das ist nicht seine Aufgabe, das braucht er nicht. Das fand ich ganz toll, wie der Senator das auch gesagt hat.
Reza Mehman: Meinst du von Reza Pahlavi, oder?
Reza Shari: Nee, Regime Change geschieht von innen. Er kann unterstützen, nur weil wir dann eine Führung haben. Ein Ziel braucht eine Führung. Aber ich wollte darauf hinaus.
Reza Mehman: OK. Reza Pahlavi, oder die Iraner, brauchen sie die USA für diesen Regime Change?
Reza Shari: Es geht um die Zeit und Schnelligkeit. Wenn wir eine Intervention haben, was wir wollen, durch Israel oder Amerika, geht es viel schneller. Wenn nicht, wird es dauern, aber es wird kommen.
Reza Mehman: Und was glaubst du, was wird passieren? Wird die USA sich einmischen?
Reza Shari: Die Politik von Trump ist ja Unberechenbarkeit, ne? Das war in der Geschichte von Amerika, ich muss das noch mal recherchieren, entweder war das Roosevelt oder Nixon, genauso. Die blinken links, fahren rechts, die blinken rechts, fahren links. Unberechenbar. Weißt du, wie schwierig das ist für deinen Feind, unberechenbar zu sein? Ja, das ist seine Politik.
Reza Mehman: Ja. Ich find es sehr interessant.
Reza Shari: Genau, weil du meintest, ob der angreifen wird. Ich persönlich denke nicht, dass so viele Milliarden ausgegeben werden, um dann nichts zu tun.
Reza Mehman: Da bin ich 100 Prozent bei dir. Ich hab dazu nämlich einen sehr interessanten Clip gesehen. Lee, wenn du kurz auf meinen Rechner schalten könntest.
(Eingespielte englische Audio-Einspielung über US-Militärpräsenz im Nahen Osten und Kriegsbereitschaft gegenüber dem Iran)
Reza Mehman: Ich hatte genau darauf hinauswollen.
Reza Shari: Auf jeden Fall. Das ist eine Sache. Und zweitens: Wir haben heute Donnerstag. Heute war ein Gespräch, das ist noch nicht zu Ende, glaub ich, oder ich konnte die Nachricht noch nicht verfolgen, weil ich dann direkt hierher kam. Die greifen immer an, wenn die Börse geschlossen ist. Tag drauf, crazy, ist so. Warum? Ölpreisschwankungen.
Aber lieber Reza, ich möchte dir eine Sache sagen: auch wenn die nicht angreifen. Was ist die größte Waffe Amerikas neben dem Militär?
Reza Mehman: Größte Waffe Amerikas: Die haben die Weltreserve, den US-Dollar.
Reza Shari: Ja, passt schon, ja, Dollar. Das ist die größte, beste, effektivste Waffe Amerikas. Was passiert jetzt gerade im Iran? Die höchste Inflation, die die Menschen je erlebt haben. Ganze Dollars werden aus dem Land geschafft, kein Tropfen Öl kann verkauft werden, momentan nehmen Ressourcen ab, die Leute werden hungriger und hungriger. Übrigens, das iranische Rial ist entwertet worden, also ist weniger wert als Papier, momentan so.
Was bedeutet das? Amerika kann da nur stehen, nur stehen, nur seine Macht demonstrieren am Golf, auch oben in Aserbaidschan und so, das ist ja komplett jetzt belegt mit Bombern. Einfach da stehen, um zu gucken, wie die Wirtschaft, das Geld, die Ressourcen sinken. Und glaube es mir: Nicht mal drei Monate können die aushalten. Nicht mal drei Monate. Die ganzen Milizen müssen bezahlt werden, der ganze Apparat muss hingehalten werden. Und eines ist sicher: Sobald du keine Kohle hast, brichst du viel schneller zusammen als gedacht.
Amerika muss nicht angreifen. Ich sag ja, es dauert länger. Aber im Endeffekt schätze ich, wenn nicht dieses Wochenende, dann das Wochenende drauf wird ein Angriff geben. Inzwischen sag ich sogar durch Israel, weil ich merke, wie still es um Israel gerade ist.
Reza Mehman: Das wundert mich krass.
Reza Shari: Ich muss sagen, ich find es genial, wie diese politischen Bewegungen sind, und ich da durchblicke, hab ich das Gefühl. Und relativ sicher: Das Regime wird so überhaupt nicht mehr geben. Das Kartenhaus des religiös-faschistischen Regimes ist dagestanden, das untere Blatt ist jetzt weggezogen, und es dauert, bis das zusammenfällt.
Reza Mehman: Siehst du irgendeine Option, irgendeine Sache, die jetzt passieren könnte, wo kein Regime Change doch mehr stattfindet? Als Beispiel: Das Regime sagt, wisst ihr was, wir haben ein paar Fehler gemacht, wir geben euch diese Freiheiten. Ich kann mir das nicht vorstellen, dass die Menschen im Iran das jemals vergessen werden. Niemals wird das ein Iraner vergessen, was im Januar passiert ist. Aber denkst du, es gibt irgendetwas, wo das Regime sich doch noch rettet?
Reza Shari: Also zum Thema: von wegen, wir haben Fehler gemacht. Du hast es mit einer Ideologie zu tun, nicht mit einer Regierung, die Fehler zugibt. Wenn du eine Ideologie der Tyrannei vertrittst, kannst du nicht mittendrin sagen: Ach nee, wir haben Fehler gemacht. Das geht nicht. Die nennen sich ja Vertreter Gottes auf der Erde. Das machen übrigens alle Faschisten, alle Diktatoren: Die denken, sie sind Gott. Gaddafi genauso, Saddam Hussein genauso, Hitler, der war ja Welteroberer. Die sind in ihrer Macht so eigenbesessen, dass sie sich als Gott bezeichnen.
Chamenei sagt ja, der Gott hat mir zugerufen, er hat mir vor ein paar Jahren zugerufen, ab jetzt bin ich der Vertreter Gottes. So, was für einen Fehler hat er denn gemacht? Nehmen wir an, du kannst dich in seiner Lage versetzen: Was hat er für Fehler gemacht, dass er 50.000 Menschen umgebracht hat? Das wird er niemals zugeben.
Das Regime an sich, diese Sache wird kommen. Es kommt drauf an, in was für einer Konstellation wir uns dann demnächst in den nächsten ein, zwei Wochen befinden, wie zum Beispiel Intervention durch Amerika, durch Israel oder die Dollar-Geschichte. Ich bin relativ sicher, wir werden das Regime nicht mehr als drei Monate sehen, allein wegen der Wirtschaft. Argentinien, das Gleiche bei Argentinien: Obwohl es frei war, da wo das Geld ausgegangen war, was ist passiert? Alle auf die Straße, bam.
Reza Mehman: Weißt du, warum ich gefragt habe? Ich hab vor Kurzem ein Video gesehen, wo ich glaube, es war Chamenei, der gesagt hat, es wäre in Ordnung, wenn ab und zu mal Frauen auf der Straße kein Kopftuch tragen. Ich weiß nicht, ob es ein Fake-Video war oder nicht, aber es sah für mich so aus, als ob die lockern, weil die wissen, sie haben nicht alles unter Kontrolle.
Reza Shari: Es passiert gar nichts. Die Leute wollen Kopftuch gar nicht, die tragen doch gar kein Kopftuch mehr. Also genau: Kopftuch ist eine Bewegung von den Reformern gewesen, von Rohani und Khatami, nach dem Motto: Durch Kopftuchlockerung können wir ein bisschen ventilartig aufatmen. Aber im Großen und Ganzen, es geht um die Kolonisatoren, es geht um das ganze System. Es geht nicht um Kopftuch. Die Leute wollen die nicht mehr, vorbei, das ist vorbei.
Guck mal, jede Familie hat irgendein Opfer in seiner Umgebung. Die haben Wut, das ist nicht mehr Protest, das ist richtig traurig. Guck mal: Obwohl sie so viele umgebracht haben, sind die Universitäten wieder voll. Warum? Weil denen das völlig egal ist, die haben keine Angst mehr. Ich hab letztens einen Artikel gelesen, fand ich total genial: Der hat geschrieben, das Regime hat angefangen, Angst einzujagen, aber hat damit nicht gerechnet, dass die Menschen an einem Punkt angekommen sind, dass das Angst sogar denen keine Angst mehr macht. Fand ich hochinteressant.
Reza Mehman: 100 Prozent. Du warst in München, ich hab das natürlich mitbekommen. Es wird ja von 250.000 Menschen gesprochen, da gibt es auch wiederum andere Zahlen, manche sprechen ja von 100.000, 150.000.
Reza Shari: Bestätigt, durch die Polizei.
Reza Mehman: In der Tagesschau eine ganz andere Zahl, wo ich mir auch denke, hey, das ist extrem komisch.
Reza Shari: Ich sag nur: öffentlich-rechtlich.
Reza Mehman: Einverstanden: zerkaut, verdaut. Ich hatte Bekannte dort, die haben von einer ganz besonderen Atmosphäre gesprochen. Ich hab eine Bekannte dort gehabt, die ist erst vor wenigen Jahren nach Deutschland gekommen, eine ganz liebe Dame, paar Jahre älter als ich. Und sie meinte, für sie war das so, als ob wirklich der iranische König, Reza Pahlavi, da aufgetreten ist, als ob er gerade da war. Und sie meinte, sie hat in dem Moment erst verstanden, wie viel Mist all die Jahre, als sie noch im Iran gelebt hat, ihr eigentlich eingetrichtert worden war: wie schlimm der Schah war und so weiter. Die Atmosphäre war so besonders, dass sie noch Gänsehaut bekommt, wenn sie jetzt daran denkt.
Reza Shari: Du willst wissen, wie ich mich gefühlt hab. Am Anfang, als wir da ankamen, übrigens, ich war mit der Denise, wir waren ja mit fünf Bussen, haben wir aus Mannheim mitgenommen, weißt du das? Das ist ein crazy Feeling. Und wir haben auch den bekanntesten Bus der Welt gehabt aus Mannheim.
Reza Mehman: Was heißt das?
Reza Shari: Wir haben unseren Bus gefilmt und als Story gepostet, nämlich als die Handylichter da oben waren. Wir haben, ich glaub, 20 Millionen Views, ne? Wow, um die 280.000, 300.000 Likes.
Reza Mehman: Da läuft einer durch den Gang und die Lichter werden hochgehalten, dann hab ich das gesehen.
Reza Shari: Ja, unter anderem. Auf jeden Fall: Jetzt unabhängig davon, wir kamen da an. Erstens fand ich es nicht ganz gut organisiert, gut, auf der anderen Seite: Die haben mit 100.000 gerechnet, aber es waren 250.000 Leute. Da muss man sie auch mal ein bisschen in Schutz nehmen.
Es hat geregnet und ich hatte einen Vergleich zu Berlin, damals bei Masa Amini. Ich fand die Atmosphäre damals in Berlin anormal, im positiven Sinne. Es war schönes Wetter im Oktober. Die Leute haben geweint und sich umarmt. Zum ersten Mal waren Exil-Iraner in so einer großen Zahl vereint.
München fand ich persönlich: Es waren brutal viele Menschen. Am Anfang, bis ich mich gefunden hab, hab ich sogar gesagt, ich bin total enttäuscht, wie das hier organisiert ist, weil es auch geregnet hat. Es war nass, wir waren richtig nass. Aber dann, wo er gesprochen hat und wir ein bisschen näher rankonnten, seine Rede fand ich toll, jetzt unabhängig von der Atmosphäre. Da wo er da war und die Leute nach ihm gerufen haben und seine Rede angehört haben, da hatte ich Gänsehaut. Ich fand: Als Highlight war das perfekt.
Reza Mehman: Kann ich mir 100 Prozent vorstellen.
Ich persönlich muss wirklich sagen: Reza Pahlavi ist eine Figur, die kaum wie ein anderer Mensch auf dieser Erde. Ich glaube, ganz wenige Menschen haben ein noch größeres Netzwerk als er. Er kann direkt mit Länderpräsidenten sprechen, kann direkt Leute aus einer anderen Ecke der Welt mit einbeziehen.
Was mich dann wundert, ist, dass über ihn gesagt wird, er ist aber nicht der Richtige. Ich hab dich verstanden, ich werd auch nicht mehr so viele darauf hören. Aber ich find es interessant, dass es doch einige gibt, die da sagen, nee, er schafft das gar nicht.
Das Einzige, was ich persönlich, und das mein ich nicht diskreditierend, Reza Pahlavi vorwerfen würde: Er hat eigentlich einen Draht zu Trump, und ich glaube, er hätte viel früher, viel aktiver ihn mit einbeziehen müssen. Ich glaub dir, wenn du sagst, der Change muss von innen kommen, aber wenn du einen Freund hast, der zufälligerweise der US-Präsident ist, den musst du viel früher abholen, finde ich. Ich hab vor einiger Zeit ein Interview mit ihm gehört, wo er explizit gesagt hat, wir brauchen keine Hilfe von irgendjemanden, Iraner schaffen das selbst. Ich weiß nicht, ob solche einzelnen Aussagen vielleicht anders hätten formuliert werden müssen, weil wenn du jemanden als Freund hast wie den US-Präsidenten, diese Karte musst du spielen. Das ist so mein Eindruck. Das ist das Einzige, was ich ihm vielleicht vorwerfen würde.
Reza Shari: Lieber Reza, so funktioniert Politik. Wenn er das machen würde, wäre er ein Puppet von Amerika, jemand, der in Salzlake eingelegt wird und dann als Puppe in den Iran reingesetzt wird.
Reza Mehman: Ich liebe es, dass wir Iraner immer so blumig sprechen.
Reza Shari: Ja, irgendwo muss das ja herkommen. Und ich find es gut, dass er das nicht gemacht hat. Das zeigt, wie stark ein Mann sein kann, dass er sich den noch Stärkeren nicht ins Boot holt. Nein, er wartet ab, bis er irgendwann sagt: Ich gehe in das Land, wer will mir helfen, um das Land aufzubauen? Bis zur Urne führe ich euch, den Rest müsst ihr selbst machen. Wer kann helfen? Welche Investoren kommen? Welche Staatsminister wollen wir?
Reza Mehman: Das Netzwerk hat er genau dafür.
Reza Shari: Achtung, ich will dir noch eines dazu sagen. Ich werde es nie vergessen. Vor einigen Jahren ist er nach Israel und hat die Hand auf die Klagemauer gelegt, mit Kippa. Als ich das Bild gesehen hab, hab ich gesagt: Der Mann wird kommen. Weil, Punkt: wegen der Vernetzung mit Israel. Wer Iran regieren will, muss mit Israel eins sein, geschichtlich, historisch, militärisch, wirtschaftlich, kulturell. Israel und Iran in der Historie, das ist eins. Der Schah war auch sehr eng mit Israel verbunden, korrekt.
Deshalb, als er das gemacht hat, wusste ich es. Und guck mal, er hat den Mund gehalten und hat nur an den richtigen Stellen gezogen. Er ist ein wahnsinnig guter Akteur, der ohne viel zu tun viel macht, und ich liebe seine Vorgehensweise. Man merkt, dass er auch Politik studiert hat.
Reza Mehman: Ich wurde gefragt von einem Kumpel von mir, warum die ganzen Israel-Flaggen jetzt auf den ganzen Iran-Demos mit dabei sind.
Reza Shari: Warum sollen wir Palästina-Flaggen hochhalten, oder was ist das für eine Frage? Ich verstehe Menschen nicht. Vielleicht will ich auch die deutsche Flagge, vielleicht die afrikanische. Ist derjenige ein Antisemit? Sobald jemand sagt, warum israelische Flagge, sag ich: Bist du ein Antisemit? Ich kann doch jede Flagge hochhalten, was ist deine Sache? Warum hältst du die israelische Flagge nicht hoch? Das würde ich sofort fragen. Ja, dann sind die mundtot, weil ich habe die Möglichkeit, tausende Flaggen hochzuhalten. Ich entscheide mich für Israel, der andere für Palästina.
Ich steige auf das Boot nicht ein. Also ich lasse mit mir da gar nicht zu arg diskutieren, weil ich merke, die haben Hintergedanken. Die haben gedacht, oh, Israel, oh, Kindermörder. Hallo, die sind schon vorbelastet, wenn sie so eine Frage stellen. Die sind keine Demokraten und denken nicht frei. Und dann muss ich aus der Reserve, ja, Iran, Historie, ah, wir hatten mit Israel nie Probleme, ah. Ich schlüpfe nicht in die Opferrolle, lieber Reza.
Reza Mehman: Ich bin 100 Prozent bei dir. Aber weißt du, das Thema ist, und ich weiß gar nicht, ob du es nachvollziehen kannst: Da gibt es diesen tollen Begriff von Herkunftsscham, den hab ich zum ersten Mal gehört von einem Afghanen, Kawa Yunusi, den ich kenne, der SAP-Mensch, ja, kenn ich sehr gut. Ich hab im Podcast mit ihm gesprochen. Er hat jahrelang anderen Menschen erzählt, dass er Kolumbianer ist. Es war ihm peinlich zu sagen, er ist aus Afghanistan wegen dem Taliban-Thema.
Weißt du, wo ich sofort die Verbindung hatte? Ganz früher hab ich auch gesagt, ich bin Perser, ich bin kein Iraner, ich bin Perser, das hört sich besser an. Und diese Herkunftsscham, immer so zu erzählen und: Ja, guck mal, wir sind gar nicht so böse, die Menschen im Iran sind anders.
Ich hab es auch in einem anderen Podcast gesagt: Ein ganz guter Freund von mir war vor, ich weiß nicht, 23 Jahren oder so im Iran. Er hat mich gefragt, er ist Fotograf: Du, denkst du, ich kann mal Iran bereisen? Ich so: 100.000 Prozent, wir sind das freundlichste und höflichste Volk, das er jemals erleben wird. Er ist zu meiner Großmutter gekommen, hat dort übernachtet, und hat mir danach gesagt: Reza, das war wirklich so, wie du es gesagt hast, die nettesten Menschen. Und sowas berührt mich dann, und dann bin ich auch wieder stolz auf meine Kultur.
Wenn ich dann zum Beispiel höre, dass der Chef der Polizeigewerkschaft sich bedankt hat, dass das die friedlichste Demonstration war, die er jemals erlebt hat.
Reza Shari: Weltweit, genau, weltweit. Wir haben keinen einzigen Vorfall gehabt an dem Tag, muss man sich mal vorstellen.
Reza Mehman: Und das macht mich wieder stolz zu sagen, ja, ich bin Iraner.
Reza Shari: Und weißt du auch warum? Jetzt weißt du auch warum wir die israelische Flagge hochhalten: weil wir friedlich sind, weil wir kultiviert sind, weil wir keine Gewalt wollen.
Reza Mehman: Ich bin immer in dieser Rolle, dass ich das irgendwie verteidigen muss, warum in den Medien immer eine Katastrophe über das Regime.
Reza Shari: Nein, lieber Reza: Menschen, die denken können, kennen den Unterschied, und die Restlichen brauchen wir nicht.
Reza Mehman: Ich glaub, wir beide sind einer Meinung. So viele Menschen denken leider nicht, das kommt leider nicht.
Reza Shari: Einstein hat das gesagt.
Reza Mehman: Ich hab noch eine Frage: Reza Pahlavi will uns an die Urne bringen, damit wir wählen dürfen. Wir haben aber all die Jahre nicht gelernt, wie man demokratisch wählt. Siehst du eine Gefahr, dass Reza Pahlavi es versucht, dass wir demokratisch wählen dürfen im Iran, aber die Leute, weil sie es nie gelernt haben, das vielleicht gar nicht hinbekommen?
Reza Shari: Ja, ich versteh es. Das ist erstens eine sehr berechtigte Frage. Es gibt da zwei bis drei Punkte, die ich gerne dazu ausführen würde. Erstens: säkular zu wählen, Säkularität, gab es bei uns schon immer. Wir waren eine Monarchie, Religion war getrennt. Das ist in unserer Historie drin und war seit eh und je so. Zwischendurch kamen irgendwelche Kabalen, aber das ist wieder eine andere Sache.
Zweitens: Die Menschen sind so gut informiert inzwischen. Wir haben eines der jüngsten Völker der Welt und haben inzwischen 33 Prozent Atheisten im Iran, und 1,5 Millionen Menschen sind zum Christentum konvertiert. Das besagt, dass sie mit diesem Mullah-Regime und dem Islam, den er verbreitet, abgeschlossen haben. Genau diese Menschen, die Atheisten geworden sind, die Christen geworden sind, die Dunkelziffer ist da viel höher, werden dafür sorgen, dass man säkular sein wird. Das ist schon ein Riesenschritt.
Parteibildung ist auch bei uns in der Geschichte. Es werden enorm viele Exil-Iraner zurückgehen. Ich kenne keinen um mich, der sagt, er geht nicht zurück. Und du?
Reza Mehman: Ich geh zurück, auf jeden Fall, obwohl du dir hier so viel aufgebaut hast.
Reza Shari: Auf jeden Fall. Das ist eine Ehrensache. Meine Heimat ist meine Mutter. Mutter kannst du dir nicht aussuchen. Meine Mutter braucht mich. Ich werde zurückgehen, 100 Prozent. Ich hab ein Video auf meinem Instagram-Account: Ich werde einen Flieger chartern, hab mich schon erkundigt. Kostet pro Flugstunde circa 20.000 Euro, sind sechs Stunden also 120.000 Euro. Kein Problem. Da können 250 Menschen drinsitzen. Verkaufe die Tickets, rechne mal durch, wir sind alle dabei. Glaube es mir.
Ich will nicht übertreiben: 80 Prozent der Exil-Iraner werden zurückgehen. Weißt du auch warum?
Reza Mehman: Wahrscheinlich, wie du gesagt hast, die Heimat.
Reza Shari: Das ist die eine Sache. Die zweite Sache ist: Europa und Amerika geht es momentan schlecht. Was soll ich in diesem Land? Ich hab Scharia vor meiner Haustür. Ich bin aus so einem Land abgehauen, um keine Scharia zu haben. Die schmeißen meine Schaufenster ein. Was soll ich in diesem Land?
Da kommt die Exekutive, setzt sich mit mir hin und sagt: Oh, Shari, eigentlich müssen Sie das Geschäft zumachen, dann kriegen Sie eine Wohnung in einer anderen Stadt. Was soll ich in diesem Land? Und dann schreiben da Hater: Ja, wenn es dir nicht gefällt, geh doch. Liebend gern, ich geh zurück, glaubt es mir. Und ich schwöre es euch, ihr werdet sehen, es dauert nicht lang, dass Deutsche zu uns kommen zum Arbeiten, so wie es damals bei Schah war. Die ganzen Ingenieure, die hier arbeitslos sind, Chemieingenieure, Maschinenbauingenieure, die werden alle schön im Iran.
Reza Mehman: Weißt du, was verrückt ist, weil du es gerade gesagt hast: Vor Kurzem war in den Nachrichten, dass die Arabischen Emirate keine Stipendien mehr vergeben und die Studenten sogar zurückrufen, die dürfen nicht mehr an englischen Universitäten studieren, weil die eigenen Menschen sich dort zum Islam radikalisieren.
Reza Shari: Ganz genau, ganz genau. Deshalb sag ich: Was soll ich hier? Verrückt.
Reza Mehman: Ich hatte das zuerst gar nicht gecheckt. Die haben sogar einige zurückgerufen.
Reza Shari: Ja, nein, nein, die haben sogar einige zurückgerufen.
Reza Mehman: Weil die gemerkt haben, die radikalisieren sich in einem christlichen Land zum Islam, radikalisieren sich und kommen dann zurück und machen da dann den Terz. Als ich das gehört hab, hab ich mir auch gedacht: Warum ist Europa so offen, so empfänglich gerade für Extremismus? Die haben doch die besten Beispiele, so wie du gesagt hast. Iraner sind aus dem Iran abgehauen vor so etwas und gerade jetzt haben wir die Gefahr, dass sowas hier auch passiert mit der Radikalisierung. Das find ich verrückt.
Reza Shari: Die haben ja unsere Politik unterwandert, die haben unsere Judikative unterwandert. Du kannst ja gar nichts mehr machen. Du kannst ja gar nicht mal sagen: Hey, ich möchte Ramadan nicht feiern. Da bist du islamophob. Der eine hatte unter einem Video von mir geschrieben: Ja, wenn du sicher sein möchtest, lieber Reza, ich fühle mit dir, aber wenn du sicher sein möchtest, kannst du deine Schaufenster mit Ramadanbeleuchtung belegen, dann bist du sicher. Ist verrückt.
Ich kann mir vorstellen, dass auch hier sehr viele Radikale gegen mich schießen werden, wenn wir solche Themen besprechen. Aber ich möchte mich einfach mit Menschen umgeben und unterhalten, die wirklich nicht gewalttätig sind, nicht meine Schaufenster einschmeißen, keine Morddrohungen geben. Ich verstehe die Welt nicht. Ich bin hierher geflohen, und wenn ich das hier habe, dann gehe ich lieber in meine Heimat zurück. Ich kann die Sprache, ich kann die Kultur, ich kann da Geschäfte machen.
Reza Mehman: Vielleicht eine Frage in diesem Kontext wegen Gewalt und so weiter: Siehst du eine reelle Chance, dass sogar in irgendeiner Form ein Attentat auf Reza Pahlavi ausgeführt wird?
Reza Shari: Er ist stark gefährdet, aber der hat auch Schutz.
Reza Mehman: Was passiert, wenn er nicht mehr da sein sollte? Denkst du, die gesamte Bewegung ist in Gefahr, die ganze Revolution ist in Gefahr?
Reza Shari: Denke ich nicht. Also, wie gesagt, er ist eine Hilfe, hab ich ja vorhin gesagt. Er ist nicht unser Regime Changer. Nein, er ist die Führung zum Ziel, aber der Weg hat schon begonnen. Wir sind in einer Revolution. Und historisch, ich weiß nicht, hast du Kinder?
Reza Mehman: Ja, zwei.
Reza Shari: Wie alt sind die?
Reza Mehman: 8 und 4.
Reza Shari: Ich verspreche es dir: Die werden irgendwann deren Kindern erzählen: Hey, damals war ich acht, als diese Revolution passiert ist. Ich hab es von meinem Papa so ein bisschen mitbekommen. Das, was wir als Revolution erlebt haben, als Kinder. Ich war, glaub ich, drei damals, ich erinnere mich gar nicht, aber meine Geschwister erzählen dann genau: Wir erleben gerade Geschichte.
Reza Mehman: Ich hab noch eine Sache, die ich persönlich sehr emotional finde. Ein paar Kommentare kommen immer wieder: Wieso engagierst du dich nicht in deinem Heimatland? Direkt als Vorwurf an mich. Also, warum gehst du nicht im Iran auf die Straße, beispielsweise.
Ich finde es nicht fair, Leute anzufeuern. Ich bin hier im sicheren Hafen Deutschland, relativ sicher.
Reza Shari: Na ja, und ja.
Reza Mehman: Ich weiß, was du meinst, aber es ist relativ sicher. Ich kann hier auf die Straße gehen, ich kann hier demonstrieren. Und warum tue ich das zum Beispiel nicht im Iran? Der gleiche Reza, wie ich jetzt hier bin, im Iran, auch mit Familie, zwei Kindern: Ich kann ihn nicht von hier anfeuern, ich möchte das nicht sogar, geh auf die Straße, riskier dein Leben, weil wenn er stirbt, hinterlässt er eine Familie. Das, was jetzt tausendfach im Iran passiert, das geht mir wirklich sehr nah. Und ich hab ein Problem damit, Leute anzufeuern, im Iran auf die Straßen zu gehen, nicht weil ich das Regime behalten möchte, ganz im Gegenteil. Ich hab eher ein Problem damit, dass ein Familienvater, eine Familienmutter getötet werden. Und die Familie allein gelassen wird. Das ist für mich crazy.
Reza Shari: Willst du fragen: Tun wir eigentlich den Menschen nichts Schlechtes, weil sie dann sterben?
Reza Mehman: Erstens das. Und eigentlich müsste doch jeder Iraner jetzt im Iran protestieren und nicht im Ausland. 250.000 Menschen in München gehen auf die Straße, was ich super finde. Ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendein Kleriker im Iran davon beeindruckt ist.
Reza Shari: Ich zeig dir jetzt vorweg 200 Nachrichten aus dem Iran, die an mich kommen: Vielen Dank, dass ihr unsere Stimme seid. Danke, dass ihr auf der Straße steht.
Reza Mehman: Stark, das beruhigt mich wirklich.
Reza Shari: Nicht nur ich: Wir bekommen als Aktivisten, also wir haben einen Riesendraht. Du glaubst gar nicht, wie gut es denen tut, dass wir das machen. Wir sind die Stimme der Opfer, wir sind die Stimme der Menschheit, die gerade dort unten kämpft. Was denkst du, warum die Universitäten wieder entfacht sind? Weil die gemerkt haben: Hinter uns ist die Diaspora.
So: Die gehen leider langsam. Wir sagen nicht: Geht auf die Straße. Die Parolen von uns sind: Wir sind eure Stimme. Jetzt, wenn ihr ruhig seid oder ruhig sein müsst, sind wir eure Stimme. Das sind die Parolen. Wir halten nur die Opfer hoch.
Unsere Bewegung ist ja nach dem Massaker gekommen, nicht davor. Wir haben nach dem Massaker reagiert und wir sagen nicht: Geht auf die Straße. Wir sagen: Macht, was ihr wollt, wenn ihr auf die Straße wollt. Das machen die ja sowieso von alleine. Warum? Weil die gar keine Angst mehr haben. Die Leute gehen auf die Straße, weil die Hunger haben. Die Leute gehen auf die Straße, weil sie Regime Change wollen. Die gehen auf die Straße, weil die den Schah wollen. Die gehen auf die Straße, weil die nicht mehr so leben wollen. Und wir sind deren Stimme.
Reza Mehman: Guter Punkt. Aber ich glaube, du hast auch verstanden, womit ich kämpfe.
Reza Shari: Man hat so eine Art schlechtes Gewissen. Man sagt: Oh, ich protestiere und die sterben da ab. Eine der Parolen war: Du wirst mit einer Kugel getroffen, sterben tun wir hier.
Weißt du, was wir für Probleme momentan in der Diaspora haben? Wir planen jetzt eine Sache, eventuell kannst du auch dafür werben. Seelsorge. Ich kann dir gleich Voice-Nachrichten abspielen: Reza, ich kann nicht mehr, ich geh zum Psychologen, ich lebe nur noch mit Antidepressiva, weil meine Mitmenschen im Iran so abgeschlachtet werden.
Reza Mehman: Kann ich heute bestätigen, ich hab in der Gruppe einen Kumpel, auch Iraner, genau das Gleiche.
Reza Shari: Ich hab ein Team zusammengestellt. Wir sind alle so eine Art Aktivisten geworden, wo wir nur die Stimme der Opfer und der Menschen aus dem Iran sein wollen. Und wir machen viel. Wir haben wie gesagt fünf Busse mitgenommen mit allem Drum und Dran.
Jetzt planen wir eine Art Seelsorgetreff, mit Sport, Dehnungen, frühstücken, zusammen sprechen, miteinander sitzen, einfach die Sorgen aus der Seele sprechen. Das planen wir im Luisenpark in Mannheim.
Reza Mehman: Mega. Schick mir bitte einen Link, wenn es soweit ist.
Reza Shari: Ja, ich poste es auf jeden Fall. Wir sind dankbar, dass es euch auch gibt, als neue Presse und Instrument, dass du somit auch die Stimme der Bevölkerung sein kannst.
Reza Mehman: Es tut mir unglaublich weh, was da passiert, das kann ich dir sagen.
Reza Shari: Auf der anderen Seite: Durch diese Art von Arbeit merkst du, auch wenn es klein ist, dass du was getan hast, und es ist schön.
Reza Mehman: Ja, 100 Prozent. Reza, ich glaub, das war mein längster Podcast. Lee, wie lange läuft der schon? 90 Minuten. Tatsächlich einer meiner längsten Podcasts, die ich jemals gemacht habe, weil es auch so ein emotionales Thema ist. Ich würde dich bitten, dass wir vielleicht noch mal sprechen können, bald. Ich weiß, dass du erstmal paar Wochen nicht da bist, aber spätestens, wenn hoffentlich entweder die USA sich einmischen oder jemand anderes sich einmischt oder es von selbst kommt, dass wir vielleicht noch mal ein Update geben können. Also mir hat das Gespräch tatsächlich sehr geholfen.
Reza Shari: Hab ich dich therapiert?
Reza Mehman: Darüber hab ich noch nicht nachgedacht, aber vielleicht ein bisschen. Was für mich halt total authentisch ist: deine Erfahrung. Ich weiß von dir aus Social Media, dass du aktiv bist, deswegen sag ich nicht ohne Grund Aktivist. Du warst schon vor ein paar Jahren aktiv, deine Erfahrung jetzt mit dem Iran, mit der Verhaftung und so weiter, was in den Medien dann war, das Thema, dass du Busse organisierst, auch sehr emotional auf Instagram und Co Leute mobilisierst, was richtig und wichtig ist. Deswegen wusste ich nicht, mit wem ich besser darüber sprechen kann als mit jemandem, der das selbst erlebt hat.
Reza Shari: Übrigens, alles ehrenamtlich, ohne jegliche finanzielle Unterstützung. Das zahl ich also, wenn was ist, alles aus meiner Tasche, natürlich auch mit der Gruppe.
Reza Mehman: Ich weiß auch, dass du ein bisschen Unternehmer bist.
Reza Shari: Ja, ich hab letztens auch so einen Hater darunter gehabt, der geschrieben hat: Ja, du denkst eh nur an die Euros. Ich so: OK, wenn du wüsstest, was ich alles schon ausgegeben hab. Fünf Busse organisiert, total bescheuert, aber das wollte ich noch mal betont haben.
Reza Mehman: Ich danke dir erstmals vielmals für das Gespräch und ich hoffe, wir können da bald einfach wieder drüber sprechen.
Reza Shari: Ich bin sehr froh, dass du mich eingeladen hast. Weißt du auch warum? Nee: wegen zwei Dingen. Einmal einem Landsmann von mir die Sorgen genommen hab. Ich seh eine andere Mimik als am Anfang in deinem Gesicht. Das ist die eine Sache, da bin ich sehr stolz drauf, auch wenn es nur eine Person ist.
Zweitens, dass ich eventuell dir geholfen hab, mit Idioten anders zu reden. Man muss nicht in die Opferrolle schlüpfen, das ist verkehrt. Die wollen das nicht mit uns. Da sind wir viel zu kultiviert. Wir sind stolze Perser.
Reza Mehman: Das bleibt auch so, 100 Prozent bin ich der Überzeugung. Da hast du vollkommen recht. Ich danke dir.




