81. „The German Mindset“ – Sind wir für Nachhaltigkeit & Technologien im globalen Vergleich gut aufgestellt? – Reza Mehman Podcast Folge 81

Dinner im Schloss 2022

In Folge 81 von Project Mindset lädt Reza Mehman hochkarätige Entscheiderinnen und Entscheider zu einem Dinner im Schloss Heidelberg ein und diskutiert mit ihnen, wie Deutschland im internationalen Vergleich bei Nachhaltigkeit und Technologie aufgestellt ist.

Gäste: Anahita Thoms (Partnerin, Baker McKenzie), Cawa Younosi (SAP), Christian Wiens (Gründer GetSafe), Prof. Dr. Eckart Würzner (Oberbürgermeister Heidelberg), Olga Mordvinova (Gründerin Inktec)


Das vollständige Transkript

Hi zusammen und herzlich willkommen zu einer Project Mindset Special.
Puh, ich muss schon sagen, wir leben aktuell in sehr herausfordernden Zeiten.
Wir haben gemerkt, dass Krisen und Konflikte weltweit natürlich auch bei uns Implikationen haben,
wie wir hier unseren Wohlstand weiter vermehren können oder ob wir sogar stagnieren mit unserem Wohlstand.
Ich möchte heute mit Entscheiderinnen und Entscheidern sprechen,
wo wir eigentlich als Deutsche im internationalen Vergleich stehen,
gerade bei so Themen wie Nachhaltigkeit oder Technologien.
Daher bin ich super happy, dass ich folgende Gäste heute mit dabei habe.
Anahita Thoms, Partnerin bei der renommierten Kanzlei Baker McKinsey.
Cawa Younosi, Top-Personaler beim DAX-Konzern SAP.
Christian Wiens, Gründer und Geschäftsführer vom Introtec-Startup GetSafe.
Prof. Dr. Eckart Würzner, Oberbürgermeister meiner Lieblingsstadt Heidelberg.
Und Olga Mordvinova, Geschäftsführerin und Günderin von Inktec.
Ein Riesendank geht auch den Spitzengastronomen Martin Schaaf,
der unser Dinner im Schloss kulinarisch hervorragend begleitet hat.

So, starten wir nun mit der ersten Frage an Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner.
Da er auch gleichzeitig erster Stellvertreter des Deutschen Städtetages ist,
hat er natürlich eine sehr gute Übersicht darüber,
wie die anderen Städte zu den gerade genannten Themen stehen.
Von Herr Würzner wollte ich wissen, was es eigentlich bedeutet,
wenn eine Stadt wie Heidelberg klimaneutral werden möchte.
Was bedeutet klimaneutral in diesem Kontext?
Also erstmal ist es wichtig, dass wir einfach feststellen,
die globale Klimaerwärmung schreitet schneller voran,
als wir es eigentlich noch vor Jahren erwartet hätten.
Also ein sehr ernstes Thema.
Ein Thema, was natürlich insbesondere auch in den Industrieländern eine Riesenrolle spielen muss.
Denn wir sind nun mal einfach auch der Hauptemittent momentan von klimaverändernden Gasen.
Und deswegen ist es wichtig, dass wir in den Industrieländern vorangehen.
Heidelberg hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu sein.
Das ist sehr ambitioniert.
Das bedeutet, wir müssen unsere CO2-Emissionen um 80 Prozent reduzieren.
Und das ist natürlich eine riesige Herausforderung.
Aber wir haben auch schon sehr viel erreicht.
Wir haben zum Beispiel schon 50 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Energien.
Wir haben sehr viel in die Wärmeversorgung investiert.
Wir haben sehr viel in die Mobilität investiert.
Und wir sind auf einem guten Weg.
Aber es ist natürlich noch sehr viel zu tun.
Und das ist auch das, was ich immer sage:
Klimaneutralität ist kein Selbstzweck.
Es ist eine Notwendigkeit.
Und wir müssen das auch als Chance sehen.
Denn wenn wir das schaffen, dann sind wir auch wirtschaftlich sehr gut aufgestellt.

Reza: Herr Würzner, Sie haben gerade gesagt, Heidelberg möchte bis 2030 klimaneutral sein.
Das ist ja ein sehr ambitioniertes Ziel.
Wie realistisch ist das aus Ihrer Sicht?
Und was sind die größten Herausforderungen dabei?

Würzner: Also ich glaube, wir haben eine realistische Chance, das zu schaffen.
Aber es ist natürlich sehr, sehr anspruchsvoll.
Die größten Herausforderungen sind sicherlich die Wärmeversorgung,
also wie wir die Gebäude beheizen.
Das ist der größte CO2-Emittent in einer Stadt.
Und da müssen wir sehr viel investieren.
Wir müssen die Gebäude sanieren.
Wir müssen auf erneuerbare Energien umstellen.
Und das ist natürlich sehr teuer.
Das ist auch eine große Herausforderung für die Bürgerinnen und Bürger.
Aber ich glaube, wenn wir das gemeinsam angehen,
dann können wir das auch schaffen.
Und ich bin da eigentlich sehr optimistisch.

Reza: Frau Thoms, Sie als Juristin kennen beide Seiten sehr gut.
Sie kennen natürlich die Gesetzeslage, aber auch das, was Unternehmen leisten können überhaupt.
Sie haben vorher das Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz angesprochen.
Ich habe manchmal den Eindruck, es ist unglaublich schwer als Unternehmen, da durchzublicken.
Welche Gesetze würden Sie eigentlich gerne verschärfen?
Und denken Sie, das schafft ein Unternehmen überhaupt, sich da reinzufuchsen in diese Gesetze?

Thoms: Das ist natürlich eine sehr, sehr komplexe und bedeutende Frage.
Erstens würde ich sagen, wir müssen einige Gesetze abbauen.
Wir brauchen Bürokratieabbau in vielerlei Hinsicht.
Es war wirklich kontrovers, die Einführung des Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetzes.
Es gab viele Unternehmen, die wollten sogar das Gesetz, weil sie gesagt haben,
wir wollen einen Level Playing Field haben.
Wir wollen, dass alle Unternehmen die gleichen Standards einhalten müssen.
Und das ist natürlich auch ein wichtiger Punkt.
Aber es ist auch wichtig, dass wir die Unternehmen nicht überfordern.
Und da ist natürlich die Frage, wie wir das richtig ausbalancieren.
Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir klare und einfache Regeln haben.
Regeln, die auch für kleine und mittlere Unternehmen umsetzbar sind.
Und da haben wir noch einiges zu tun.

Reza: Christian, du als Gründer eines InsurTech-Startups.
Wie siehst du das Thema Nachhaltigkeit in der Startup-Welt?
Ist das ein Thema, das die Startups wirklich ernst nehmen?
Oder ist das eher ein Marketing-Thema?

Christian Wiens: Also ich glaube, das ist ein sehr wichtiges Thema.
Und ich glaube, die Startups nehmen das auch ernst.
Aber es ist natürlich auch eine Frage der Ressourcen.
Als Startup hat man oft nicht die Ressourcen, um sich wirklich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen.
Man ist erst mal damit beschäftigt, das Unternehmen aufzubauen.
Aber ich glaube, dass es immer wichtiger wird.
Und ich glaube, dass die Startups, die das Thema ernst nehmen, auch langfristig erfolgreicher sein werden.
Weil die Kunden das auch immer mehr erwarten.
Und weil es auch regulatorisch immer wichtiger wird.
Also ich glaube, das ist ein Thema, das wir alle ernst nehmen müssen.

Reza: Cawa, du bist bei SAP für das Thema Personal zuständig.
Wie siehst du das Thema Nachhaltigkeit aus der HR-Perspektive?
Ist das ein Thema, das die Mitarbeiter interessiert?
Und wie geht SAP damit um?

Cawa Younosi: Also ich glaube, das ist ein sehr wichtiges Thema für die Mitarbeiter.
Gerade die jüngere Generation, die Millennials und die Generation Z,
die erwarten von ihrem Arbeitgeber, dass er sich für Nachhaltigkeit einsetzt.
Und das ist auch ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung, wo man arbeiten möchte.
SAP hat sich sehr ambitionierte Ziele gesetzt.
Wir wollen bis 2030 klimaneutral sein.
Und wir haben auch schon sehr viel erreicht.
Wir haben zum Beispiel unsere CO2-Emissionen in den letzten Jahren deutlich reduziert.
Und wir investieren sehr viel in erneuerbare Energien.
Aber es ist natürlich noch sehr viel zu tun.
Und ich glaube, das ist auch eine Chance für uns als Unternehmen.
Denn wenn wir das schaffen, dann sind wir auch als Arbeitgeber attraktiver.

Reza: Olga, du bist Gründerin von Inktec.
Wie siehst du das Thema Nachhaltigkeit in der Tech-Branche?
Und was macht Inktec in diesem Bereich?

Olga Mordvinova: Also ich glaube, das ist ein sehr wichtiges Thema.
Und ich glaube, die Tech-Branche hat da eine besondere Verantwortung.
Weil wir natürlich sehr viel Energie verbrauchen.
Und weil wir auch sehr viel Einfluss haben auf die Art und Weise, wie andere Unternehmen arbeiten.
Bei Inktec haben wir uns von Anfang an das Ziel gesetzt, nachhaltig zu sein.
Wir haben zum Beispiel unsere Server in einem Rechenzentrum, das mit 100 Prozent erneuerbaren Energien betrieben wird.
Und wir versuchen auch, unsere Kunden dazu zu bringen, nachhaltiger zu arbeiten.
Ich glaube, das ist auch ein wichtiger Punkt.
Dass wir nicht nur selbst nachhaltig sind, sondern auch andere dazu bringen, nachhaltiger zu sein.
Und da haben wir als Tech-Unternehmen natürlich eine besondere Möglichkeit.

Reza: Ich möchte jetzt noch mal auf das Thema Technologie eingehen.
Herr Würzner, wie sehen Sie die Rolle von Technologie bei der Erreichung der Klimaziele?
Und was sind die wichtigsten Technologien, die wir dafür brauchen?

Würzner: Also ich glaube, Technologie ist ein ganz entscheidender Faktor.
Ohne Technologie werden wir die Klimaziele nicht erreichen.
Und da haben wir in Deutschland und in Europa sehr viel Potenzial.
Wir haben sehr gute Universitäten, sehr gute Forschungseinrichtungen.
Und wir haben auch sehr gute Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind.
Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass diese Technologien auch wirklich eingesetzt werden.
Und da ist natürlich die Politik gefragt.
Wir brauchen klare Rahmenbedingungen, die den Einsatz von erneuerbaren Energien und anderen nachhaltigen Technologien fördern.
Und wir brauchen auch Investitionen in die Infrastruktur.
Also ich glaube, da haben wir noch einiges zu tun.
Aber ich bin optimistisch, dass wir das schaffen können.

Reza: Frau Thoms, Sie haben vorhin gesagt, dass wir in Deutschland auf hohem Niveau meckern.
Ich würde gerne noch mal von Ihnen hören, wie Sie das sehen.
Ist das Meckern auf hohem Niveau?
Oder haben wir wirklich ernsthafte Probleme?

Thoms: Also ich finde, wenn wir im Business-Umfeld uns umschauen, mag ich ambitioniert zu sein.
Ich möchte, dass wir da Vordenkerinnen sind und dass wir da wirklich pushen.
In vielerlei anderer Hinsicht merke ich jedes Mal, wenn ich im Ausland bin, wie gut es uns geht.
Das eine ist der Wohlstand, den wir hier haben, auf den wir uns nicht ausruhen sollten.
Das andere sind Dinge, die für total selbstverständlich erachtet werden.
Das fängt an bei dem Freiheitsbegriff, der Möglichkeit zu demonstrieren, fast wie und wann ich möchte.
Die Versammlungsfreiheit, Rechtsstaatsprinzip, also das Thema, dass wir kaum Korruption in Deutschland haben.
Dass es zwar natürlich auch hier Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten gibt,
aber trotzdem die gar nicht im Verhältnis stehen zu ganz vielen Ländern, in denen ich entweder gelebt habe,
in denen ich arbeite, in denen ich viele Kontakte habe.
Also ich denke, wir müssen einfach schauen, dass wir das stabil halten.
Ich sehe die letzten Landtagswahlen sehr kritisch.
Also da muss man auch sehen, in vielerlei Hinsicht, wenn man sich das angeguckt hat am Wochenende,
wir können uns nicht darauf verlassen, dass das alles so bleibt.
Das heißt, da müssen wir dranbleiben.
Aber insgesamt dürfen wir auch ein bisschen glücklich darüber sein,
jetzt in diesem Umfeld zu sein, wo wir darüber diskutieren können,
wieso wir nicht so und so viel Prozent an Frauen im Vorstand haben.
Das ist etwas, was wichtig ist, das ist eine wichtige Diskussion.
Aber im globalen Umfeld ist es häufig eine Nicht-Diskussion.
Wenn es darum geht, ob ich morgen Geld dafür habe, um meinem Kind eine Hose zu kaufen.
Das sind ganz konkrete Sachen, die ich immer wieder sehe, wenn ich in den Armenvierteln der Welt bin.
Das sind die Sorgen der Menschen.
Die Sorgen der Menschen ist, kann ich meine Tochter einschließen im Zimmer,
weil ich Angst habe, sie geht raus, demonstriert und sie kommt nicht mehr nach Hause.
Das sind die Sorgen der Menschen.
Da müssen wir einfach sagen, seid ein bisschen dankbarer und seid auch ein bisschen großzügiger miteinander.

Reza: Sehr schöne Abschlussworte.
Ich danke euch allen für die Zeit.
Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, einiges mitgenommen.
Ich hoffe, wir konnten ein paar gute Eindrücke, gute Vibrations nach außen bringen.
Vielen Dank.

Das waren wirklich sehr tolle Abschlussworte von Frau Thoms.
Und ich muss wirklich sagen, ich habe super viel mitgenommen.
Ich bin auf der einen Seite beruhigt, dass wir im internationalen Vergleich immer noch gut dastehen.
Auf der anderen Seite weiß ich natürlich, wenn wir unseren Kindern eine bessere Welt hinterlassen wollen,
dann haben wir noch einiges zu tun.
In diesem Sinne, vielen Dank fürs Zuhören.
Vielen Dank fürs Zuschauen.
Bis hoffentlich bald wieder.
Und nicht vergessen bis dahin, Mindset ist alles.


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